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Es war ein Abend, wie ihn Kingston liebt - laut, wild, emotional. 76.734 Zuschauer drängten sich ins National Stadium, um das ewig junge Derby zwischen den Kingston Boys und den Kingston Blues zu erleben. Und sie bekamen ein Spektakel, das selbst die Reggae-Klänge auf den Tribünen kurz verstummen ließ: 3:3 nach 90 Minuten, sechs Tore, zwei Gelbe Karten und ein Hauch von Wahnsinn. Schon vor dem Anpfiff um Punkt 20 Uhr war die Luft elektrisch. "Wer heute weniger läuft, der verliert - so einfach ist das", knurrte Boys-Trainer Mahatma Haathi mit verschränkten Armen. Sein Gegenüber Kevin Tüllinghoff, der taktische Tüftler der Blues, grinste nur: "Wir sind nicht zum Spazieren gekommen." Er sollte Recht behalten. Die Boys starteten furios. Nach elf Minuten feuerte Frederic Balzac den ersten Warnschuss ab, und drei Minuten später klingelte es tatsächlich. Balzac, der 21-jährige Shootingstar, verwandelte eine butterweiche Hereingabe von Miguel Andrade zum frühen 1:0. Die Heimfans tobten, die Trommeln bebten. "Ich dachte nur: Den hau ich jetzt einfach rein", lachte Balzac später, als wäre das alles Alltag für ihn. Doch die Blues wären nicht die Blues, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. Thierry Neville, gerade einmal 20 und mit der Frechheit eines Straßenkickers ausgestattet, glich in der 39. Minute aus - nach feiner Vorlage von Leon Marot. Vier Minuten später drehte Max Bethune das Spiel. Der 32-jährige Mittelstürmer köpfte eine Flanke von Christophe Besson so wuchtig ins Netz, dass Boys-Keeper Bernd Meister nur hinterherschauen konnte. 2:1 Blues - und plötzlich herrschte Grabesstille auf der Südtribüne. Zur Pause schimpfte Haathi am Spielfeldrand: "Wir lassen sie zu viel spielen!", während Tüllinghoff seinen Jungs zuraunte: "Noch ein Tor, dann trinken wir in Ruhe Tee." Doch der Tee blieb kalt. Nach dem Seitenwechsel kamen die Boys mit breiter Brust zurück. Haathi schickte Logan Rushton und später Guillaume Pienaar ins Rennen, um frischen Wind über die Flügel zu bringen. Und der Plan ging auf. In der 63. Minute legte Balzac mustergültig für Thomas Guillory auf, der den Ball trocken ins Eck zimmerte - 2:2! Nur eine Minute später schlug Balzac selbst wieder zu, diesmal nach Pass von Rechtsverteidiger Seppe Dewilde. 3:2 für die Boys, das Stadion bebte erneut. "Ich hab ihm zugerufen: ’Freddy, nimm ihn!’ - und plötzlich war der Ball drin", erzählte Dewilde später schmunzelnd. Der Belgier sah kurz darauf Gelb, weil er etwas zu beherzt in einen Zweikampf rauschte. "Ein bisschen Dreck gehört dazu", meinte er mit einem zwinkernden Auge. Doch die Blues gaben sich nicht auf. Trainer Tüllinghoff brachte in der 82. Minute den routinierten Jerome Carey, um das Mittelfeld zu stabilisieren. Und tatsächlich: In der 88. Minute schlug Ricardo Jordao zu, der ewige Routinier auf rechts. Nach Vorarbeit von Besson drosch er den Ball ins lange Eck - 3:3! Die Gästebank explodierte. Jordao riss die Arme hoch: "Ich bin 34, aber das war ein Jungbrunnen!" grinste er nach Abpfiff. Die letzten Minuten waren reine Anarchie. Noch ein Schuss der Boys durch Balzac, dann eine Rettungstat von Blues-Keeper Nelson Frechaut, der sich wie ein Panther in den Ball warf. Mahatma Haathi hielt sich die Glatze: "Wir hätten das Ding gewinnen müssen. Aber wenigstens haben wir’s nicht verloren." Tüllinghoff konterte: "3:3 - das ist kein Unentschieden, das ist Werbung für den Fußball." Die Statistiken geben ihm Recht: 10 Torschüsse der Boys, 9 der Blues, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste (54,5 Prozent) - ein Spiel auf Augenhöhe. Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide mit starkem Willen und vollem Einsatz. Nach Abpfiff blieb nur ein Fazit: Dieses Derby hatte alles - Tempo, Tore, Theater. Ein Spektakel, das man nicht so schnell vergisst. Balzac, der doppelte Torschütze, wurde zum Helden der Herzen, während Jordao den Blues das Remis rettete. Oder wie ein älterer Fan auf der Haupttribüne es zusammenfasste, während er die Trommelstöcke sinken ließ: "Wenn das Frieden ist, will ich keinen Krieg." Und so endete der 13. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit einem klassisch jamaikanischen Ergebnis: Sonne, Schweiß - und keinem, der wirklich verlieren wollte. 07.06.643987 04:08 |
Sprücheklopfer
Meine Frau und ich, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet und bei uns läuft alles gut.
Mehmet Scholl ausweichend auf die Frage, wann ihm Rehagel denn mitgeteilt habe, dass er wieder nur Ersatzspieler sein werde