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Kalter Abend, heiße Gäste - SV Graz ringt Bad Aussee mit 2:0 nieder

Es war einer dieser Abende im Januar, an denen selbst der Atem der Zuschauer zu Nebelschwaden gefriert - und trotzdem fanden sich 28.558 Unerschütterliche im Stadion von Bad Aussee ein, um das sechste Kapitel der laufenden Saison in der 1. Liga Österreich zu erleben. Sie bekamen ein Spiel zu sehen, das mehr Drama bot, als das nackte Ergebnis von 0:2 vermuten lässt - inklusive Platzverweis, hitziger Wortgefechte und einem Grazer Abwehrspieler, der sich plötzlich als Torschütze wiederfand.

Die Anfangsphase gehörte den Gästen aus Graz, die schon in der zweiten Minute durch Joshua Meier ein erstes Lebenszeichen abgaben - und zwar direkt auf das Tor von Claus Persson. Der Bad Ausseer Keeper wirkte kurz irritiert, als hätte er vergessen, dass die Partie bereits angepfiffen war, konnte den Ball aber gerade noch zur Seite abwehren. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Persson später, "aber anscheinend wollte er noch ein bisschen spielen."

Die Heimmannschaft kämpfte sich danach in die Partie, ohne allerdings Zählbares zu produzieren. Robert Bachellier, der rechte Flügelstürmer der Ausseer, hatte im Laufe der ersten Halbzeit gleich mehrere gute Szenen - in der 26., 31., 37. und 45. Minute prüfte er Grazer Torhüter Vitorino Frechaut, der allerdings einen dieser Tage erwischt hatte, an denen einfach alles gelingt. "Ich hätte den auch mit den Zähnen gehalten, wenn’s sein muss", witzelte der Portugiese nach dem Spiel.

Kurz vor der Pause wurde es ungemütlich: Georges Leclair und Walther Stark sammelten Gelbe Karten wie Panini-Bilder, wobei Leclair es besonders ernst meinte - seine zweite Verwarnung kurz nach Wiederanpfiff bedeutete Gelb-Rot und eine eiskalte Dusche nach nur 48 Minuten. Trainer Julyan Acen kommentierte trocken: "Er wollte wohl früher unter die Decke. Ich kann’s ihm bei minus fünf Grad kaum verübeln."

Mit einem Mann mehr übernahmen die Grazer endgültig das Kommando. Der Ballbesitz pendelte sich bei rund 55 Prozent ein, die Passquote war sauber, das Spiel kontrolliert - aber zwingend wurde es erst in der 55. Minute. Der junge Rechtsaußen Eugenius Putnam setzte sich auf seiner Seite durch, legte klug in den Rückraum, und Tobias Kunz vollendete eiskalt zum 0:1. Es war der Moment, in dem der SV Graz das Spiel endgültig in der Hand hatte.

Während Acen hektisch neue Kräfte brachte - Bartsch für Persson im Tor, Lohmann für Stark und Gimenez für Sundström - wirkte sein Gegenüber Matt Steu an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade eine perfekte Schachpartie spielt. "Wir wussten, dass sie nach der roten Karte nervös werden. Da darfst du nicht Mitleid zeigen, sondern musst zustechen", erklärte Steu später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Schadenfreude pendelte.

Bad Aussee mühte sich, kam sogar noch zu einigen Abschlüssen, aber das Glück blieb in der Steiermark. In der 78. Minute dann die Entscheidung - und sie kam aus ungewohnter Quelle: Der erst 19-jährige Rechtsverteidiger William Arnaud sprintete nach vorne, Putnam flankte, und Arnaud köpfte den Ball ins Netz, als hätte er nie etwas anderes getan. "Ich war selbst überrascht, dass ich da war", lachte der Teenager, "aber wenn der Ball schon kommt, darf man ja nicht unhöflich sein."

Danach war die Luft raus. Die Grazer ließen Ball und Gegner laufen, während die Ausseer nur noch Schadensbegrenzung betrieben. Ein paar letzte, verzweifelte Schüsse - Bachellier in der 83., Bejbl in der 86. Minute - fanden ihr Ziel nicht. Die Gäste spielten das Ergebnis souverän nach Hause und feierten ausgelassen vor ihrem lautstarken Anhang.

Am Ende standen elf Torschüsse auf jeder Seite, fast ausgeglichene Zweikampfquoten - aber die entscheidenden Momente gehörten den Grazern. "Wir waren heute effizienter, nicht schöner", fasste Matchwinner Kunz zusammen, "aber im Fußball gibt’s keine Stilnoten."

Trainer Acen dagegen stapfte mit gesenktem Blick in die Kabine. Ein Reporter fragte ihn, ob sein Team Pech gehabt habe. "Pech? Nein", antwortete er knapp. "Nur schlechte Entscheidungen - und leider zwei Tore zu wenig."

So blieb den Zuschauern in Bad Aussee immerhin das Gefühl, ein Spiel mit allem Drum und Dran gesehen zu haben: Emotionen, Karten, Tore - und das sichere Wissen, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist.

Und als die Flutlichter erloschen, murmelte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens stilvoll." Man möchte ihm da fast recht geben.

27.03.643987 12:12
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund
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