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Es war einer dieser Abende, an denen die Flutlichter im Parken-Stadion mehr Wärme spendeten als die Februar-Luft. 16.000 Zuschauer trotzten am 32. Spieltag der 1. Liga Dänemark den Minusgraden - und wurden von einem SC Kopenhagen belohnt, der Midtjylland mit 3:1 vom Platz fegte. Und das, obwohl der Gast mit "offensiver Ausrichtung" auf dem Papier antrat. Auf dem Rasen allerdings sah das eher nach "Wir hoffen auf einen Zufallstreffer" aus. Kopenhagens Trainer Abe Boy grinste nach dem Schlusspfiff in die Kameras und sagte: "Wir haben einfach mal versucht, den Ball öfter ins Tor zu schießen. Hat funktioniert." Eine nüchterne Analyse eines Mannes, dessen Team die Gäste mit 11:3 Torschüssen und 53 Prozent Ballbesitz regelrecht zerlegte. Das Spiel begann rasant - zumindest aus Sicht der Heimmannschaft. Nach drei Minuten prüfte Elliot Corey erstmals den gegnerischen Keeper Bjarke Danielsen, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Midtjylland antwortete in der 7. Minute mit einem harmlosen Versuch von Jörn Krogh, der jedoch eher als Rückpass durchging. In Minute neun sah Kopenhagens Linksverteidiger Bernardo Yaguez Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten nicht zum Standardrepertoire eines "fairen" Spiels gehört. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich später - "dass der Gegner im Weg war, war unglücklich." Danach übernahmen die Hausherren. Walter Jeppesen trieb das Spiel an, Georg Hoj zog in der Zentrale geschickt die Fäden. In der 43. Minute war es dann soweit: Jeppesen flankte präzise, Hoj köpfte ein - 1:0. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, während Gästetrainer in Gedanken wohl schon in der Halbzeitansprache versank. Nach dem Seitenwechsel blieb Kopenhagen am Drücker. In der 60. Minute erhöhte Daniel Christiansen, nach schöner Vorarbeit von Hoj, zum 2:0. Der Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und nordischer Gelassenheit. "Ich habe einfach draufgehalten", lachte Christiansen später. "Manchmal ist weniger Denken mehr." Midtjylland versuchte, das Spiel mit einem offensiven System zu drehen, aber was auf dem Papier wie Angriff aussah, war auf dem Platz eher ein höfliches Anklopfen. Fünf Minuten nach dem 2:0 war’s dann endgültig vorbei: Georg Hoj, der Mann des Abends, traf erneut - diesmal nach Pass von Roberto Hernando. 3:0, Deckel drauf. "Da kannst du als Torwart auch nur noch applaudieren", meinte Gästeschlussmann Danielsen halb ironisch, halb resigniert. Sein Trainer - der übrigens lieber anonym bleiben wollte, nachdem er das Mikrofon sah - soll in der Kabine gemurmelt haben: "Wir hatten doch gesagt, keine Geschenke." Immerhin durften die Gäste in der 71. Minute noch Ergebniskosmetik betreiben: Claus Paulsen verwandelte nach Vorarbeit von Krogh zum 3:1. Ein Treffer, der mehr Stolz rettete, als Spannung zurückbrachte. "Ich hab mich einfach gefreut, dass wir überhaupt mal in den Strafraum kamen", sagte Paulsen trocken. Die letzten Minuten gehörten wieder den Hausherren. Elliot Corey, unermüdlich wie ein Marathonläufer mit Koffeinüberdosis, prüfte erneut den Keeper, verpasste aber das vierte Tor. Harald Jensen holte sich in der Nachspielzeit noch eine Gelbe Karte ab - vielleicht aus Langeweile. Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Sache: Kopenhagen dominierte Zweikämpfe (Tacklingquote 54,8 %), Ballbesitz (53,4 %) und Chancen. Midtjylland brachte kaum Struktur in sein Spiel, die Offensive verpuffte im dichten Mittelfeldnebel, den Georg Hoj mit seinem Doppelschlag endgültig auflöste. Trainer Abe Boy fasste das Geschehen in seinem typischen Understatement zusammen: "Wir waren heute einfach besser. Und das ist ja auch mal schön." Im Gästeblock hingegen herrschte betretenes Schweigen. Ein Fan, eingehüllt in drei Schals, murmelte: "Na ja, wenigstens war die Wurst heiß." - was man über das Spiel seiner Mannschaft nicht sagen konnte. So bleibt am Ende ein verdienter Sieg für den SC Kopenhagen, der mit Spielfreude, Zielstrebigkeit und einer Portion dänischem Humor überzeugte. Midtjylland muss sich fragen, ob "offensiv" nicht doch nur ein Wort auf dem Taktikzettel war. Und irgendwo im kalten Parken-Stadion, während die Lichter langsam ausgingen, soll ein Balljunge gesagt haben: "Wenn Hoj noch einmal so spielt, braucht er bald eigene Flutlichter." Ein Satz, der wohl die Wahrheit des Abends trifft - hell, klar und eindeutig: Kopenhagen glänzte, Midtjylland glomm. 13.04.643990 00:25 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll