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Wenn 58.207 Zuschauer bei eisigem Wind an der Kieler Förde auf den Rängen hüpfen, dann ist etwas passiert. Und zwar etwas Schönes - zumindest aus Sicht der Hausherren. Holstein Kiel hat am 19. Spieltag der 1. Liga Deutschland den SC Saar mit einem deutlichen 4:0 vom Platz gefegt. Ein Spiel, das streckenweise wie ein Trainingskick wirkte - allerdings nur für die "Störche". Trainer Jason Voorhees (nein, nicht der mit der Maske aus den Horrorfilmen, auch wenn Saar heute wohl Albträume bekommt) hatte seine Elf perfekt eingestellt. "Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir hier zu Hause keine Gastgeschenke verteilen", grinste der Kieler Coach nach Abpfiff. Und tatsächlich: Schon in den ersten Minuten rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor des jungen Saarer Keepers Yves Otto zu. Pedro Domingos, Mario Alves und Vincent Makukula prüften den Torhüter früh - die Schüsse kamen im Minutentakt. In der 22. Minute platzte dann der Knoten: Claudios Voores, Kiels umtriebiger Rechtsaußen, zirkelte den Ball aus 18 Metern so trocken ins Eck, dass sogar die Möwen über dem Stadion kurz Beifall krächzten. Saar wirkte beeindruckt - und das, obwohl sie laut Statistik "offensiv auf Konter" eingestellt waren. Nur kamen diese Konter selten über die Mittellinie. "Wir wollten eigentlich auf Umschaltmomente lauern", murmelte Gästecoach Peter Wessel später, "aber es gab da ein kleines Problem: den Ball." Kiel hatte nämlich fast 64 Prozent davon. Kurz vor der Pause folgte der nächste Schlag. Pedro Domingos, der schon zuvor viermal gefährlich abgeschlossen hatte, drückte den Ball in der 44. Minute über die Linie - nach Vorlage von Innenverteidiger Manuel Galvao, der sich offenbar dachte: Wenn vorn keiner trifft, mach ich’s eben selbst. Halbzeitstand: 2:0, Applaus von den Rängen, und bei den Gästen sah man erste Blicke in Richtung Busparken. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Kiel blieb offensiv, Saar blieb überfordert. Lediglich ein kleines Gelb-Intermezzo von Oscar Rose in der 46. Minute sorgte für Farbe auf dem Notizzettel des Schiedsrichters. Ansonsten dominierten die Störche das Geschehen nach Belieben - 21 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. In der 56. Minute schlug dann Jose Maria Longas zu, mustergültig bedient von Mario Alves. Longas’ Schuss rauschte flach ins rechte Eck, Otto streckte sich vergeblich. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Longas später mit einem Schulterzucken, das so entspannt war, als hätte er gerade den Wocheneinkauf erledigt. Saar reagierte - zumindest personell. Gleich drei Wechsel in der 74. Minute: Gimenez, Schön und Santos kamen, um das Unheil zu stoppen. Sie fanden allerdings keinen Schalter, eher einen Notausgang. Die Gäste brachten es insgesamt auf fünf Torschüsse, von denen kaum einer die Handschuhe von Kiels Torhüter Jermolai Chlystow ernsthaft erwärmte. In der Schlussphase durfte noch einmal gejubelt werden: In der 90. Minute war es wieder Longas, diesmal nach klugem Zuspiel von Voores, der den Endstand von 4:0 besiegelte. Die Fans tobten, das Flutlicht glänzte, und selbst Trainer Voorhees erlaubte sich ein Lächeln. "Das war heute fast schon unheimlich gut", witzelte er mit Blick auf seinen Namen. Bei Saar hingegen herrschte betretenes Schweigen. Kapitän Christian Schumacher wirkte ratlos: "Wir haben alles versucht, aber die waren überall einen Schritt schneller." Trainer Wessel formulierte es nüchterner: "Manchmal sieht man, wie weit der Weg noch ist." Kiel dagegen darf weiter träumen. Mit dieser Spielfreude, gepaart mit einem Angriffstrio, das an diesem Abend alles traf, was sich bewegte, ist das Team an der Förde mehr als nur ein unbequemer Gegner. Und während die Fans nach Spielende noch "Holstein forever" sangen (frei erfunden, aber wahrscheinlich), summte Pedro Domingos beim Verlassen des Platzes leise vor sich hin. Vielleicht war’s der Song des Erfolgs. Oder einfach das zufriedene Summen eines Mannes, der weiß, dass an diesem Abend alles passte - bis hin zum 4:0 auf der Anzeigetafel. Schlusswort? Kiel fliegt, Saar taumelt. Und wer vor dem Spiel noch an ein knappes Ergebnis geglaubt hat, weiß jetzt: Manchmal kommt Fußball eben doch mit Vorschlaghammer. 06.09.643987 06:41 |
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