Athlitiki Icho
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Kalamarias holt nach 0:2-Rückstand ein wildes 2:2 gegen Livadia FC

Es war ein Dienstagabend, der eigentlich ruhig beginnen sollte - 20.000 Zuschauer, laue Luft über Thessaloniki, und zwei Teams, die sich in der 1. Liga Griechenlands offenbar vorgenommen hatten, den Ball lieber laufen als fliegen zu lassen. Doch schon nach zehn Minuten stand es 0:1, und die gute Laune im Stadion bekam Risse wie der Rasen nach einem Sommer ohne Regen.

Serge Bettencourt, der 21-jährige Wirbelwind von Livadia FC, hatte offenbar beschlossen, dass er an diesem Abend der Star sein würde. Erst drückte er in der 10. Minute eine perfekte Hereingabe von Karl Lehmann über die Linie, dann - kaum acht Minuten später - versenkte er den Ball erneut im Netz, diesmal nach genialer Vorarbeit von Leonardo Guardia. "Ich hatte das Gefühl, ich spiele auf der PlayStation", grinste Bettencourt später. Kalamarias’ Keeper Petros Pagalis hingegen sah das anders: "PlayStation? Eher Horrorfilm. Ich war der, der immer das falsche Knöpfchen drückt."

Doch an Aufgeben dachte niemand. Kalamarias’ Trainer - der an der Seitenlinie so gestikulierte, als wolle er den Ball per Telepathie ins Tor lenken - schien sein Team mit purer Willenskraft zurück ins Spiel zu brüllen. Und siehe da: In der 27. Minute schlug Theodoros Anastopoulos zu. Nach einem präzisen Flankenlauf von Vikentios Donis kam der Rechtsaußen zum Abschluss, der für den Gästetorwart Josef Anderson unhaltbar wurde. 1:2 - das Stadion war wieder wach.

Elf Minuten später tobte es. Efthymios Fyssas, der zuvor schon wegen eines etwas übermotivierten Einsteigens in der 37. Minute Gelb gesehen hatte, machte mit einem sehenswerten Distanzschuss alles wieder gut. Agisilaos Margaritis hatte die Kugel klug quergelegt, und Fyssas jagte sie mit links in den Winkel - 2:2 (40.). "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn man nachdenkt, ist der Ball schon weg", lachte der junge Mittelfeldspieler nach dem Spiel.

Bis zur Pause war es ein offener Schlagabtausch: Chancen hüben wie drüben, zwei Gelbe Karten für Kalamarias (Papandreou sah ebenfalls Gelb in der 42.), und ein Publikum, das kaum zum Durchatmen kam. Zur Halbzeit stand es 2:2 - und blieb es am Ende auch, obwohl beide Mannschaften in der zweiten Hälfte alles versuchten.

Die Statistik liest sich wie ein Spiegelbild des Spiels: 16 Torschüsse für Livadia, 11 für Kalamarias, dazu ein Ballbesitzverhältnis von 52 zu 48 Prozent zugunsten der Gäste. Doch wer denkt, das sei eine klare Sache gewesen, täuscht sich. Kalamarias spielte weiter mutig nach vorn, blieb offensiv ausgerichtet, auch als Mittelfeldmotor Paisis Kaklamanis in der 67. Minute verletzt raus musste. Für ihn kam der erfahrene Vyron Warzycha, der sofort das Kommando im Zentrum übernahm.

In der Schlussphase hatten beide Teams noch ihre Momente. Der junge Vrasidas Kostikos prüfte Anderson in der 79. Minute mit einem strammen Schuss, kurz darauf scheiterte Livadias Miguel Gallego gleich zweimal (83., 84.) an Pagalis, der nun endlich in den Film "Superkeeper" wechselte. "Ich wollte einfach nicht noch einmal der Knöpfchen-Torwart sein", witzelte er später.

Livadia-Trainer Jorge Jesus war trotz des verpassten Sieges erstaunlich gelassen. "Wir haben gut angefangen, dann aufgehört zu denken. Ein klassischer Fehler im Fußball - und eigentlich auch im Leben", sagte er und zuckte mit den Schultern. Sein Gegenüber, der namentlich nicht genannte Coach von Kalamarias, grinste nur: "Wir haben 0:2 zurückgelegen und am Ende fast gewonnen. Wenn das kein Fortschritt ist, weiß ich’s auch nicht."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - und einem leicht ungläubigen Kopfschütteln. Denn ein 2:2, das schon zur Pause feststand, ist selten so unterhaltsam. Die zweite Halbzeit war zwar torlos, aber keineswegs langweilig: Da wurde gerannt, geflucht, gefoult und geflirtet - zumindest mit dem Sieg.

Am Ende fühlte es sich an wie ein Unentschieden, das beiden weh tat und doch niemandem schadete. Livadia bleibt mit leichtem Vorteil im Mittelfeld der Tabelle, während Kalamarias den Punkt wie einen Sieg feierte.

Oder, wie Fyssas beim Verlassen des Stadions meinte: "Manchmal ist 2:2 das ehrlichste Ergebnis. Wir haben beide alles gegeben - und keiner hat’s vollbracht."

Ein gerechtes Remis also, gewürzt mit vier Toren, zwei Gelben Karten, einer Verletzung und einer Prise griechischem Fußballwahnsinn - serviert an einem Dienstagabend, der keiner sein wollte wie jeder andere.

27.08.643987 00:54
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Rehhagel geht mit Goethe ins Bett, ich mit meiner Frau.
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