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Es war ein lauer Februarabend in Getafe, 20:30 Uhr Anstoß, 38.027 Zuschauer im Coliseum Alfonso Pérez - und am Ende ein einziger, aber goldener Moment: Isaac Roades, 79. Minute, flacher Schuss ins lange Eck, 1:0. Mehr brauchte es nicht, um den FC Getafe im 17. Spieltag der "1. Liga Spanien" gegen ein erstaunlich zahnloses SC Villarreal zu erlösen. Dabei hatte das Spiel lange so gewirkt, als könnte es ewig weitergehen, ohne dass je ein Tor fiele. Getafe drückte, kombinierte, schoss - 18 Mal insgesamt. Villarreal? Drei Versuche, einer davon in der Nachspielzeit, als Otto König die Latte traf und anschließend den Rasen trat, als wolle er ihn persönlich bestrafen. Trainerin Leonie Kaiser hatte ihre Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt - und das sah man. Schon in der 4. Minute zwang der 17-jährige Agustin Sancho, ein Debütant mit Milchbart und Motor im Mittelfeld, den Gästekeeper Roberto Celis zu einer Glanzparade. Der Junge wirbelte, passte, rannte - und grinste nach dem Spiel: "Ich wollte einfach nicht aufhören zu laufen. Vielleicht hat mich jemand vergessen, vom Platz zu nehmen." Der SC Villarreal hingegen wirkte, als sei man kollektiv noch im Bus. Erst nach einer halben Stunde kam ein bisschen Leben ins Spiel - allerdings eher in Form von Diskussionen. Nach einem harmlosen Zweikampf an der Mittellinie brüllte Verteidiger Leo Corey in Richtung Schiedsrichter: "Er hat mich angeschaut, das ist doch ein Foul!" Der Unparteiische blieb unbeeindruckt, Getafes Fans dafür umso lauter. Zur Halbzeit stand es 0:0, und auf der Tribüne fragte ein älterer Herr in die Runde: "Wenn das so weitergeht, schaffen wir heute noch die Steuererklärung." Doch Getafe ließ nicht locker. Humberto Beto prüfte den Torwart in der 56. Minute erneut, Joan Galisteo köpfte knapp drüber. Ein Tor lag in der Luft, nur wollte es einfach nicht fallen - bis Isaac Roades beschloss, das Spiel in die eigene Hand zu nehmen. Die 79. Minute: Tiburtius Karlson, eigentlich rechter Verteidiger, sprintet die Linie hinunter, spielt einen scharfen Pass in den Rückraum. Roades nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt und schiebt ihn präzise flach ins Eck. Keine Gewalt, keine Show - einfach nur Effizienz. "Ich hab gar nicht überlegt", sagte Roades später. "Ich dachte nur: Wenn ich jetzt daneben schieße, lacht mich Humberto das ganze Training aus." Das Stadion bebte, Leonie Kaiser sprang an der Seitenlinie in die Luft, als hätte sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich wusste, dass Isaac heute was vorhat", grinste sie nach Abpfiff. "Schon beim Frühstück war er ungewöhnlich still - das ist bei ihm verdächtig." Villarreal-Coach Marcus Herrmann hingegen stand stoisch am Spielfeldrand, die Hände in den Taschen. Seine Mannschaft hatte bis dahin kaum offensiv stattgefunden. "Wir haben zu lange gewartet, um zu glauben, wir könnten das Spiel noch drehen", murmelte er später in der Pressekonferenz. "Manchmal ist Fußball eben wie Warten auf den Bus - du weißt, dass er kommen müsste, aber er kommt einfach nicht." In der Schlussphase wurde Getafe sogar frech. Tiburtius Karlson, der Vorlagengeber, zog in der 93. Minute selbst ab - fast wäre es das 2:0 geworden. Stattdessen landete der Ball in der Fankurve, was ihm ein schallendes Lachen von Trainerin Kaiser einbrachte. "Der Junge wollte sich wohl seine Vorlage vergolden lassen", witzelte sie. Einziger Wermutstropfen: Cristobal Gallego sah in der 67. Minute Gelb, weil er Paulo Pauleta an der Seitenlinie stoppte - mit einer Grätsche, die mehr an Eishockey erinnerte. "Ich hab nur den Ball gesehen", behauptete Gallego anschließend. "Leider war der Ball da schon woanders." Mit 52,9 Prozent Ballbesitz und 56,5 Prozent gewonnener Zweikämpfe war Getafe an diesem Abend in fast jeder Statistik vorne. Aber die nackten Zahlen erzählen nicht, wie sehr dieser Sieg in der Luft lag. Es war kein glanzvolles Spiel, aber eines, das Charakter zeigte - und Geduld. "Wir haben gelernt, dass Schönheit im Fußball überschätzt wird", meinte Leonie Kaiser süffisant. "Ein hässliches 1:0 zählt doppelt schön." Und Recht hat sie: Die drei Punkte bleiben in Getafe, die Fans singen noch auf den Rängen, und Villarreal fährt mit leeren Händen heim - vielleicht aber mit der Erkenntnis, dass man auch mal schießen muss, um zu treffen. Manchmal ist Fußball eben simpel. Und manchmal reicht ein Isaac Roades, der den Bus endlich kommen lässt. 01.12.643990 03:24 |
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Mario Basler