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Es gibt Fußballabende, da kann man 13 Mal aufs Tor schießen, den Ballbesitz halbwegs ausgeglichen gestalten, den Gegner phasenweise einschnüren - und am Ende trotzdem mit leeren Händen dastehen. Der SV Bremen durfte das am 5. Spieltag der 3. Liga Deutschland auf schmerzhafte Weise erfahren: 0:1 hieß es nach 90 Minuten gegen den SC Hoffenheim, und Trainer Jack Schlakowski sah beim Abpfiff aus, als hätte ihm jemand den letzten Rest Hoffnung aus der Jackentasche geklaut. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Schon nach fünf Minuten prüfte Johannes Hummel, der quirlige Linksaußen der Bremer, den Hoffenheimer Keeper Luis Frei mit einem satten Schuss - der erste von insgesamt 13 Bremer Versuchen, die allesamt endeten, wie man es als Trainer nicht hören möchte: "knapp vorbei", "zu zentral", "drüber", "dran gewesen". "Wir hätten heute auch bis Mitternacht spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", grantelte Hummel später in der Mixed Zone, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Hoffenheim hingegen zeigte, wie man mit weniger Aufwand mehr Ertrag erzielt. In der 29. Minute kombinierte sich der Gast über die rechte Seite nach vorne: Francisco Segura legte flach in den Rückraum, und Gabri Rocha, der flinke Linksfüßler, traf mit einem präzisen Schuss zum 0:1 ins rechte Eck. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und leider der einzige des Abends. "Wir haben gewusst, dass Bremen hoch steht, also wollten wir den Moment abpassen", erklärte Rocha später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. Das Tor fiel genau in eine Phase, in der Bremen eigentlich am Drücker war. Zwischen der 14. und 23. Minute hatte die Schlakowski-Elf gleich fünf Torschüsse - Hummel, Viola, Henrico, Hamilton und Letourneur versuchten ihr Glück. Doch ob Pech, Präzisionsmangel oder Freiheitsliebe des Balles - das Leder wollte einfach nicht ins Tor. "Ich hab irgendwann gedacht, da steht ein unsichtbarer Hoffenheimer auf der Linie", scherzte Verteidiger Jacques Letourneur, der gleich zwei Mal gefährlich abschloss. Die 11.646 Zuschauer im heimischen Stadion reagierten mit einer Mischung aus Unglauben und Galgenhumor. "Das ist wie ein Krimi ohne Auflösung", rief ein Fan von der Tribüne, während der Stadionsprecher versuchte, die Stimmung mit Durchhalteparolen aufrechtzuerhalten. Nach der Pause blieb das Bild ähnlich: Bremen rannte, Hoffenheim verwaltete. Die Gäste hatten minimal mehr Ballbesitz (51,8 Prozent), Bremen etwas bessere Zweikampfwerte (51,9 Prozent). Es war das klassische Beispiel eines Spiels, das in der Statistik ausgeglichen aussieht, auf der Anzeigetafel aber unversöhnlich bleibt. Trainer Jack Schlakowski versuchte in der Schlussphase alles. In der 87. Minute brachte er den 37-jährigen Inigo Travassos für Felipe Carballo - frische Erfahrung, wenn man so will. "Inigo hat schon Spiele gedreht, da waren die meisten heute noch in der Schule", sagte Schlakowski augenzwinkernd. Doch auch Travassos fand kein Rezept gegen das Hoffenheimer Bollwerk, das sich stoisch in jeden Ball warf und keinen Zweifel daran ließ, dass der Abend ihnen gehören sollte. Bei Hoffenheim wirkte Trainer Luis Fricke (nein, kein Verwandter des Innenverteidigers Walter Fricke, wie er lachend betonte) nach Schlusspfiff geradezu zufrieden: "Wir haben nicht schön, aber clever gespielt. Manchmal reicht das. Und heute war so ein Tag." Die Bremer versuchten es bis zur letzten Minute. In der 83. und 84. Minute feuerte John Pelletier gleich doppelt aufs Tor - beide Male landete der Ball jedoch in der warmen Umarmung von Torhüter Frei, der mit jedem Fang sicherer wirkte. In der Nachspielzeit setzte Hoffenheims Tobias Krieger noch einen Konterversuch, den Bremer Keeper Lewis Clancy gekonnt entschärfte - immerhin ein kleiner Trost für die Hausherren. Als der Schlusspfiff ertönte, blieb ein Gefühl zwischen Frust und Fassungslosigkeit. "Das war kein schlechtes Spiel", meinte Schlakowski und fügte nach einer Pause hinzu: "Aber auch kein gutes, wenn man verliert." In der Pressekonferenz klang er dann fast philosophisch: "Fußball ist manchmal wie ein Würfelspiel - nur dass wir heute mit der falschen Hand gewürfelt haben." Hoffenheim jubelte, Bremen grübelte. Und irgendwo in der norddeutschen Nacht rollte ein Ball, der einfach nicht ins Tor wollte. Vielleicht trifft er ja nächste Woche. 29.03.643987 14:18 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll