Anpfiff
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Kickers Würzburg ringt Bremen nieder - ein Tor, ein Zittern, drei Punkte

Wenn 5661 Zuschauer an einem frostigen Donnerstagabend den Weg in die Flyeralarm Arena finden, dann erhoffen sie sich wenigstens ein bisschen Spektakel. Stattdessen bekamen sie beim 1:0-Sieg der Kickers Würzburg gegen den SV Bremen eine jener Partien serviert, die man in der Fußballsprache gern "Arbeitssieg" nennt - und in der Fans zwischendurch lieber die Glühweintemperatur kontrollieren als den Ballbesitz.

Dabei begann es durchaus verheißungsvoll. Schon nach 19 Minuten explodierte das Stadion, als Brecht Vercruysse, der belgische Wirbelwind auf der rechten Seite, nach feiner Vorarbeit von Mittelstürmer Walter Hald den Ball trocken ins lange Eck schlenzte. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht - einfach drauf!", grinste Vercruysse später und wischte sich dabei noch symbolisch den Schweiß von der Stirn. Trainer Frank Rau kommentierte trocken: "Wenn er so weitermacht, darf er nächste Woche wieder drauflosdenken."

Danach allerdings wurde es zäh. Bremen, unter dem norddeutschen Pragmatiker Jack Schlakowski angetreten, hatte mehr vom Spiel, aber weniger vom Glück - oder wie man hierzulande sagt: "Viel Ball, wenig Bums." Ganze 63 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse verpufften wirkungslos, während Würzburg mit ihren sieben Versuchen das Nötigste tat - nämlich genau einmal treffen.

Bremens Linksaußen Johannes Hummel versuchte es unermüdlich, schoss aus allen Lagen, aber fand seinen Meister mehrfach in Keeper Henri Beauvilliers, der einen seiner besseren Tage erwischt hatte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte der französische Torwart hinterher. "Und gehofft, dass mich der Ball nicht trifft - hat funktioniert."

Kurz vor der Pause wurde es dann hitzig: Theo Hamilton von Bremen sah Gelb, nachdem er Würzburgs Diego Alcantara an der Seitenlinie unsanft aus dem Spiel befördert hatte. "War doch nix!", rief er dem Schiedsrichter hinterher, während dieser schon die Karte zückte. "Doch, war was", murmelte ein Ordner neben mir - "nämlich ungeschickt."

Nach dem Seitenwechsel schien Bremen noch druckvoller zu werden, während Würzburg immer tiefer stand. Trainer Rau reagierte und brachte frische Beine: Jan Rau (der Sohn des Trainers, was im Fanblock für einige Schmunzler sorgte) ersetzte Routinier Walther Rodriguez, und wenig später durfte auch Youngster Lars Moser ran. "Ich hab ihm gesagt: Lauf, Junge, lauf!", so Rau nach der Partie. "Und er ist gelaufen - manchmal sogar in die richtige Richtung."

Die Kickers verteidigten mit allem, was sie hatten - inklusive einer Gelben Karte für Innenverteidiger Callum Kirkwood, der in der 80. Minute ein Bremer Angriffsspiel wuchtig stoppte. "Ich hab den Ball getroffen", beteuerte er, was die Fernsehbilder allerdings nur teilweise bestätigten.

Bremen rannte weiter an, aber ihre Abschlüsse - ob von Hummel, Caroll oder Viola - flogen entweder in die Arme von Beauvilliers oder in die kalte Nachtluft über das Würzburger Stadiondach. Trainer Schlakowski schüttelte nach dem Schlusspfiff den Kopf: "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und es wäre keiner reingegangen. Vielleicht war das Tor heute einfach kleiner."

Statistisch gesehen war Bremen das aktivere Team, aber Fußball bleibt eben kein Schönheitswettbewerb. Würzburg gewann mit 36 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Effizienz. "Manchmal reicht’s, wenn einer trifft und die anderen nicht", fasste Kapitän Hald das Spiel zusammen, bevor er mit einem dicken Grinsen Richtung Kabine verschwand.

Die Fans der Kickers sangen noch lange nach dem Abpfiff, während Trainer Rau demonstrativ ruhig blieb. "Ich mag’s, wenn wir gewinnen, ohne dass ich mich aufregen muss", sagte er - was allerdings seine heisere Stimme leicht widersprach.

So bleibt ein Abend, der kaum Fußballgeschichte schreiben wird, aber den Würzburgern drei wertvolle Punkte beschert. Und vielleicht, ganz vielleicht, ein bisschen Hoffnung auf mehr.

Im Presseraum fasste es ein älterer Reporter treffend zusammen: "Würzburg hat nicht schön gespielt, aber gewonnen. Bremen hat schön gespielt, aber verloren. Und am Ende ist das der Grund, warum Fußball so gemein sein kann."

Ironisch, aber wahr - und genau deshalb lieben wir diesen Sport.

19.12.643987 08:55
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Stefan Effenberg auf die Frage, wieviel Prozent seiner Leistungsfähigkeit er nach einer langen Verletzungspause schon abrufen könne
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