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Klagenfurt kontert Linz aus - der jugendliche Wahnsinn schlägt zu

Ein kalter Januarabend, 27.530 Zuschauer im Stadion an der Donau, und eine junge Mannschaft aus Kärnten, die sich dachte: Warum nicht gleich frech sein? Austria Klagenfurt gewann beim favorisierten Schwarz-Weiß Linz mit 2:1 und bewies dabei, dass Alter eben doch nur eine Zahl ist - zumindest, wenn man 17 ist und Jason Stahl heißt.

Bereits nach zehn Minuten klingelte es im Kasten der Linzer. Luke Robinson, 21, links vorne mit jugendlicher Unbekümmertheit und ordentlich Tempo, verwertete eine Vorlage eben jenes Jason Stahl. Der Teenager aus Klagenfurt hatte zuvor den Ball so elegant durch die Abwehr geschoben, dass man fast an ein Computerspiel glauben wollte. "Ich hab’ einfach instinktiv gespielt", grinste Stahl nach Abpfiff. "Ich wusste, Luke rennt da rein - und dann macht er’s halt." Trainer Rol Puk nickte später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Fassungslosigkeit lag: "Wenn man mit 17 so spielt, fragt man sich, was der Junge mit 25 macht. Vielleicht mich trainieren."

Schwarz-Weiß Linz schüttelte sich, versuchte, Kontrolle zu gewinnen - und tat das auch. 54 Prozent Ballbesitz, 16 Abschlüsse, aber eben: nur ein Tor. Die Linzer spielten gefällig, kombinierten sauber, doch vor dem Tor blieb vieles Stückwerk. "Das war wie Pizza ohne Käse", seufzte Coach Hick Up. "Sieht gut aus, schmeckt aber nach nix."

Und als die Linzer gerade wieder Mut schöpften, kam die nächste kalte Dusche: In der 33. Minute zirkelte Jaime Cabrero den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Fernando Alves ins rechte Eck - technisch fein, eiskalt, 0:2. Der Jubelblock der Kärntner tobte, während Linz’ Keeper Marcus Lorenz den Ball aus dem Netz fischte und sich selbst leise etwas murmelte, das der Pressetribüne zufolge "nicht druckreif" war.

Mit diesem 0:2 ging es in die Pause - und man hatte das Gefühl, die Linzer wollten am liebsten gleich wieder raus. Hick Up schien in der Kabine deutliche Worte gefunden zu haben, denn kaum lief die zweite Halbzeit an, da traf Knut Steffens zum Anschluss. 46. Minute, Pass von Rhys Fryer, Abschluss Steffens - und das Stadion explodierte. Der 20-Jährige lief jubelnd zur Eckfahne, brüllte seine Freude heraus und sagte später: "Ich hab einfach reingezimmert. Wenn du 2:0 hinten bist, denkst du nicht, du schießt jetzt filigran."

Von da an war es ein Spiel auf ein Tor - nämlich jenes der Gäste. Linz drückte, kombinierte, flankte, schoss. Christopher Richter allein hatte gefühlt fünf Gelegenheiten, die allesamt knapp daneben oder auf den Keeper gingen. 16 Torschüsse insgesamt - aber das Glück blieb in Kärnten. "Wir hatten mehr vom Spiel, aber weniger vom Ergebnis", biss Hick Up nach Abpfiff auf die Lippen.

Austria Klagenfurt hingegen spielte clever, lauerte auf Konter und verteidigte mit jugendlicher Frechheit und etwas Glück. Besonders auffällig: der 17-jährige Vitorino Varela, der in der 78. Minute Gelb sah, weil er laut Schiedsrichter "zu leidenschaftlich" in einen Zweikampf ging. "Wenn das Leidenschaft war, dann bin ich schuldig", lachte Varela später. Sein Trainer sah’s ähnlich: "Lieber zu heiß als zu kalt."

Die Schlussphase war dann ein einziger Linzer Sturmlauf. Felix Brand, Innenverteidiger mit Offensivdrang, holte sich in der Nachspielzeit noch Gelb ab - wohl aus Frust. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", erklärte er halb lachend, halb resigniert.

Am Ende blieb es beim 1:2. Klagenfurt jubelte über drei Punkte, die wohl niemand so richtig erwartet hatte. Linz dagegen überlegte sich, wie man Ballbesitz künftig in Zählbares umwandelt. Die Statistik sprach eine klare Sprache: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote - aber eben keine Punkte.

"Das ist Fußball", sagte Hick Up schließlich in die Mikrofone, "du kannst alles richtig machen und trotzdem verlieren. Oder alles falsch und trotzdem gewinnen. Heute haben wir beides geschafft."

Sein Gegenüber Rol Puk grinste nur: "Wir wollten offensiv spielen, aber ehrlich gesagt, das war eher überleben mit Stil."

So ging ein intensiver Abend zu Ende - mit jungen Helden, frustrierten Linzern und einem Publikum, das trotz Niederlage begeistert applaudierte. Vielleicht, weil sie wussten: Wer so kämpft, darf auch mal verlieren. Und wer so jung gewinnt, darf ruhig ein bisschen übermütig sein.

Denn wenn man 17 ist, zwei Jahre Führerschein hat und mit einem Assist zum Sieg beiträgt - dann ist die Welt eben ziemlich in Ordnung.

06.03.643987 15:15
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer
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