Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Kreta dominiert, trifft aber nicht - ein 0:0, das fast wehtut

Ein lauer Abend auf Kreta, 35.345 Zuschauer im Stadion, und doch lag etwas in der Luft. Vielleicht der Geruch von Gyros und Enttäuschung, vielleicht einfach nur das Gefühl, dass OFE Kreta heute alles richtig machen und trotzdem nichts Zählbares mitnehmen würde. Am Ende stand ein 0:0 gegen Atromitos, das irgendwie lauter war als manch 3:3 - ein torloses Spektakel der besonderen Art.

Von Beginn an machte die Mannschaft von Jeff Johnson klar, dass sie nicht gekommen war, um ein weiteres mediterranes Schaulaufen zu veranstalten. Schon in der 6. Minute prüfte Vyron Stephanopoulos den Keeper von Atromitos, Jannis Lee, mit einem satten Schuss aus 16 Metern. Lee parierte, als hätte er noch nicht genug von seinen Reflexübungen im Training. Nur zwei Minuten später war es wieder Stephanopoulos, diesmal nach schöner Vorarbeit von Guillermo Yanez - wieder flog der Ball knapp über die Latte.

"Ich dachte irgendwann, der Ball will einfach nicht rein", grinste Yanez nach dem Spiel und zeigte auf seinen Schuh. "Vielleicht war es die falsche Größe." Ein Scherz, hinter dem Frust steckte - denn Kreta feuerte insgesamt 21 Mal aufs Tor, während Atromitos ganze fünf zaghafte Versuche zustande brachte.

Die Gäste aus Athen wirkten von Anfang an so defensiv eingestellt, dass selbst ein Parkplatzwächter an der Seitenlinie mehr Bewegung zeigte. Trainer Michael Graf hatte seine Elf klar auf Konter eingestellt: lange Bälle, viel Geduld, wenig Risiko. "Wir wussten, dass Kreta offensiv stark ist. Also mussten wir das Spiel hässlich machen", gab Graf später mit einem Lächeln zu. Mission erfüllt.

OFE Kreta dagegen spielte, als hätte man ihnen die Anweisung gegeben, jede Angriffssituation in ein Kunstwerk zu verwandeln. Felipe Jemez scheiterte in der 16. Minute, in der 22., in der 29. - und kurz vor der Pause nochmal. Der Torhüter von Atromitos, der noch in der ersten Halbzeit mehr fliegende Paraden zeigte als ein Zirkusartist, wurde von den Fans der Gäste mit einem augenzwinkernden "Mauermann!"-Sprechchor gefeiert.

Zur Pause wechselte Johnson: Jose Couto, der sich nach einem Schlag auf den Oberschenkel verletzt hatte, wurde durch Minos Theodoridis ersetzt. "Ich wollte frischen Wind und habe stattdessen nur mehr Wind bekommen", seufzte der Trainer später.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild kaum. Kreta drückte, Atromitos mauerte. Duarte Caneira versuchte es in der 48. Minute, Niklas Reiter in der 80., und selbst Linksverteidiger Markos Kirastas schlich sich bei einer Ecke nach vorne, um in der 41. Minute (!) einen Schuss abzufeuern, der fast das Netz traf - allerdings das Außennetz.

Atromitos dagegen blieb seiner Linie treu. Oscar Neil, offenbar mit einer Lizenz zum Schießen aus allen Lagen, prüfte Kretas Torwart Marios Ioannou gleich zweimal - in der 4. und 67. Minute. Beide Male war Ioannou da, beide Male sah er dabei so unbeeindruckt aus, als würde er gerade ein Kreuzworträtsel lösen.

Die letzten zehn Minuten hatten dann fast etwas von Slapstick. Kreta warf alles nach vorne, Yanez und Jemez schossen, als würde das Tor gleich weglaufen, und Atromitos verteidigte mit elf Mann im Strafraum. In der Nachspielzeit sprang selbst Trainer Jeff Johnson kurz auf, ehe er sich wieder setzte und murmelte: "Vielleicht morgen."

Am Ende blieb es beim 0:0, einem Ergebnis, das Kretas Überlegenheit in Zahlen ausdrückt, aber nicht in Toren: 54 Prozent Ballbesitz, 21 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und null Treffer.

"Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Johnson nach Abpfiff. "Nur dem Tor vielleicht. Das war heute eindeutig zu klein."

Sein Gegenüber Graf lachte laut auf: "Wenn wir 90 Minuten so verteidigen, dürfen wir uns auch mal ein torloses Fest gönnen."

Die Zuschauer gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause - zufrieden mit der Leidenschaft, aber hungrig nach Toren.

Und irgendwo zwischen Kreta und Athen, im nächtlichen Flugzeug zurück in die Hauptstadt, soll ein Atromitos-Spieler seinen Sitznachbarn gefragt haben: "Haben wir eigentlich gespielt - oder nur verteidigt?"

Ein Spiel also, das keiner so schnell vergisst, obwohl nichts passiert ist. Fußball kann manchmal grausam ehrlich sein: Wer das Tor nicht trifft, gewinnt auch auf Kreta nichts - außer vielleicht die Sympathie derer, die schöne Niederlagen lieben.

09.12.643987 04:18
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Ich denke, dass ich auch jemand bin, den man sehr gut anfassen kann.
Andreas Möller
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