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Auf der Mittelmeerinsel war am Freitagabend wieder einmal Fußball-Feststimmung angesagt. 35.820 Zuschauer drängten sich im Stadion von Heraklion, um den 7. Spieltag der 1. Liga Griechenlands zu erleben. Und sie wurden nicht enttäuscht: OFE Kreta besiegte AEL Athen mit 2:1 - ein Spiel, das so temperamentvoll war wie ein griechischer Sommerabend und so launisch wie der Wind über dem Ägäischen Meer. Kaum hatten die Fans ihre Sonnenblumenkerne sortiert, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 4. Minute sprintete Guillermo Yanez, Kretas quirliger Linksaußen, nach einem beherzten Vorstoß von Markos Kirastas über die linke Seite in den Strafraum. Ein kurzer Blick, ein präziser Schuss - 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Yanez nach Abpfiff, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Die Athener, kurz geschockt, brauchten nicht lange, um zurückzuschlagen. In der 14. Minute zeigte Achilleas Iosifidis, dass er nicht nur einen göttlich klingenden Namen trägt. Nach einem hohen Ball von Verteidiger Armandos Lekkas setzte er sich clever gegen zwei Gegenspieler durch und traf zum Ausgleich. "Wir waren da zu brav, fast höflich", knurrte Kretas Trainer Jeff Johnson später. "Vielleicht dachten meine Jungs, Iosifidis sei ein Tourist und wollte nur ein Foto machen." Doch Kreta ließ sich von der athener Ausgeglichenheit nicht beeindrucken. Das Spiel blieb offen, der Ballbesitz nahezu ausgeglichen - 49 zu 51 Prozent, wie die Statistik nüchtern vermeldet, während auf dem Rasen ein heißblütiges Duell tobte. In der 40. Minute kam dann die Szene, die später wohl auf jedem griechischen Sportkanal rauf und runter laufen wird. Yanez, wieder einmal kaum zu halten, legte den Ball elegant in den Rückraum, wo Ktesias Salpingidis lauerte. Mit einem Schuss, so trocken wie der Wein der Insel, traf er zum 2:1. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Salpingidis, der nach dem Spiel noch minutenlang von Fans gefeiert wurde. "Guillermo hat den Ball perfekt gelegt - da war selbst Zeus chancenlos." Die zweite Halbzeit begann mit einem wahren Wechsel-Festival: Kretas Coach Johnson rotierte gleich dreifach zur Pause, während Athen-Trainer Ryan Mystery ebenfalls am Personalrad drehte. Ob die beiden dabei einen taktischen Schachzug planten oder einfach zeigen wollten, dass sie auch noch leben, blieb unklar. Jedenfalls blieb es beim 2:1 - trotz beiderseitiger Chancen, Gelber Karten und einiger schauspielerischer Einlagen, die wohl eher für die Theaterbühne als den Rasen gedacht waren. Markos Kirastas, Kretas linker Verteidiger und Vorlagengeber des ersten Treffers, sah in der 71. Minute Gelb - wohl für übermäßige Leidenschaft. Drei Minuten später zog Athener Valantios Nikoloudis nach. "Der Schiri wollte wohl nicht, dass sich einer benachteiligt fühlt", kommentierte ein Zuschauer trocken. Die Schlussphase gehörte dann den Torleuten - oder besser gesagt: ihren Nerven. Bei Athen parierte Tyler Hannigan mehrfach glänzend gegen den unermüdlichen Yanez, der allein fünf Torschüsse in der Statistik stehen hat. "Ich dachte, er hat ein Abo auf meine Strafraumecke", stöhnte Hannigan später. "Aber so ist das: Mal frisst dich der Stier, mal du den Stier." Trotz der Offensivlaune beider Teams - jeweils acht Schüsse aufs Tor - blieb es beim 2:1. Athen drückte, Kreta verteidigte clever, und als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion ein Meer aus Jubel und Pyrotechnik (offiziell natürlich nur genehmigte). Trainer Johnson, noch immer mit Sonnenbrand auf der Stirn, fasste es passend zusammen: "Heute hat nicht die Taktik gewonnen, sondern der Wille. Und vielleicht ein bisschen der Wind von der Ägäis." Ryan Mystery hingegen suchte Trost in Philosophie: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Tore. Das ist wie im Leben - manchmal gewinnst du den Dialog, aber verlierst das Gespräch." Und so geht Kreta mit drei Punkten mehr auf dem Konto in die neue Woche, während Athen sich fragen muss, wie man ein Spiel verlieren kann, das statistisch fast unentschieden war. Vielleicht hilft ein wenig Sonne, um die Wunden zu lecken. Auf Kreta jedenfalls wissen sie: Wenn der Ball rollt, rollt auch das Leben - am liebsten mit einem 2:1. 07.08.643990 10:15 |
Sprücheklopfer
Er hatte plötzlich Sehstörungen. Vielleicht hat er deshalb das Tor getroffen.
Matthias Sammer über Lars Ricken, der nach einen Zusammenprall ein Tor schoss und dann mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste