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Wenn in Kingston das Flutlicht angeht, dann weiß man: Es wird heiß. Und am 20. Spieltag der 1. Liga Jamaica brannte der Rasen im National Stadium lichterloh - zumindest metaphorisch. 76.882 Zuschauer sahen ein 2:2 der Kingston Boys gegen Fire-House FC, das alles hatte: Tempo, Tore, Taktik - und eine Prise Wahnsinn. Kaum hatte Schiedsrichter Brown angepfiffen, da zeigte Fire-House FC, dass sie ihren Namen nicht umsonst tragen. Nach nur acht Minuten zündete Oscar Zahinos die erste Fackel. Nach einem geschmeidigen Doppelpass mit Julian Arredondo nahm er Maß und drosch den Ball unhaltbar ins linke Eck. Kingston-Keeper Harry Poe streckte sich - und reckte dann nur noch die Hände in den Himmel, als wollte er sagen: "Na gut, der war wirklich schön." Trainer Mahatma Haathi an der Seitenlinie raufte sich kurz den Bart, formierte seine Boys neu - und siehe da, die Reaktion folgte. Thomas Guillory, der unermüdliche Linksaußen, war in der 34. Minute zur Stelle. Maurice Turcotte hatte mit einem beherzten Sprint über den Flügel vorbereitet, Guillory zog in die Mitte, ließ zwei Verteidiger stehen und traf zum 1:1. Die Tribüne bebte, während Haathi grinste: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen nicht vergessen, dass das Tor quadratisch ist - sie haben’s endlich wiedergefunden." Zur Pause stand es also 1:1, und die Statistik erzählte davon, dass Kingston mit 55 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen das Heft in der Hand hielt, während Fire-House mit 12 Abschlüssen gefährlich blieb. Beide Trainer blieben ihrer Linie treu - Haathi mit seiner ausgewogenen Flügelstrategie, Caballero mit kompromisslosem Offensivgeist. In der zweiten Halbzeit ging es munter weiter, zunächst mit mehr Rauch als Feuer. Doch in der 64. Minute schlug erneut Oscar Zahinos zu - der Mann war an diesem Abend schlicht nicht zu bändigen. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld zog er selbstbewusst ab, als wäre er allein auf dem Trainingsplatz. Der Ball schlug diesmal zentral unter der Latte ein, Poe war chancenlos. 2:1 Fire-House, und Coach Dottore Caballero schwang an der Seitenlinie die Faust, als hätte er gerade den Nobelpreis gewonnen. Doch die Freude währte keine zwei Minuten. Kingston antwortete umgehend: Wieder war es Thomas Guillory, wieder stand er goldrichtig. Nach einer Flanke von Luís Prieto köpfte er wuchtig ein - 66. Minute, 2:2. Die Fans der Boys tanzten auf den Rängen, während Caballero kopfschüttelnd murmelte: "Zwei Minuten Konzentration, das ist alles, was ich verlange." Danach wurde es taktisch - und leicht chaotisch. Beide Teams wechselten fleißig: Fire-House brachte unter anderem Sander Vogel für den gelbverwarnten Pauel Bleecker, Kingston reagierte mit frischem Schwung über Dylan Morin und später Raffaello Marchi. Die Intensität blieb hoch, das Spiel aber ausgeglichen. "Das war kein Fußball, das war ein Straßenfest mit Ball", witzelte Kingston-Kapitän Thierry Farnsworth nach Abpfiff. Und tatsächlich: In den letzten zwanzig Minuten ging es hin und her, als hätten alle beschlossen, den Zuschauern noch ein paar graue Haare mehr zu bescheren. Zahinos prüfte Poe in der 70. Minute erneut, während Marchi auf der Gegenseite in der 83. nur knapp verzog. Die Zahlen am Ende erzählten die Geschichte eines gerechten Remis: Kingston Boys 15 Schüsse aufs Tor, Fire-House FC 12. Ballbesitz leicht zugunsten der Hausherren, Zweikampfquote quasi ausgeglichen. Nur eine Gelbe Karte - für den eifrigen Bleecker - zeugte davon, dass es trotz aller Leidenschaft fair blieb. Trainer Caballero fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Wir hatten das Feuer, sie das Wasser - und am Ende hat’s halt gedampft." Sein Gegenüber Haathi nickte und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Ein bisschen Dampf schadet nie, solange die Punkte nicht verdampfen." Und so blieb es bei einem 2:2, das beiden Teams ein Lächeln und ein paar Sorgenfalten bescherte. Kingston hielt sich in der Spitzengruppe, Fire-House bewies, dass sie selbst auswärts brandgefährlich sind. Am Ausgang des Stadions sagte ein Fan, noch immer heiser vom Jubel: "So ein Spiel will man nicht gewinnen - man will, dass es ewig weitergeht." Man konnte ihm kaum widersprechen. Was bleibt? Zwei Teams, die Fußball zelebrieren wie eine Karibikparty: mit Rhythmus, Leidenschaft und einem Hauch Improvisation. Und mittendrin ein Oscar Zahinos, der wohl heute Nacht noch von seinen Toren träumt - während Thomas Guillory vermutlich einfach zufrieden einschläft, mit dem Wissen, dass er wieder einmal die Antwort parat hatte. Ein 2:2, das sich anfühlt wie ein 4:4 - und das ist in Kingston bekanntlich fast schon ein Sieg. 07.09.643987 13:02 |
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