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Ein nasskalter Februarabend, Flutlicht, 16.306 Zuschauer im Stadion und ein SC Köln, der plötzlich wieder Spaß am Fußball hat - das war der 16. Spieltag der 3. Liga. Die Hausherren zerlegten den SC Saarbrücken mit 4:1 (1:1) und schickten die Gäste mit hängenden Köpfen zurück an die Saar. Dabei hatte es zunächst gar nicht nach einem Kölner Fußballfest ausgesehen. Schon nach vier Minuten zischte der erste Schuss von Saarbrückens Georges Piccard knapp am Pfosten vorbei, und Trainer Klaus Kirpeit sprang wild gestikulierend an der Seitenlinie auf. Zwei Minuten später durfte er dann lächeln: David Barth, der 31-jährige Mittelstürmer mit der Schuhgröße eines Kleinwagens, traf nach Vorlage von Eugenio Cosenza zum 1:0. "Eugenio hat den Ball reingezirkelt, ich musste nur noch das Bein hinhalten", grinste Barth später. Es klang bescheiden, roch aber nach Stürmerglück. Doch Saarbrücken antwortete prompt - und wie. In der 13. Minute machte Luís Santos das, was Flügelstürmer tun sollen: Er zog von rechts nach innen, Bianchi legte clever quer, und Santos schob eiskalt zum 1:1 ein. Die Gäste jubelten, Kölns Keeper William Chamberlain schüttelte den Kopf, als hätte ihm jemand den letzten Tee weggetrunken. Danach wogte die Partie hin und her, Köln mit etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent) und deutlich mehr Zug zum Tor - 20 Abschlüsse sprechen eine klare Sprache. Saarbrücken kämpfte, aber mit jeder Minute schien die Kölner Offensive gefährlicher zu werden. Besonders der junge Marko Schlüter auf rechts wirbelte, bis er in der 72. Minute nach einem Zweikampf verletzt vom Platz musste. "Nichts Wildes, nur ein Schlag", beteuerte er später tapfer mit Eisbeutel am Knie. Nach der Pause legte Köln los, als hätte Trainer Kirpeit in der Kabine Espresso statt Wasser verteilt. Vincent Mascarenhas, erst 20 Jahre jung, zog in der 60. Minute aus der zweiten Reihe ab - zack, 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er hinterher lachend zu. Vielleicht sollte er öfter "flanken". Nur drei Minuten später war wieder Barth zur Stelle, diesmal nach feinem Doppelpass mit Mascarenhas - 3:1, Saarbrücken taumelte. Und als hätte das Schicksal Humor, traf derselbe Barth in der 72. Minute erneut, nach Pass von Harry Morrison, zum 4:1-Endstand. Da stand Saarbrückens Trainer Mike Wagner regungslos in seiner Coaching-Zone, wie eingefroren. "Wir waren da, aber irgendwie auch nicht", sagte er später in der Pressekonferenz und suchte lange nach den richtigen Worten. Seine Mannschaft kassierte insgesamt vier Gelbe Karten, darunter eine für Christian Döring in der Nachspielzeit - Symbolbild eines frustrierten Abends. Köln dagegen spielte die letzten Minuten mit einem breiten Grinsen und leichtem Spott in den Pässen. Als der Schlusspfiff kam, schwenkte Barth seine Arme wie ein Rockgitarrist, während Kirpeit in die Fankurve klatschte. "Wir haben endlich das umgesetzt, was wir trainieren", meinte der Coach und zwinkerte in Richtung Presse. "Nämlich Tore schießen." Saarbrücken verabschiedete sich mit gesenkten Köpfen, hatte aber auch Pech: Linksaußen Klaus Fricke musste in der 62. Minute verletzt raus, und seine Auswechslung brachte Unordnung ins Spiel. Ersatzmann Nevio Rohde mühte sich redlich, doch Köln roch Blut. Statistisch war es keine Demütigung - 47 Prozent Ballbesitz und neun Abschlüsse sind solide -, aber auf der Anzeigetafel stand etwas anderes. Köln gewann verdient, weil es zielstrebiger, wacher und schlicht besser gelaunt war. Nach dem Spiel scherzte Kapitän Chamberlain beim Interview: "Ich hatte heute fast Langeweile - vielleicht sollte ich mal wieder selbst schießen." Reporter lachten, Kirpeit verdrehte die Augen. So bleibt der SC Köln auf Kurs Richtung obere Tabellenhälfte, während Saarbrücken dringend an seiner Defensive arbeiten muss - und vielleicht an der Laune. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es formulierte, als er sich den Schal fester zog: "Wenn Köln so weiterspielt, brauchen wir bald Sonnenbrillen für die Flutlichtabende." Man darf gespannt sein, ob das Licht in Köln weiter so hell brennt - oder ob es nur ein schöner Februarfunke war. Heute jedenfalls war es ein Feuerwerk in Rot und Weiß. 30.11.643990 18:53 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
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