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Es war einer dieser dänischen Winterabende, an denen der Atem sichtbar ist und der Fußball nach Glühwein riecht. 16.000 Zuschauer im Parken-Stadion erlebten am 3. Spieltag der 1. Liga Dänemark ein 1:1 (0:1) zwischen dem SC Kopenhagen und Lyngby BC - ein Ergebnis, das beiden Mannschaften zwar einen Punkt, aber kaum Zufriedenheit bescherte. Lyngby hatte früh gezeigt, dass sie nicht nur gekommen waren, um die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zu bewundern. Nach nur vier Minuten prüfte Jannick Fiedler den Kopenhagener Keeper Ben Braun mit einem wuchtigen Schuss - ein Vorbote dessen, was folgen sollte: viel Einsatz, wenig Effizienz. In der 44. Minute war es dann aber soweit. Robert Aagaard, der wendige Linksfuß aus Lyngby, verwandelte eine flache Hereingabe von Fiedler zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, und der Ball fand seinen Weg. Manchmal ist Fußball ganz einfach", grinste Aagaard später. SC Kopenhagen wirkte in der ersten Hälfte seltsam träge. Trainer Rasmussen (der sich, wie man hörte, schon in der Kabine über zu viel "Querpass-Romantik" beschwerte) sah seine Elf mit 52 Prozent Ballbesitz zwar leicht überlegen, doch von Dominanz war keine Spur. Lyngby verteidigte tief, lauerte auf Fehler - und fand sie. Kurz vor dem Pausenpfiff schallten erste Pfiffe durchs Stadion. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne brummte: "Das ist kein Parken, das ist ein Parkhaus!" - eine treffende Beschreibung der statischen Kopenhagener Offensive. Doch nach der Pause kam Bewegung ins Spiel, und zwar im besten Sinne. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff schickte Bjarke Thomsen mit einem cleveren Pass den erfahrenen Roberto Hernando auf die Reise. Der 34-Jährige fackelte nicht lange, zog trocken ab und traf zum 1:1. "Ich hab gesehen, dass der Torwart einen Schritt zu weit links stand. Da dachte ich mir: Danke, Fynn", sagte Hernando mit einem Augenzwinkern Richtung Lyngbys Keeper Fynn Krueger. Das Tor wirkte wie ein Weckruf, doch statt eines Feuerwerks folgte eher ein Kerzenlicht. Kopenhagen drückte, Thomsen und Bendtsen versuchten es mehrfach - insgesamt zehn Torschüsse standen am Ende zu Buche -, doch Lyngby blieb gefährlich. Besonders Elias Van Ranst hatte in der 57. Minute die große Chance zur erneuten Führung, als sein Schuss haarscharf am Pfosten vorbeistrich. Das Spiel wurde ruppiger. Lyngby wechselte bereits in der 31. Minute verletzungsbedingt Simon Poulin aus - eine Szene, die Trainer Hans Kellershoff an der Seitenlinie sichtlich nervös machte. "So früh wechseln zu müssen, bringt immer Unruhe", meinte er später. Doch sein Team kämpfte tapfer, auch als Kopenhagen in den letzten Minuten mit langen Bällen auf Bendtsen und Westergaard alles nach vorn warf. In der Nachspielzeit wurde’s noch einmal hitzig: Kim Frandsen holte sich eine Gelbe Karte ab, nachdem er den Ball eher in den Mann als ins Aus klärte. "Ich wollte nur sicher gehen", verteidigte er sich lachend. Das Publikum nahm’s sportlich - immerhin hatte man ein Spiel gesehen, das zwar kein Spektakel war, aber durchaus Drama bot. Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 52,5 Prozent Ballbesitz für Kopenhagen, 47,5 für Lyngby; 13:10 Torschüsse aus Sicht der Gäste. Kellershoff fasste es treffend zusammen: "Wir haben dem Favoriten Paroli geboten. Und ehrlich gesagt: Ein bisschen ärgere ich mich, dass es nicht mehr wurde." Kopenhagen-Coach Rasmussen sah das naturgemäß anders: "Nach dem 0:1 haben wir Moral gezeigt. Das ist die Art von Reaktion, die ich sehen will." Dass sein Team über weite Strecken ohne echtes Pressing agierte, kommentierte er mit einem schiefen Lächeln: "Wir wollten die Kräfte einteilen. Leider hat sich das Spiel nicht an unseren Plan gehalten." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das sich wie ein Kompromiss anfühlte. Lyngby durfte stolz sein, Kopenhagen war erleichtert, und die Zuschauer gingen mit dem Gefühl nach Hause, wenigstens nicht umsonst gefroren zu haben. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen formulierte: "Zwei Tore, eine Gelbe, kein Drama - das ist skandinavischer Realismus auf dem Rasen." Und man konnte ihm schwer widersprechen. 05.03.643987 05:15 |
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Oliver Kahn