Jamaica News Bulletin
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Kampfgeist trifft Aluminium - Clarendon Sporting und Bull Bay trennen sich 1:1

Ein lauer Abend in Clarendon, 40.000 Kehlen voller Hoffnung, Schweiß und Zuckerrohrduft. Der 14. Spieltag der 1. Liga Jamaica hielt, was die tropische Luft versprach: Emotionen, Tempo, ein bisschen Chaos - und am Ende ein Ergebnis, das niemanden so richtig glücklich machte. Clarendon Sporting und Bull Bay trennten sich 1:1, ein Spiel, das eher nach Krimi als nach Routine roch.

Von Anfang an war klar, dass Bull Bay gekommen war, um die Flügel zu zünden. Coach Sports Mann (ja, der Name ist echt) ließ seine Jungs offensiv und über die Außenbahnen anlaufen wie ein tropischer Wirbelsturm. Schon in der 5. Minute prüfte Hugo Manu den Clarendon-Keeper Dylan Allington mit einem satten Schuss, der mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. "Ich dachte, der Ball geht rein - bis ich gesehen hab, dass er gar nicht dahin flog, wo ich geschossen hatte", grinste Manu später selbstironisch.

Clarendon dagegen spielte - wie so oft in dieser Saison - ruhig, fast stoisch. 52 Prozent Ballbesitz, aber wenig Zug zum Tor: drei Torschüsse in 90 Minuten sind nicht gerade der Stoff, aus dem Legenden sind. Doch einer dieser drei saß. Kurz vor der Pause, 44. Minute: Ryan Hennessy, der linke Verteidiger mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers, chipte den Ball butterweich in den Strafraum. Jorgen Gulbrandsen, der 24-jährige Norweger im Mittelfeld, nahm Maß, ließ kurz den Fuß sprechen - und traf flach ins linke Eck. 1:0 für Clarendon. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Gulbrandsen später zu und grinste, "aber wenn der Ball reinfliegt, sag ich natürlich, das war Absicht."

Bull Bay reagierte, wie man es von einem Team erwartet, das 16 Torschüsse abfeuerte: mit Wut im Bauch, aber erstaunlich wenig Zielwasser. Marcio Nani, der rechte Stürmer, wurde zum Sinnbild des Abends - gefährlich, spritzig, aber immer ein paar Zentimeter daneben. Erst in der 70. Minute fiel der verdiente Ausgleich: Fehmi Karaer flankte von links, Nani stieg zwischen zwei Verteidigern hoch und köpfte wuchtig ein. 1:1 - und die 4.000 mitgereisten Fans aus Bull Bay verwandelten das Stadion in eine tobende Küstenkneipe.

"Wir haben 16 Mal draufgehalten und hätten locker drei machen können", schimpfte Trainer Sports Mann nach dem Spiel. "Aber Fußball ist halt kein Dart." Sein Gegenüber, Clarendons Coach (der sich betont ruhig gab und lieber nicht namentlich zitiert werden wollte), sah das naturgemäß anders: "Wenn du nur drei Schüsse hast und einer davon sitzt, ist das Effizienz. Nicht Glück."

Die Statistik sprach allerdings eine andere Sprache: Bull Bay mit 56 Prozent gewonnener Zweikämpfe, 16 Abschlüssen, mehr Tempo und Aggressivität. Clarendon mit besserem Ballbesitz, aber kaum Tiefe. Der neutrale Beobachter hätte wetten können, dass Bull Bay das zweite Tor erzwingen würde - besonders nach den Einwechslungen von Robert Broderick und Pascal Berthier, die neuen Schwung brachten. Doch Clarendons Torhüter Allington hielt, was zu halten war, und einmal sogar, was eigentlich unhaltbar schien: in der 85. Minute zischte ein Distanzschuss von Tibo Van Royen Richtung Winkel, Allington streckte sich, warf sich - und hielt spektakulär.

"Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft", sagte der Keeper später trocken. Tat er.

Am Ende blieb es beim 1:1, ein Resultat, das beide Trainer mit Pokerface kommentierten, aber keiner wirklich mochte. "Ein Punkt ist besser als keiner", meinte Gulbrandsen, "aber ich hätte lieber zwei Tore gemacht. Oder wenigstens eins mehr als die."

Das Publikum verabschiedete die Teams mit Applaus - und einer gewissen Erleichterung, dass es vorbei war. Denn so viel wurde klar: schön war’s nicht immer, aber spannend allemal.

Vielleicht war das 1:1 das gerechteste aller möglichen Ergebnisse: Clarendon mit einem Treffer aus dem Nichts, Bull Bay mit Chancen im Dutzend, aber ohne die letzte Präzision. Eine Partie, die man so schnell nicht vergisst - auch, weil sie exemplarisch zeigte, was jamaikanischer Fußball sein kann: wild, unberechenbar, charmant unperfekt.

Oder wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Das war nix für Feingeister. Aber für Herzpatienten auch nicht."

Und irgendwo in der tropischen Nacht saß Coach Sports Mann vermutlich noch wach, tippte auf seinem Tablet und murmelte: "16 Schüsse, ein Tor. Ich brauch neue Stürmer. Oder stärkeren Kaffee."

18.06.643987 12:25
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