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Es war ein kühler Märzabend in Nauco, aber auf dem Rasen des Stadions brodelte es: 27.160 Zuschauer sahen am 22. Spieltag der 1. Liga Schweden, wie Hammarby FC den FC Nauco mit 2:0 besiegte - ein Ergebnis, das so klar klingt, wie das Spiel es letztlich auch war. Schon nach neun Minuten lag Hammarby vorn. Javier Valente, der junge Mittelstürmer, schlenzte den Ball aus kurzer Distanz ins Netz, nachdem Leandro Vasquez, der flinke rechte Mittelfeldmann, mit einem butterweichen Pass die halbe Nauco-Abwehr ausgespielt hatte. "Ich hab einfach instinktiv abgezogen", grinste Valente nach Abpfiff. "Wenn ich nachdenke, fliegt der Ball meist über die Tribüne." Trainer Pascal Tepe von Hammarby stand an der Seitenlinie und ballte die Faust - so früh hatte er sich das Führungstor wohl kaum erträumt. "Wir wollten aggressiv pressen und über Konter kommen", erklärte er später. "Und manchmal klappt ein Plan eben wirklich." Für Mr. Hawk, den Coach des FC Nauco, war der Abend dagegen ein einziger Seufzer. Seine Mannschaft hielt zwar mit knapp 49 Prozent Ballbesitz ordentlich dagegen, aber Torgefahr blieb Mangelware: ganze drei Torschüsse in 90 Minuten. "Wir hatten zu viel Ball und zu wenig Richtung", murmelte Hawk, der während des Spiels mehrmals wie ein Dirigent der Verzweiflung an der Seitenlinie gestikulierte. Hammarby, mit einer offensiven Ausrichtung und 16 Schüssen auf das Tor, spielte dagegen wie ein Team, das wusste, was es wollte. Besonders jung und ungestüm präsentierte sich Leandro Vasquez: Der 21-Jährige war überall - mal auf der rechten Außenbahn, mal plötzlich im Strafraum, wo er in der 55. Minute das 2:0 erzielte. Nach einer Vorlage von Rechtsverteidiger Stephane Maurice drosch er den Ball unter die Latte. Dass Maurice kurz zuvor Gelb gesehen hatte, störte ihn nicht weiter - "Ich dachte, ich mach lieber was Produktives, bevor ich noch eine zweite Karte hole", lachte er später. Nach dem zweiten Treffer schien bei Nauco die Luft raus. Zwar versuchte der 18-jährige Edvard Lundqvist auf der rechten Abwehrseite, mit jugendlichem Elan das Spiel nach vorn zu treiben, aber Hammarby stand kompakt. Als Hawk in der 65. Minute gleich doppelt wechselte - Pfeiffer und Paulsson runter, Henriksson und Carlsen rauf - brandete Applaus auf, mehr aus Hoffnung als aus Überzeugung. Doch auch die Frischlinge konnten das Spiel nicht mehr drehen. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne die Kontrolle zu verlieren", fasste Tepe trocken zusammen. "Das ist ein Satz, den ich mir einrahmen werde", witzelte ein Reporter in der Mixed Zone, worauf Tepe nur schmunzelte: "Tun Sie das, aber bitte mit Quellenangabe." Nauco hatte immerhin zwei gute Szenen: In der 84. Minute prüfte Martin Pfeiffer den Gästetorwart Diego Meireles mit einem satten Schuss aus 20 Metern - die Fans sprangen auf, doch Meireles parierte sicher. Zwei Minuten später versuchte es der junge Vilhelm Paulsson, aber auch er scheiterte. Danach war endgültig Schluss mit der Herrlichkeit. Die Stimmung auf den Rängen blieb trotz des Rückstands erstaunlich lebendig. Ein älterer Herr im Nauco-Trikot rief in der 70. Minute: "Hawk, stell dich selbst ein, vielleicht geht dann was!" - worauf der Trainer tatsächlich kurz in seine Richtung nickte. Ob ironisch oder resigniert, blieb offen. Zum Schluss feierten die Hammarby-Spieler ausgelassen vor ihrem Fanblock. Valente tanzte mit Vasquez eine improvisierte Choreografie, während die Nauco-Spieler mit hängenden Köpfen abklatschten. "Wir lernen daraus", versprach Mittelfeldspieler Harald Lundqvist, "nämlich, dass man ein Spiel nicht mit Ballbesitz gewinnt, sondern mit Toren. Überraschend, oder?" Die Statistik untermauert die bittere Wahrheit: 16:3 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe und ein Hammarby-Team, das in jeder Phase wie die reifere Mannschaft wirkte. Und so endete der Abend mit einem klaren 0:2 - und dem Gefühl, dass Hammarby FC in dieser Saison noch einiges vorhaben dürfte. "Das war noch nicht unser bestes Spiel", meinte Trainer Tepe zum Abschied. "Aber es war gut genug, um Mr. Hawk die Stirn zu runzeln." Ein Satz, der wohl am Montag auf vielen Pinnwänden in Nauco hängen wird - als Erinnerung daran, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist. Und dass es manchmal reicht, einfach öfter aufs Tor zu schießen. 31.05.643993 18:55 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund