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Was für ein griechisches Fußballdrama an diesem frostigen Januarabend in Kalamaria! 20.000 Zuschauer füllten das kleine Stadion bis auf den letzten Platz, und sie bekamen all das, was Fußballherzen höherschlagen lässt: Tore, Emotionen, Gelbe Karten und einen jungen Lokalhelden, der das Spiel im Alleingang drehte. Am Ende hieß es 3:2 für Kalamarias gegen Atromitos - ein Ergebnis, das nicht nur die Heimmannschaft, sondern auch die Stadionwurstverkäufer in Ekstase versetzte. Schon die Anfangsphase versprach ein offenes Duell. Beide Teams spielten offensiv, wie es sich für die 1. Liga Griechenlands gehört, und verzichteten weitgehend auf taktische Zurückhaltung. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir keine Angst haben", sagte Kalamarias’ Mittelfeldroutinier Thijs Winchel später mit einem Grinsen - und meinte es wörtlich. In der 22. Minute traf er nach feinem Zuspiel von Efthymios Fyssas zum 1:0. Der Ball zappelte im Netz, und Winchel breitete die Arme aus, als wolle er die ganze Stadt umarmen. Atromitos-Trainer Michael Graf schien sich in der Halbzeit etwas gedacht zu haben, was man in Griechenland wohl "mutige Verzweiflung" nennt. Sein Team kam mit frischem Elan aus der Kabine, und plötzlich drehte sich das Spiel. In der 51. Minute schlenzte Nicola Sala nach perfektem Zuspiel von Humberto Ferreira den Ball ins rechte Eck - 1:1, und die mitgereisten Fans aus Athen machten sich lautstark bemerkbar. Zehn Minuten später legte Atromitos nach: Heinz Kroll, sonst eher bekannt für seine rustikale Spielweise, zirkelte das Leder nach Vorarbeit von Carles Castano sehenswert ins Netz. 2:1 - und Graf ballte an der Seitenlinie die Faust. "Da dachte ich: Jetzt wird’s schwierig", gab Kalamarias-Stürmer Karl Klaus später zu. Doch der Fußballgott hatte offenbar die Farben gewechselt. Nur acht Minuten nach dem Rückstand war es der 22-jährige Vrasidas Kostikos, der nach Vorarbeit von Klaus den Ausgleich erzielte. Ein Schuss, trocken und platziert - der Ball schlug unhaltbar ein. Und als das Stadion noch jubelte, legte Kostikos in der 75. Minute eiskalt nach. Diesmal bediente ihn Mittelfeldmotor Paisis Kaklamanis, und der Youngster ließ sich nicht zweimal bitten: 3:2! "Ich hab einfach den Kopf ausgeschaltet", sagte Kostikos nach dem Spiel. "Wenn ich anfange zu denken, geht’s meistens schief." Sein Trainer - der in der offiziellen Statistik namenlos blieb, aber in den Emotionen sehr präsent war - umarmte den Torschützen so heftig, dass man kurz um die Schulter des Jungen fürchten musste. Atromitos versuchte danach alles, um den Ausgleich zu erzwingen. Zwischen der 78. und 85. Minute flogen die Bälle reihenweise in den Strafraum von Kalamarias, doch Torhüter Jason Coppens hielt, was zu halten war. "Der Typ war heute wie ein Fels", murmelte Atromitos’ Stürmer Joseph Cawdor nach seiner vergebenen Chance in der 78. Minute. Die Statistik unterstreicht das turbulente Geschehen: 13 Torschüsse für Atromitos, 10 für Kalamarias - doch letzteres Team hatte mit 53 Prozent Ballbesitz die Kontrolle über weite Strecken der Partie. Beide Seiten schenkten sich nichts: Vier Gelbe Karten, davon drei für die Gäste, zeugen von einem Spiel, das nie langweilig, aber gelegentlich hitzig war. Besonders Atromitos-Verteidiger Oscar Neil kassierte spät (85.) eine Verwarnung, nachdem er Kostikos an der Seitenlinie etwas rustikaler "begrüßte". In der Nachspielzeit stand das Stadion Kopf. "Wir haben das Publikum gespürt, wirklich gespürt", sagte Winchel, noch immer mit heiserer Stimme. "Manchmal trägt dich der Lärm einfach über deine Grenzen." Trainer Graf von Atromitos hingegen wirkte gefasst: "Wir haben gekämpft, zwei schöne Tore gemacht. Aber der Junge Kostikos hat uns heute den Zahn gezogen. So ist Fußball - manchmal gewinnt der Mutigste, nicht der Beste." Als der Schlusspfiff ertönte, riss Kostikos die Arme hoch, Winchel fiel ihm um den Hals, und Jason Coppens sank lächelnd auf die Knie. Ein Abend, der in Kalamaria sicher noch lange Gesprächsstoff liefern wird - vermutlich auch in der örtlichen Taverne, wo man sich einig sein dürfte, dass Kostikos ab sofort Freibier auf Lebenszeit verdient hat. Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Drama, Wendungen - und am Ende den süßen Geschmack des Sieges. Kalamarias lebt, kämpft und lacht wieder. Und irgendwo in der Kabine summte Thijs Winchel leise: "So macht Fußball Spaß." 26.05.643987 10:42 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler