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Es war ein kalter Februarabend in der dänischen Hauptstadt, aber die 16.000 Zuschauer im Parken-Stadion mussten sich nicht lange warmklatschen: Der SC Kopenhagen gewann am 19. Spieltag der 1. Liga Dänemark mit 2:0 gegen Lyngby BC - ein Sieg, der so solide wie unspektakulär ausfiel. Trainer Abe Boy wirkte nach Abpfiff fast so gefasst wie der Winterhimmel über der Stadt. "Ich mag Spiele, in denen man nicht friert, weil man sich aufregt", sagte er trocken. Von Beginn an war klar, dass Kopenhagen die Richtung vorgab. 56 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - dieselbe Zahl wie Lyngby, aber was die Hausherren draus machten, war schlicht reifer. Schon früh tastete sich Jörg Fritzsche mit einem Schuss in der 11. Minute heran, ehe seine Kollegen Esteban Mendes und Bjarke Thomsen fleißig nachlegten. Der Ball kreiste, Lyngby lief - und dann fiel das logische 1:0 in der 23. Minute: Thomsen flankte von links, Walter Jeppesen rauschte heran und drückte die Kugel eiskalt über die Linie. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht drüber geht - der Rasen war so glatt, ich hätte fast selbst abgehoben", grinste Jeppesen später. Thomsen, der Vorlagengeber, wurde da schon von Teamkollegen geherzt - und von Lyngbys Verteidigung gesucht. Lyngby versuchte es dagegen mit Mut und Muskelkraft. Trainer Hans Kellershoff hatte seine Elf offensiv eingestellt, doch die hübschen Ansätze verpufften meist im Mittelfeld. Besonders Pol Camacho, der rechte Flügel, rannte sich die Schuhe heiß, schoss in der 25., 28. und 31. Minute - aber Kopenhagens Keeper Laurent Bernheim hielt, was zu halten war. "Manchmal sieht man den Ball spät, manchmal gar nicht - heute war’s beides", sagte Bernheim lachend. Kurz vor der Pause kam es zu einer kuriosen Szene: Lyngbys Abwehrmann Simon Poulin rückte mit nach vorn, zog aus 25 Metern ab - und traf fast das Dach des benachbarten Parkhauses. Das Publikum quittierte es mit einem kollektiven "Ooooh", halb Mitleid, halb Spott. Nach dem Seitenwechsel stellte Kellershoff um, brachte Stig Buhl für den müden Camacho und später Jorge Derlei für den Mittelfeldmann Graversen. Doch der frische Wind wehte eher lauwarm. Lyngby schoss zwar aus allen Lagen, 13 Versuche insgesamt, aber ohne Fortune. Und als sich in der 66. Minute auch noch Caio Valente verletzte, war die Luft endgültig raus. Kopenhagen verwaltete, wie man es von einer Spitzenmannschaft erwartet. Taktisch blieb Abe Boy bei seiner ausgewogenen Grundordnung, ließ Ball und Gegner laufen. "Wir wollten Lyngby ein bisschen an der Leine halten, aber nicht zu fest - man will ja, dass sie noch atmen", kommentierte er später mit einem Schmunzeln. In der 70. Minute durfte der junge Olaf Johannesen ran - und lieferte prompt. Neunzehn Jahre alt, kaum auf dem Feld, bereitete er in der 89. Minute das entscheidende 2:0 vor. Sein Pass fand Jörg Fritzsche, der eiskalt abschloss und den Deckel draufsetzte. "Olaf hat mir den Ball so serviert, da musste ich nur noch Danke sagen", so Fritzsche. Der Neuling grinste: "Ich wusste gar nicht, dass er so schnell ist - dachte, ich hab zu weit gespielt." Während die Kopenhagener Fans in der Nachspielzeit schon "Meister, Meister" anstimmten, schüttelten die Lyngby-Spieler die Köpfe. Sie hatten nicht schlecht gespielt, aber in den entscheidenden Momenten fehlte das Quäntchen. Trainer Kellershoff wirkte nachdenklich: "Wir haben nicht schlecht gestanden, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Heute war Kopenhagen einfach effizienter." Mit dem Schlusspfiff erlosch auch Lyngbys letztes Aufbäumen. Kopenhagen verlegte sich auf Konter, das Publikum genoss den Abend - und der Stadionsprecher verabschiedete die Fans mit einem extra langen "Tak for i aften". Fazit: Der SC Kopenhagen spielte erwachsen, Lyngby engagiert, aber glücklos. 2:0 klingt klar - und war es auch. Die Statistik zeigt Gleichstand bei den Chancen, doch im Ergebnis spiegelt sich der Unterschied in Qualität und Kaltschnäuzigkeit wider. Oder, wie es der stets philosophische Mittelfeldmann Esteban Mendes nach dem Spiel ausdrückte: "Manchmal ist Fußball wie Schach. Nur dass hier der Bauer auch mal ein Tor schießt." Und so endete ein frostiger Abend mit warmen Herzen in Kopenhagen - und der Erkenntnis, dass Effizienz manchmal schöner ist als Spektakel. 14.01.643991 19:50 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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