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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 26.655 Zuschauer - und ein Heimteam, das offensichtlich keine Lust auf Zurückhaltung hatte: Ilisiakos legte am 7. Spieltag der 1. Liga Griechenland einen Traumstart hin und ließ Thessaloniki beim 3:1 (3:0) keine Chance. Schon nach 24 Minuten stand das Spiel praktisch fest, man hatte fast Mitleid mit den Gästen. Fast. Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Kaum lief die zweite Minute, als Evangelos Argyros, der 34-jährige Dauerbrenner im rechten Sturm, den Ball mit einer Selbstverständlichkeit in den Winkel drosch, als wollte er den Abend schnell hinter sich bringen. "Ich dachte, wir hätten noch Anstoß", schmunzelte Thessalonikis Trainer Johnas Heun später sarkastisch. Doch Ilisiakos hatte Blut geleckt. Nur acht Minuten später war es der junge Miguel Mocana, 20 Jahre jung, der nach einem langen Ball von Innenverteidiger Alexios Antoniou durchbrach und eiskalt zum 2:0 einschob. "Alexios meinte nachher, das war Absicht", grinste Mocana in der Mixed Zone. "Ich sag mal so: Wenn’s funktioniert, war’s ein Pass." Spätestens beim dritten Treffer in der 24. Minute schwante selbst den hartgesottenen Thessaloniki-Fans im Gästeblock, dass es ein langer Abend werden würde. Der 18-jährige Gudbrand Dahl, frisch aus der Jugend, traf nach schöner Vorarbeit von Gabriel Marshal. Ein Tor, das so sehenswert war, dass selbst der Schiedsrichter kurz applaudierte - innerlich natürlich. "Wir haben Ilisiakos in der ersten Halbzeit einfach nicht gestört", ärgerte sich Coach Heun später. "Unsere Offensive war offensiv, unsere Defensive auch." Tatsächlich zeigte Thessaloniki zwar mit 47,6 Prozent Ballbesitz, dass sie nicht völlig überrollt wurden, aber in den entscheidenden Momenten wirkten sie, als hätten sie alle denselben Albtraum: Evangelos Argyros mit Ball am Fuß. Zur Pause stand es 3:0 - und das war noch schmeichelhaft. Zehn Torschüsse hatte Ilisiakos bis dahin, Thessaloniki nur fünf im gesamten Spiel. Die Gastgeber kontrollierten den Ball (52,4 % Ballbesitz), gewannen mehr Zweikämpfe (54,5 % Tacklingquote) und wirkten, als hätten sie noch Reserven im Tank. In der zweiten Halbzeit schaltete Ilisiakos dann zwei Gänge zurück. Der junge Trainer - der seinen Namen lieber nicht in die Öffentlichkeit tragen wollte, um "das Spiel für sich sprechen zu lassen" - ließ sein Team nun verwalten. Thessaloniki nutzte die Gunst der Stunde und kam in der 57. Minute tatsächlich zu einem Ehrentreffer: Seha Kocaoglu, der auffälligste Mann der Gäste, traf nach Vorlage von Aigefs Papaioannou zum 3:1. Der Jubel war kurz, aber ehrlich. Von da an passierte nicht mehr viel - abgesehen von einer gelben Karte für den 17-jährigen Rechtsverteidiger Akakios Makris, der sich offenbar vorgenommen hatte, wenigstens in der Statistik aufzufallen. "Ich wollte zeigen, dass ich da bin", sagte er hinterher mit einem schiefen Grinsen. Ilisiakos blieb ruhig, kombinierte sicher, und wenn’s mal gefährlich wurde, stand Torhüter Evan Stanton souverän. In der 69. Minute versuchte es Armandos Makris aus 25 Metern - natürlich knapp vorbei, aber das Publikum applaudierte trotzdem. "Wir wollten Spaß haben", meinte Makris nach dem Spiel. "Und wer Spaß hat, trifft eben manchmal das Stadiondach." Als der Schlusspfiff ertönte, brandete Jubel auf. Ilisiakos hatte nicht nur gewonnen, sondern mit einer ersten Halbzeit zum Einrahmen überzeugt. "Das war Fußball, wie wir ihn spielen wollen", erklärte Argyros, der Mann des Spiels, danach. "Schnell, mutig, ein bisschen verrückt." Thessaloniki hingegen wirkte ernüchtert. Coach Heun stapfte mit verschränkten Armen vom Platz, murmelte etwas von "Lehrgeld" und "fehlender Balance". Seine Mannschaft blieb bemüht, aber harmlos. Und wenn man ehrlich ist: Ein Team, das 45 Minuten braucht, um zu merken, dass das Spiel schon läuft, hat gegen diese Ilisiakos-Elf keine Chance. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen - und einem Gefühl, dass hier etwas wächst. Ein Team, das mit einem 18-Jährigen im Mittelfeld und einem 34-Jährigen im Sturm so harmoniert, hat nicht nur Potenzial, sondern auch Charakter. Vielleicht war es nur ein Spiel am 7. Spieltag. Vielleicht war es aber auch der Moment, in dem Ilisiakos begriff, dass sie mehr als Mittelmaß sind. Wie sagte Trainer Heun später süffisant: "Wenn man in 24 Minuten 0:3 hinten liegt, kann man wenigstens früh schlafen gehen." Und so ging Thessaloniki früh schlafen - während in Athen die Nacht noch lange nachhallte. 29.03.643987 14:27 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002