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Kickers Wiedenbrück trotzen Stuttgart ein spätes 1:1 ab

Ein kalter Februarabend, Flutlicht in Wiedenbrück, 48.544 Zuschauer - und zwei Mannschaften, die sich lieber gegenseitig den Ball zuschoben, als ihn ins Tor zu befördern. Am Ende trennten sich die Kickers Wiedenbrück und der VFL Stuttgart im 16. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit einem 1:1, ein Ergebnis, das beiden Teams so recht nicht schmecken wollte - aber wohl jedem gerecht wurde.

Die Stuttgarter kamen mit der Attitüde eines Großstadtklubs: offensiv, aggressiv, Flügelspiel angesagt. Schon nach vier Minuten donnerte Innenverteidiger Ricardo Frechaut den Ball auf das Tor von Leon Ludwig - ein Statement, aber leider direkt in die Arme des Keepers. Trainer Venni Mislintat kommentierte später trocken: "Wir wollten von Beginn an Druck machen. Leider hat uns die Präzision gefehlt - und ein bisschen Glück. Oder viel."

Wiedenbrück hingegen verlegte sich auf das, was sie können: lange Bälle, schnelle Konter, und hoffen, dass vorne einer hängen bleibt. "Wir haben das gespielt, was wir spielen können - kein Zauber, aber ehrlicher Fußball", sagte ihr Coach Dexter Morgan nach der Partie, während er die Hände tief in den Manteltaschen vergrub.

Die erste Halbzeit verlief, nun ja, ausgleichend langweilig. Stuttgart schoss fleißig (neun Torschüsse insgesamt), Wiedenbrück eher sparsam (drei). Der Ballbesitz sprach mit 54 Prozent leicht für die Gäste, doch klare Chancen blieben Mangelware. Kurz vor der Pause noch ein Stuttgarter Doppelschuss durch Marcio Dominguez und Carl Derlei, aber Torwart Ludwig war auf dem Posten. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball trifft", grinste er später. Offenbar hat’s funktioniert.

Zur zweiten Halbzeit wechselte Morgan vorn: Patrik Lopez kam für den jungen Georg Gebhardt. Der Routinier sollte Ruhe bringen - stattdessen brachte er vor allem Verwunderung, als er in der 55. Minute nach einem Freistoß den Ball völlig unbedrängt ins Nichts schlug. Auf der Trainerbank hielt sich Morgan an seiner Thermoskanne fest.

In der 71. Minute war es dann soweit: Stuttgart belohnte sich endlich. Ernesto Vaz, der bereits vorher auffälligster Stuttgarter war, vollendete nach schöner Vorlage von Maxim Tillman zur Führung. Ein sehenswerter Schuss ins rechte Eck - so präzise, dass selbst der Stadionsprecher kurz stockte. "Ich hab’s mir im Training schon vorgenommen", sagte Vaz später, "aber da geht der Ball meist in die Bäume."

Doch Wiedenbrück wäre nicht Wiedenbrück, wenn sie nicht irgendwie zurückkämen. In der 59. Minute hatte Morgan mit Carsten Eckert frischen Wind gebracht, und der 21-Jährige zahlte ihm das Vertrauen zurück. In der 86. Minute zog er nach Vorarbeit von Jürgen Göbel ab - und drin war das Ding! 1:1, Stadion in Ekstase, Trainer Morgan riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab nur gedacht: bitte nicht abseits", grinste Torschütze Eckert.

Stuttgart war geschockt. Noch in der 88. Minute versuchte Carles Herreros mit einem letzten, verzweifelten Schuss alles klarzumachen, aber Ludwig hielt wieder. In der Nachspielzeit sah Göbel noch Gelb - vermutlich, weil er sich zu sehr über den Pfiff freute - und dann war Schluss.

Statistisch betrachtet war Stuttgart klar überlegen: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Aber Fußball wird bekanntlich nicht im Statistikbüro entschieden. "Wir müssen lernen, Spiele zuzumachen", schimpfte Mislintat nach Abpfiff. "Ein 1:0 in der 71. Minute reicht nicht, wenn man danach verteidigt wie beim Hallenturnier."

Wiedenbrücks Trainer Morgan hingegen war die Zufriedenheit anzusehen. "Ein Punkt gegen Stuttgart - das nehmen wir mit. Und wenn’s sein muss, rahmen wir’s uns ein." Wenn man bedenkt, dass seine Mannschaft im Schnitt weniger Torschüsse abgibt als ein Dartspieler beim Frühshoppen, war das 1:1 tatsächlich ein Erfolg.

Am Ende ging das Publikum zufrieden nach Hause - zumindest die Hälfte. Die andere Hälfte suchte auf dem Parkplatz noch nach Antworten und dem verloren geglaubten Offensivgeist ihres Teams.

Ein Spiel, das niemand vergessen wird? Wohl kaum. Aber eines, das wieder einmal zeigt, dass Leidenschaft und ein bisschen jugendlicher Leichtsinn manchmal reichen, um den Großen ein Bein zu stellen. Und in Wiedenbrück, da feiert man eben auch ein 1:1, als wäre es der Aufstieg.

Dexter Morgan fasste es am besten zusammen: "Wir haben Blut geleckt. Und das meine ich ganz sportlich."

19.11.643990 19:09
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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