Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Jemez-Show in Volos: Kreta tanzt, Niki stolpert

Wenn ein Spiel die Bezeichnung "offensiv geführt" verdient, dann dieses: 20.000 Zuschauer im Stadion von Volos sahen am 4. Spieltag der griechischen Super League eine Begegnung, die so sehr nach mediterranem Temperament schmeckte, dass selbst der Stadion-Kiosk das Ouzo-Sortiment nachbestellen musste. Am Ende jubelte OFE Kreta ausgelassen über ein 4:2 bei Niki Volos - und vor allem über einen Mann: Felipe Jemez, der dreifach traf und die Abwehr der Gastgeber aussehen ließ wie eine schlecht sortierte Olivenplatte.

Dabei fing alles gar nicht so einseitig an. Schon in der 19. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz - Jemez stand goldrichtig, nachdem Rechtsverteidiger Fernando Longas den Ball mit chirurgischer Präzision in den Strafraum geflankt hatte. "Ich habe nur den Fuß hingehalten", grinste der 25-Jährige nach Abpfiff, "aber das reicht ja manchmal, um wie ein Held auszusehen."

Volos antwortete prompt. Fünf Minuten später war Marcos de Freitas, normalerweise als rechter Verteidiger eher für defensive Feinarbeit zuständig, plötzlich im gegnerischen Strafraum aufgetaucht. Nach einer Vorlage von Fedon Konstantinou drosch er den Ball humorlos ins Netz - 1:1, und das Stadion bebte. Trainer Jeff Johnson von Kreta wirkte an der Seitenlinie kurz, als suche er schon mal nach der Notrufnummer seines Abwehrchefs.

Doch die Gäste ließen sich nicht lange bitten. Nur drei Minuten später stellte Duarte Caneira, nach Pass des 18-jährigen Linksverteidigers Leandros Eleftherakis, die Ordnung wieder her. Ein Schlenzer aus 18 Metern, halb Kunst, halb Glück - aber völlig verdient. "Das war kein Sonntagsschuss", erklärte Caneira später mit einem Augenzwinkern, "es war ein Donnerstagsabendsschuss. Viel seltener."

Mit der 2:1-Führung ging es in die Pause, und während Niki-Trainer (dessen Name geheimnisvoll in keiner Liste auftauchte - vielleicht eine Sicherheitsmaßnahme?) sein Team aufrütteln wollte, tauschte Jeff Johnson gleich zwei Spieler aus - unter anderem den Torwart. Der 17-jährige Ivan Provedel kam für Kian Boutin und wirkte beim Aufwärmen so nervös, als hätte man ihm gesagt, er solle gleich den Ozean überqueren. Doch der Teenager hielt, was zu halten war - und das war eine ganze Menge.

Die zweite Hälfte begann mit einem Hoffnungsschimmer für Volos. In der 47. Minute kombinierte sich Manolis Domazos durchs Mittelfeld, legte clever auf Konstantinou ab, der aus spitzem Winkel den 2:2-Ausgleich markierte. Der Jubel war kurz, aber intensiv - wie ein Espresso in Athen.

Dann aber übernahm wieder Kreta. Felipe Jemez, mittlerweile in Hochform, traf in der 61. Minute zum 3:2. Der Pass kam erneut von Christopher Lineback, der sich auf der rechten Seite durchgetankt hatte. "Felipe ist wie ein Magnet für den Ball", sagte Johnson nach dem Spiel. "Leider zieht er auch die gegnerischen Verteidiger an - aber die meistens zu spät."

Volos versuchte, mit 47 Prozent Ballbesitz und immerhin sechs Torschüssen dagegenzuhalten, doch Kreta war schlicht wuchtiger. 16 Abschlüsse, davon viele brandgefährlich - statistisch war das fast schon ein Überfall. In der 88. Minute setzte Jemez mit seinem dritten Treffer den Deckel drauf. Wieder Lineback als Vorbereiter, wieder ein präziser Abschluss. Während die Kreter jubelten, lag Volos-Verteidiger de Freitas verletzt am Boden und musste ausgewechselt werden.

"Wir haben zu brav verteidigt", murmelte ein enttäuschter Orestis Koudas, der Torhüter der Gastgeber, nach dem Spiel. "Manchmal dachte ich, wir spielen Beachsoccer - nur ohne Strand."

Coach Johnson grinste indes breit in die Kameras: "So darf man auf Auswärtsfahrt gehen. Drei Punkte, vier Tore, kein Ouzo verschüttet."

OFE Kreta zeigte über 90 Minuten genau das, was ihre taktischen Daten versprachen: offensiv, aggressiv, mit starkem Zug zum Tor. Niki Volos spielte "balanced", was in diesem Fall wie eine höfliche Umschreibung für "harmlos" klang.

Am Ende blieb den Fans von Volos nur höflicher Applaus - und vielleicht das stille Wissen, dass sie Zeugen eines echten Stürmerabends waren. Felipe Jemez verließ das Stadion mit dem Spielball unterm Arm und einem Lächeln, das selbst die Flutlichter überstrahlte.

"Wenn ich dreimal treffe", sagte er, "dann darf ich mir morgen das Frühstück aussuchen." Sollte Kreta so weitermachen, wird der junge Mann bald das Abendessen gleich mitbestimmen dürfen.

Und Volos? Nun, sie haben wenigstens zwei schöne Tore geschossen. Manchmal muss man das Glas einfach halbvoll sehen - auch wenn es in diesem Fall das Wasserglas des Torwarts war.

16.12.643993 05:39
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