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Ein lauer Abend in Kingston, rund 39.000 Zuschauer im Nationalstadion, und auf dem Rasen spielte die Musik - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kingston Junglists besiegten am 10. Spieltag der 1. Liga Jamaica den Whistling FC mit 2:1. Ein Spiel, das weniger von Taktik-Lehrbuch als von Leidenschaft, Rhythmus und gelegentlichem Chaos lebte. Schon nach fünf Minuten bebte das Stadion. Der junge Gerard Beyince, 22 Jahre alt, ließ seine Gegenspieler aussehen, als stünden sie noch beim Einlaufen. Nach einem cleveren Pass von Nestor Baiao zog er von links nach innen, schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Beyince nach dem Spiel schelmisch. Sein Trainer Andreas Müller dagegen hob die Augenbraue: "Wenn das eine Flanke war, dann war’s die schönste meines Lebens." Whistling FC, von Coach Gus Hidding gewohnt offensiv eingestellt, wirkte kurz wie auf falscher Frequenz. "Wir haben uns vom Beat des Publikums anstecken lassen - leider im falschen Takt", knurrte Hidding später. Die Gäste kamen nur langsam ins Spiel, während Kingston das Geschehen kontrollierte. 54 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Daniel Smith, der flinke Rechtsaußen der Junglists, hatte gleich mehrere Chancen, doch der Ball fand den Weg ins Netz nicht mehr. "Ich dachte, irgendwann pfeift der Schiri Elfmeter, nur weil ich so oft getroffen wurde - vom Ball, nicht vom Gegner", witzelte Smith nach der Partie. Dann, direkt nach Wiederanpfiff, die Szene des Abends: Der erfahrene Jacopo Castellani, 32, nahm erneut ein Zuspiel von Baiao auf, drehte sich elegant um den Verteidiger und drosch den Ball humorlos unter die Latte - 2:0 (46.). "Das war italienische Präzision mit jamaikanischem Feuer", jubelte Müller und tanzte kurz an der Seitenlinie, als hätte er den Rhythmus im Blut. Doch Whistling FC gab sich nicht geschlagen. In der 58. Minute kam Hoffnung auf: William Carey, der quirlige Linksaußen, drückte eine scharfe Hereingabe von David Grenier über die Linie - 2:1. "Da war plötzlich Leben in der Bude", sagte Carey später. Und tatsächlich: Die Gäste drückten, legten aber mehr Härte als Kreativität an den Tag. Zwei Gelbe Karten - Grenier (71.) und Gerassimow (66.) - zeigten, dass Whistling FC zunehmend mit den Nerven kämpfte. Und als letzterer in der 96. Minute auch noch Rot sah, war das sinnbildlich für den Abend: zu viel Pfeifen, zu wenig Spiel. Kingston dagegen spielte das Ergebnis mit kühler Reife herunter. Nur kurz sorgte Smiths Gelbe Karte in der Nachspielzeit (92.) für Aufregung, als er sich mit Gegenspieler Abati anlegte. "Er hat mir was gepfiffen", meinte Smith - "und das passte ja zum Clubnamen." Die Statistiken unterstreichen das Bild: 19 Schüsse aufs Tor für Kingston, nur 9 für Whistling FC. Ein Tackling-Quote von 53 Prozent für die Hausherren, die in den Zweikämpfen robust, aber nicht überhart wirkten. Im Gegensatz dazu verloren die Gäste mit zunehmender Spieldauer Linie und Geduld. Nach dem Schlusspfiff brandete Jubel auf. "Das war kein Zirkus, das war Handwerk", resümierte Müller mit einem zufriedenen Lächeln. Und Nestor Baiao, der Regisseur im Mittelfeld, fügte an: "Ich spiele lieber Pässe als Noten, aber heute klang’s ganz gut." Whistling-Coach Hidding wirkte derweil wie ein Mann, der gerade seine Lieblingspfeife verloren hat. "Wir hatten Chancen, aber Kingston war cleverer. Und vielleicht auch ein bisschen glücklicher." Als die Fans der Junglists noch lange nach Abpfiff auf den Rängen sangen, schien klar: In Kingston hat man wieder Lust auf Fußball bekommen. Und wer weiß - vielleicht tanzen die Jungs bald auch in der Tabelle ganz oben. Ein Abend voller Tempo, Humor und Emotion. Ein bisschen wild, ein bisschen improvisiert - wie ein guter Reggae eben. 13.05.643987 17:01 |
Sprücheklopfer
Einige haben von einem recht guten Spiel gesprochen. Da frage ich mich, ob ich zum Augen- oder zum Ohrenarzt muss.
Andreas Möller nach einer 1:3-Niederlage des BVB in Bielefeld