Jamaica News Bulletin
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Kingston Blues tanzen die Greenstars schwindelig - 4:2 im heimischen Hexenkessel

58.999 Kehlen sangen, als wären sie Teil der Startelf - und am Ende feierten sie die Kingston Blues, die mit einem furiosen 4:2 gegen die Greenstars GSC ein Statement in der 1. Liga Jamaica setzten. Was in den ersten Minuten wie ein zäher Tanz auf rutschigem Rasen begann, entwickelte sich nach der Pause zum rhythmischen Feuerwerk aus blauen Pässen, langen Bällen und noch längeren Gesichtern bei den Gästen.

Dabei hatten die Greenstars zunächst den besseren Beat. In der 14. Minute nutzte Guy Larocque einen Moment der kollektiven Blues-Orientierungslosigkeit, als er nach Vorlage von Didier Hoskins trocken ins rechte Eck einschob - 0:1. "Ich dachte, wir hätten die Kontrolle", sagte Blues-Coach Kevin Tüllinghoff später, "aber Guy hat uns kurz den Stecker gezogen."

Doch Kingston antwortete mit der Gelassenheit einer Band, die weiß, dass die nächste Strophe noch kommt. In der 33. Minute servierte Lewis Corraface einen butterweichen Pass auf Robert Bonald, der sich bedankte, indem er das Leder wuchtig unter die Latte jagte. 1:1 - und die Tribüne bebte, als hätte jemand die Lautsprecher aufgedreht.

Bis zur Pause blieb’s beim Gleichstand, auch weil Blues-Kapitän Joel Cochrane mit 35 Jahren noch immer den Strafraum dirigiert, als wäre er ein Türsteher vor dem besten Club der Stadt. "Da kommt keiner rein, der nicht auf der Liste steht", grinste er nach Abpfiff.

Nach dem Seitenwechsel griffen die Blues dann richtig in die Saiten. In der 61. Minute traf Corraface selbst - ausgerechnet jener Mann, der zuvor das 1:1 vorbereitet hatte. Nach Flanke von Cochrane nahm er den Ball kurz an, schaute, als wollte er fragen "Wirklich jetzt?", und drosch ihn dann unhaltbar zum 2:1 ins Netz.

Was dann folgte, war eine Lektion in Sachen Effizienz. In der 72. Minute stand Innenverteidiger Rene Carter plötzlich da, wo eigentlich niemand mit einem Innenverteidiger rechnet - mitten im Strafraum. Nach Pass von Bram Dorland köpfte er wuchtig ein. Nur eine Minute später machte Alfonso Rocha, der rechte Verteidiger mit Stürmer-Seele, den Deckel drauf: 4:1 nach Vorlage von Valentino Belvedere.

"Ich hab’s gar nicht verstanden, warum plötzlich alle Verteidiger Tore schießen", lachte Trainer Tüllinghoff. "Vielleicht war das unser neuer Standard - Chaos mit System."

Die Greenstars hatten in dieser Phase kaum noch Zugriff. Zwar versuchte Hoskins weiter, das Spiel zu ordnen, doch gegen die Wucht und das Pressing der Blues war kein Durchkommen. Insgesamt 17 Torschüsse feuerten die Gastgeber ab - fast dreimal so viele wie die Gäste (6). Beim Ballbesitz war’s ausgeglichen (50:50), aber in den Zweikämpfen dominierten die Blues mit einer Quote von 55 Prozent.

In der 88. Minute gelang den Greenstars immerhin noch Kosmetik: Julien Prentiss traf nach erneuter Vorlage von Hoskins zum 4:2-Endstand. Trainer Ostkurve Berlin (ja, er heißt wirklich so) war danach sichtlich bedient: "Wir hatten gute Phasen, aber Kingston war heute gnadenlos. Vielleicht hätten wir mehr flanken und weniger philosophieren sollen."

In der Schlussphase durfte Tüllinghoff noch den Nachwuchs ranlassen: Der 18-jährige Stephane Jean-Pierre ersetzte Altmeister Dorland, ein weiterer Teenie, Vincent Lewis, kam für Bonald. Beide schnupperten Profi-Luft - und Jean-Pierre setzte gleich in der 80. Minute einen satten Distanzschuss ab, den Greenstars-Keeper Laurent Boulanger gerade so entschärfen konnte.

"Ich hab gezittert wie ein Schuljunge", gab Jean-Pierre später zu, "aber als die Fans meinen Namen brüllten, war das einfach nur Wahnsinn."

Als der Schlusspfiff ertönte, tanzte Kingston. 4:2, vier verschiedene Torschützen, ein Abend, der in der Clubgeschichte bleiben dürfte. Der Rasen war längst zertrampelt, aber die Gesichter der Fans leuchteten - blau und glücklich.

"Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als eine Konter-Mannschaft", sagte Tüllinghoff noch, während hinter ihm die Spieler Selfies mit den Fans machten. "Heute haben wir Musik gespielt - und die Greenstars mussten leider zuhören."

Ein bisschen Pathos darf sein. Schließlich war es ein Spiel, das zeigte: Fußball auf Jamaika ist kein sanftes Reggae-Stück - manchmal klingt’s eher nach Rock’n’Roll mit Trommelwirbeln, Schweiß und einem Torjubel, der bis in die Nacht nachhallt.

04.10.643990 05:08
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