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Wenn 47.071 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion strömen, dann ahnt man: Es wird kein Spaziergang. Und tatsächlich, der SC Hamburg und der FC Kreuzberg boten beim 6. Spieltag der 1. Liga ein Fußballstück zwischen Genie und Wahnsinn - mit dem glücklicheren Ende für die Hanseaten, die sich nach 90 intensiven Minuten mit 3:2 durchsetzten. Schon in den ersten Minuten war klar: Trainer Tim Engels SC Hamburg wollte nichts anbrennen lassen. 52 Prozent Ballbesitz, 15 Schüsse aufs Tor - das sind Werte, die an die goldenen Zeiten des gepflegten Angriffsfußballs erinnern. Und als Olaf Wagner in der 28. Minute nach feinem Zuspiel von Jack Chevallier die Kugel humorlos ins Netz drosch, bebte die Nordtribüne. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man zu viel nachdenkt, geht der Ball eh daneben", grinste der 33-Jährige später - mit einem Eisbeutel auf dem Oberschenkel und einem Bier in der Hand. Nur drei Minuten später zauberte Nestor Caballero das 2:0 auf die Anzeigetafel. Wieder kam der Pass vom überragenden Chevallier, der im Mittelfeld schaltete und waltete, als hätte er ein Navigationssystem im Fuß. "Jack war heute unser Dirigent", lobte Trainer Engel. "Er hat die Bälle verteilt, als wären’s Buttercroissants." Doch wer dachte, die Kreuzberger würden sich ergeben, kennt Atze Matze nicht. Der Berliner Coach, bekannt für seine markigen Worte ("Defensiv ist was für Leute ohne Fantasie"), ließ seine Jungs weiter offensiv wirbeln. Und siehe da: In der 41. Minute flankte Gerard Ganesvoort präzise von links, Matthias Henkel wuchtete den Ball per Kopf ins lange Eck - 2:1. Nur zwei Minuten später folgte die kalte Dusche für Hamburg: Thijmen Van Antwerp vollendete nach Vorarbeit von Adrien Goddaert zum Ausgleich. 2:2! "In der Kabine war’s ruhig. Zu ruhig", verriet Torhüter Oliver Kraft später. "Tim hat uns nur angeguckt und gesagt: ’Wenn ihr das noch verliert, laufe ich nach Hause.’ Da wussten wir, was Sache ist." Und die Sache war in der 56. Minute geklärt. Chevallier, diesmal selbst als Torschütze, krönte seine Leistung mit einem wuchtigen Abschluss nach Vorlage von Angelo Sala. 3:2 - und das Stadion explodierte. Die Fans sangen, die Kreuzberger fluchten, und Trainer Engel rannte die Seitenlinie entlang wie ein Mann, der sein Sparbuch wiedergefunden hat. Danach wurde es ein Spiel der verpassten Chancen. Hamburgs Sala und Caballero scheiterten mehrfach am glänzend reagierenden Kreuzberger Keeper José de Almeida, während Henkel auf der anderen Seite in der 63. und 68. Minute das Aluminium küsste. Auf den Rängen wurden die Fäuste geballt, die Herzen pochten - und der Schiedsrichter pfiff irgendwann einfach ab, weil genug Drama für einen Abend war. "Wir haben’s heute zu schön versucht", analysierte Kreuzbergs Coach Matze nachdenklich. "Manchmal muss man den Ball einfach nur reinkloppen. Aber meine Jungs wollten wieder Kunst." Neben ihm nickte Henkel, noch schweißnass: "Ich hätte den dritten machen müssen. Stattdessen hat der Ball die Latte gestreichelt. Romantisch, aber nutzlos." Hamburgs Mittelfeldmotor Chevallier wurde zum Mann des Abends gekürt - ein Tor, zwei Assists, 90 Minuten Dauerlauf. "Ich bin Franzose, ich laufe nur, wenn’s schön aussieht", witzelte er im Kabinengang. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen, aber in den entscheidenden Momenten hatte Hamburg die Nase vorn. 15 Torschüsse zu 7, ein leichtes Ballbesitzplus, und vor allem: mehr Nervenstärke. Kreuzberg drückte in der Schlussphase noch mit vollem Einsatz, spielte lange Bälle, presste aggressiv - aber Hamburg verteidigte mit norddeutscher Gelassenheit. Als der Abpfiff ertönte, wirkte Coach Engel beinahe überrascht: "Ich dachte, das geht noch zehn Minuten. Aber gut, nehmen wir den Dreier." Atze Matze indes verschwand wortlos im Tunnel, nur ein "Das war kein Handspiel!" hallte noch über den Rasen - obwohl niemand Hand gesehen hatte. So bleibt ein Abend, der alles bot, was Fußball schön macht: Tempo, Tore, Tohuwabohu. SC Hamburg klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben, Kreuzberg hingegen bleibt das charmante Enfant terrible der Liga - spektakulär, aber selten effizient. Und irgendwo in Hamburg summte ein Fan auf dem Heimweg ein bekanntes Lied: "So spielt nur der SC…" - mehr muss man dazu nicht sagen. 18.03.643987 05:45 |
Sprücheklopfer
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