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Es war ein Abend, an dem 20.226 Zuschauer im Athener Ilisiakos-Stadion das Gefühl hatten, gleich zweimal denselben Film zu sehen: Ein junger Held, ein dramatisches Finale, und irgendwo dazwischen ein paar verzweifelte Abwehrspieler, die nach Luft schnappten. Am Ende hieß es 3:2 für Ilisiakos gegen AU Larissa - ein Ergebnis, das so knapp war wie die Nerven des Heimtrainers Alex Alex in der Schlussphase. Schon nach einer Viertelstunde ging es los: Der 19-jährige Schwede Jakob Söderberg versenkte den Ball eiskalt nach schöner Vorlage von Jacques Prudhomme. Das Publikum tobte, der Stadionsprecher überschlug sich fast - und Trainer Alex grinste später: "Ich hab dem Jungen gesagt, er soll einfach machen, was er in der Playstation immer macht. Hat funktioniert." Doch die Freude währte nicht lang. In der 28. Minute köpfte ausgerechnet Larissas Innenverteidiger Luis de Freitas nach einer Ecke den Ausgleich. Der Brasilianer rannte jubelnd Richtung Eckfahne, während sein Trainer Bernard Dietz an der Seitenlinie die Arme in den Himmel warf, als wolle er Zeus höchstpersönlich danken. "Wir üben das nie im Training", lachte Dietz nach dem Spiel, "vielleicht sollten wir das öfter lassen." Zur Halbzeit stand es 1:1 - und der Pausentee schmeckte beiden Teams bitter. Larissa hatte zwar nur 49 Prozent Ballbesitz, dafür aber die etwas klareren Szenen, während Ilisiakos sich mit 17 Torschüssen insgesamt die Lunge aus dem Leib spielte. Kurz nach Wiederanpfiff dann der Schock für die Gastgeber: Mirkó Kranjčar traf in der 47. Minute zum 1:2. Der Treffer war das Resultat eines blitzschnellen Konters, bei dem Marco Caneira den Ball punktgenau in den Lauf seines Stürmers legte. "Ich hab nur die Augen zu und draufgehauen", gab Kranjčar später zu. "Manchmal hilft’s." Aber Ilisiakos wäre nicht Ilisiakos, wenn sie sich von so was beeindrucken ließen. Nur neun Minuten später - die Fans hatten gerade den Schock verdaut - zog Miguel Mocana von links nach innen, ließ zwei Verteidiger stehen und schlenzte den Ball ins lange Eck. 2:2. Trainer Alex Alex sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim Konzert seiner Lieblingsband. "Ich wusste, dass Miguel was vorhatte", sagte er später mit einem Augenzwinkern, "aber dass es so schön wird, das war Kunstunterricht." Das Spiel wurde ruppiger. Gelb für Gijs Mesick in der 54. Minute, später auch für den 18-jährigen Gudbrand Dahl. Larissa verlor dann in der 50. Spielminute seinen Torhüter Javi Ximenes verletzungsbedingt - ein unglückliches Ausrutschen nach einer Parade. Ersatzmann Orestis Athanasiadis, stolze 36 Jahre alt, kam und dirigierte seine Abwehr mit der Autorität eines Mathelehrers, der weiß, dass niemand die Hausaufgaben gemacht hat. Larissa zog sich zurück, hoffte auf Konter, während Ilisiakos weiter nach vorne drückte. Die Zuschauer spürten, dass da noch was ging. Söderberg scheiterte zweimal knapp (66., 70.), Mocana drosch in der 91. Minute den Ball an den Pfosten - und dann kam die 94. Minute. Enrico Vitale, gerade einmal 18 Jahre jung, nahm eine Flanke von Dahl direkt und knallte das Leder in die Maschen. 3:2. Stadion-Explosion. Der Teenager riss sich das Trikot halb vom Leib, rannte zur Kurve und wurde unter einem Berg aus jubelnden Mitspielern begraben. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", sagte Vitale mit glasigen Augen nach dem Spiel. "Ich hab nur gehört, wie das Stadion explodiert ist." Larissa versuchte es noch einmal, schickte sogar Innenverteidiger de Freitas nach vorne, doch Ilisiakos’ Abwehr hielt stand - mit letzter Kraft, viel Geschrei und einem Torwart, der mehr Zeit von der Uhr nahm als ein Verkehrsstau im Athener Feierabendverkehr. Am Ende spiegelte das Ergebnis die Dramatik wider: 3:2, Ballbesitz fast ausgeglichen, aber die Statistik (17 zu 9 Torschüsse) zeigte, wer wirklich wollte. Trainer Dietz fasste es trocken zusammen: "Wir haben viel investiert, aber Ilisiakos hatte diesen einen Teenie, der nicht wusste, dass man so was eigentlich nicht darf." Trainer Alex Alex grinste nur: "Wenn du drei junge Stürmer hast, brauchst du keinen Schlaf - aber manchmal bekommst du drei Punkte." Ein Spiel wie ein griechisches Drama - mit Helden, Schmerz und einem Happy End. Nur dass die Götter diesmal Ilisiakos hießen. 01.01.643988 07:35 |
Sprücheklopfer
Es gibt Leute, die denken so, und es gibt Leute, die denken so. Das ist immer so, wenn viele Leute zusammenkommen.
Toni Polster