Dagbladet Sport
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Kopenhagen siegt knapp - Bendtsen & Co. lassen Aalborg zittern

Ein kalter Februarabend, Flutlichtglanz im Parken-Stadion und 16.000 Zuschauer, die sich mit Glühwein und Gesängen gegen die Kälte wehrten: Der 9. Spieltag der 1. Liga Dänemark bot alles, was ein Fußballherz höher schlagen lässt. Am Ende siegte der SC Kopenhagen mit 3:2 gegen Aalborg SC - aber das war kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein Ritt auf der Rasierklinge.

Von Beginn an war klar: Trainer Abe Boy hatte seine Kopenhagener offensiv eingestellt. "Wir wollten Aalborg auf den Flügeln beschäftigen - und ein bisschen einschüchtern", grinste Boy nach dem Spiel. Seine Jungs setzten das gleich um: Tibo Van Royen prüfte schon in der 7. Minute den Aalborger Keeper, Ruben Carstensen legte in der 8. nach. Dass der Ball noch nicht im Netz zappelte, lag wohl nur an den Reflexen des jungen Stefan Thomsen im Aalborg-Tor - oder an einem Pakt mit dem Pfosten, der zweimal rettete.

In der 21. Minute war es dann so weit: Jan Bendtsen, Kopenhagens Dauerläufer auf der rechten Seite, wurde von Ward Dierickx herrlich bedient und hämmerte den Ball trocken ins linke Eck. 1:0 - und mit dieser Führung ging’s auch in die Pause. Aalborgs Trainer Benny Frandsen schüttelte da schon den Kopf: "Wir wollten eigentlich defensiv kompakt stehen. Aber Kopenhagen hat uns aufgezogen wie Gummibänder."

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann wild. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff schlug Bjarke Thomsen zu, nach einem langen Ball von Routinier Günter Hase. 2:0 - und der alte Hase (im wahrsten Sinne des Wortes) ließ sich sogar zu einem kleinen Tänzchen vor der Fankurve hinreißen. "Manchmal muss man zeigen, dass 35 kein Alter ist, sondern eine Einstellung", sagte er später mit einem Augenzwinkern.

Doch wer dachte, Aalborg würde jetzt auseinanderfallen, täuschte sich. Der erst 20-jährige Julio Roi, frisch eingewechselt, versenkte in der 57. Minute eiskalt - 3:1 nach Rubens Treffer in der 56.? Nein, 3:1 war es da schon! Carstensen hatte nur eine Minute zuvor den Ball zum dritten Mal im Aalborger Tor untergebracht, nach feiner Vorarbeit von Bendtsen. Die Kopenhagener wirkten da kurz wie eine dänische Version des FC Barcelona - nur etwas blonder.

Dann aber kam Aalborg zurück ins Spiel. Drei Minuten nach Rois Anschlusstreffer stand plötzlich der 19-jährige Alfred Kragh goldrichtig und traf nach Pass des 17-jährigen Walter Christensen zum 3:2. "Ich wusste nicht, ob ich jubeln oder meine Eltern anrufen soll", lachte Kragh später - sein erstes Profitor!

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Aalborg warf alles nach vorne, aber Kopenhagens Abwehr, angeführt vom abgeklärten Valentino Albanese, hielt stand. Der bekam in der Nachspielzeit zwar Gelb - "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch wach bin", witzelte er -, aber ansonsten ließ er nichts anbrennen. Auch Bjarke Thomsen sah Gelb, vermutlich aus Solidarität.

Und dann war da noch die Szene in der 81. Minute: Alfred Kragh blieb nach einem Zweikampf liegen, musste behandelt werden. Ganz Aalborg hielt den Atem an. Kragh konnte zwar weitermachen, humpelte aber tapfer bis zum Abpfiff. "Das war kein Schauspiel", betonte Trainer Frandsen, "das war Stolz."

Statistisch war das Duell fast ausgeglichen: 51 Prozent Ballbesitz für Kopenhagen, 49 für Aalborg, 16:10 Torschüsse - ein enger Tanz auf Messers Schneide. Doch die Effizienz entschied: Kopenhagen machte aus drei der 16 Versuche Tore, während Aalborg trotz beherztem Auftritt an Keeper Laurent Bernheim und der eigenen Nervosität scheiterte.

Trainer Abe Boy zeigte sich nach Schlusspfiff zufrieden, aber auch leicht genervt: "Wir hätten das Spiel früher zumachen müssen. Stattdessen dachte jeder, wir wollten den Zuschauern noch zehn Minuten Nervenkitzel schenken." Sein Gegenüber Frandsen konterte trocken: "Wenn Nervenkitzel Punkte geben würde, hätten wir heute gewonnen."

So blieb es beim 3:2 für den SC Kopenhagen - ein Sieg, der verdient, aber hart erarbeitet war. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit Applaus, während die Aalborger Youngsters mit hängenden Köpfen vom Platz gingen, aber wohl einiges dazugelernt haben.

Vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Erfahrung schlägt Jugend - aber nur knapp. Und irgendwo in den Katakomben soll man Abe Boy murmeln gehört haben: "Wenn wir so weiterspielen, brauche ich bald Baldrian statt Taktiktafel."

Ein kleines Stück dänisches Fußballtheater - mit Drama, Tempo und dem Gefühl, dass hier noch einiges kommen wird.

10.09.643990 13:30
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Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
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