// Startseite
| Sverige Fotboll |
| +++ Sportzeitung für Schweden +++ |
|
|
|
Wer am Freitagabend ins kleine Stadion von Lungskile kam, bekam für sein Eintrittsgeld ein ganzes Fußballmenü serviert: sechs Tore, zwei Gelbe Karten, eine Verletzung, ein Torwartwechsel - und jede Menge Emotionen auf und neben dem Rasen. Am Ende jubelte Hammarby FC über ein 4:2 (2:1) bei Lungskile SK, das sich zwar bemüht, aber letztlich wehrlos gegen die kaltschnäuzigen Gäste zeigte. Schon nach elf Minuten war klar, dass Hammarby nicht zum Sightseeing an die Westküste gereist war. Javier Valente, der 22-jährige Mittelstürmer mit dem Selbstvertrauen eines Champions-League-Veteranen, zog nach Zuspiel von Sigmund Dahlin ab - 1:0 für die Gäste. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Der Ball wollte rein, also hab ich ihn gelassen", grinste Valente später verschmitzt. Lungskile antwortete mit Wut im Bauch, mehr Ballbesitz (55 Prozent) und dem sichtbar größeren Drang, das Spiel zu gestalten. Greger Holmqvist und Filip Berglund prüften Hammarby-Keeper Diego Meireles mehrfach in den Anfangsminuten - allerdings eher auf seine Reflexe als auf seine Nerven. Doch die Abwehr der Gäste hielt stand, ehe Valente in der 30. Minute erneut zuschlug, diesmal nach Vorarbeit des 17-jährigen Davib Kavanagh, der mit seinem ersten Startelfeinsatz gleich einen Scorerpunkt verbuchte. 2:0 - und die etwa 200 mitgereisten Hammarby-Fans sangen sich die Kehlen heiser. Doch Lungskile wäre nicht Lungskile, wenn sie es nicht wenigstens spannend machen würden. Kurz vor der Pause (37.) bugsierte Ivar Pettersson nach feinem Pass von Peter Wendt den Ball ins Netz. 1:2 - das Stadion explodierte, und Trainer Anders Holm (der laut Vereinsangabe wegen einer Grippe auf der Tribüne saß) soll dabei eine Wasserflasche so weit geworfen haben, dass sie fast die Trainerbank traf. "Das war kein Wurf aus Wut, eher aus Begeisterung", beteuerte sein Co-Trainer lachend. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Lungskile den Druck, ließ Ball und Gegner laufen, als hätten sie plötzlich die Champions-League-Hymne im Ohr. Joaquin Velazquez belohnte den Aufwand in der 63. Minute mit dem Ausgleich, schön bedient von Jean Piccard. 2:2 - und alles wieder offen. "Da dachte ich, jetzt kippt das Ding", sagte Velazquez später. "Aber dann kam dieser verdammte Hoffmann." Gemeint war Hammarbys 20-jähriger Detlev Hoffmann, der in der 65. Minute für den angeschlagenen Valente eingewechselt wurde. Kaum auf dem Feld, lief er wie ein Duracell-Hase, presste, provozierte, grinste - und traf. In der 80. Minute nutzte er ein Missverständnis in Lungskiles Abwehr zum 3:2, acht Minuten später legte er nach, diesmal nach Flanke von Dahlin. 4:2 - der Deckel war drauf. "Ich sollte eigentlich nur Zeit von der Uhr nehmen", lachte Hoffmann nach der Partie. "Aber wenn mir der Ball so nett vor die Füße fällt, wäre es unhöflich, ihn nicht reinzuschießen." Sein Trainer Pascal Tepe zeigte sich entsprechend zufrieden: "Wir wollten mutig bleiben, und die Jungs haben das umgesetzt. Valente stark, Hoffmann frech - so liebe ich das." Lungskile dagegen schaute ratlos in die Winterkälte. Zehn Torschüsse, mehr Ballbesitz, aber am Ende kein Punkt. "Statistik gewinnt keine Spiele", knurrte Kapitän Pettersson in die Mikrofone, während sich hinter ihm die Fans mit Glühwein trösteten. Das Fazit dieses Abends: Hammarby zeigte Effizienz in Reinform - neun Torschüsse, vier Treffer. Lungskile zeigte Moral, aber auch defensive Naivität. Und irgendwo in der Kabine dürfte Trainer Tepe eine Playlist mit Siegesliedern gestartet haben, während Holm vermutlich weiter überlegt, wie man mit 55 Prozent Ballbesitz ein 2:4 verliert. Oder wie ein Zuschauer auf der Tribüne trocken meinte: "Lungskile hatte den Ball. Hammarby hatte die Tore. Und das ist im Fußball immer noch das Wichtigste." Ein bisschen bitter, ein bisschen schön - genau so, wie Fußball eben sein muss. 30.09.643987 21:52 |
Sprücheklopfer
Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.
Lothar Matthäus