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Kickers Wiedenbrück zu stark: Flensburgs Pokalträume platzen im Nordwind

Wenn 46.125 Zuschauer im Flensburger Stadion stehen, um den Pokalabend zu feiern, dann hoffen sie auf Fußballwunder, nicht auf einen Lehrfilm über Chancenverwertung. Doch genau letzteres bot der TSB Flensburg beim 0:3 gegen die Kickers Wiedenbrück am 22. Februar - ein Lehrfilm, in dem die Gäste Regie führten und die Gastgeber bestenfalls Statistenrollen hatten.

"Ich glaube, wir haben das Spiel eigentlich gar nicht so schlecht begonnen", sagte TSB-Trainer Amir Zulfic nach dem Abpfiff und sah dabei aus, als versuche er, sich selbst davon zu überzeugen. "Aber wenn der Gegner 24-mal aufs Tor schießt und wir dreimal, dann ist das Ergebnis wohl gerecht."

Gerecht, ja - aber auch schmerzhaft. Schon früh zeichnete sich ab, dass die Kickers, trainiert von Dexter Morgan (nein, nicht der Fernsehcharakter, obwohl die Präzision seiner Mannschaft durchaus kriminalistisch anmutete), das Heft fest in der Hand hielten. 60 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - es war eine Demonstration der Kontrolle.

Das erste Tor fiel in der 28. Minute: Vitor Varela, der Mittelfeldmotor der Gäste, legte klug auf Jacinto Garcez ab, der den Ball aus kurzer Distanz trocken in den linken Winkel setzte. "Ich hab einfach geschossen, weil Vitor so laut geschrien hat, ich soll!", lachte Garcez nach dem Spiel. Drei Minuten später wiederholte sich das Schauspiel, nur in anderer Besetzung: Vincent Girard spielte den Ball elegant in den Lauf von Carlos Longas, der eiskalt zum 0:2 einschob.

Zur Halbzeit schien Flensburg schon mehr mit der Frage beschäftigt, ob man wenigstens noch den Ehrentreffer erzwingen könnte. Joel Brückner versuchte es kurz vor der Pause mit einem beherzten Schuss (43.), doch Kickers-Keeper Paisis Eleftherakis war aufmerksam - und das blieb er den ganzen Abend.

"Ich hatte mehr zu tun mit dem Wind als mit den Flensburgern", grinste Eleftherakis, während er die Fans in der Gästekurve abklatschte.

Nach der Pause kam kurz Hoffnung auf, als Zulfic doppelt wechselte: Döring und Brand - zwei 18-Jährige - durften ran. Der eine als Stürmer, der andere als Torwart, was bereits zeigte, wie improvisiert das Ganze war. Doch kaum hatte sich Flensburg sortiert, versetzte Wiedenbrück den Gastgebern den endgültigen K.o.: Wieder war es Garcez, wieder nach Vorarbeit von Varela, in der 49. Minute. 0:3, Spiel entschieden.

Ab da wurde es ein Schaulaufen. Wiedenbrück kombinierte, Flensburg lief hinterher. 24 Torschüsse der Gäste sprechen eine klare Sprache, und so mancher Zuschauer begann, sich mit Bier und Bratwurst zu trösten. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne fasste es trocken zusammen: "Wir hätten heute auch mit zwölf Mann gespielt - das hätte nichts geändert."

Trainer Zulfic versuchte es zum Schluss mit Humor: "Wir wollten offensiv spielen, das steht ja auch im Matchplan. Aber offenbar hat die Mannschaft das wörtlich genommen - offensiv im Sinne von: Wir lassen die anderen angreifen."

Auf der anderen Seite zeigte sich Dexter Morgan zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war solide. Wir haben das gemacht, was wir können. Aber im Viertelfinale brauchen wir mehr Konsequenz." Dass er das mit einem Lächeln und einem kaum merklichen Augenzwinkern sagte, zeigt, wie wenig er an diesem Abend ins Schwitzen kam.

Ein kleines Highlight für die Heimfans gab es dennoch: Der junge Torhüter Günter Brand, eingewechselt in der 52. Minute, parierte in der Schlussphase gleich zwei gefährliche Abschlüsse von Girard und Longas. "Für mich war das ein Traum. Auch wenn’s 0:3 steht - ich hab wenigstens zwei Dinger gehalten", sagte Brand, sichtlich stolz.

So endet der Pokalabend für Flensburg mit einem klaren, aber lehrreichen Ergebnis. Die Kickers Wiedenbrück ziehen verdient in die nächste Runde ein - mit der Präzision eines Teams, das seine Rollen kennt und sie gnadenlos spielt.

Und Flensburg? Die können immerhin sagen, dass sie dabei waren, als 46.125 Menschen sahen, wie ein Pokalabend in eine taktische Lehrstunde verwandelt wurde. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Fußballspiel - das war ein Bewerbungsschreiben von Wiedenbrück an die Fußballgötter."

Vielleicht antworten die ja im Viertelfinale.

19.11.643990 13:18
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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