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Hamburgs Moffa schießt Bremen aus dem Takt - 1:0 im Flutlichtkrimi

Ein lauer Januarabend, 6.441 frierende, aber hartgesottene Zuschauer im kleinen Stadion an der Elbe - und ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird. Der FC Hamburg schlägt den SV Bremen mit 1:0, doch das Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte. Es war ein Duell zwischen jugendlichem Übermut und routinierter Verzweiflung, zwischen leuchtend grünen Schuhen und dampfenden Köpfen.

In den ersten Minuten deutete nichts darauf hin, dass hier ein Tor fallen würde - und das tat es ja auch lange nicht. Bremen begann forsch, Leo Caroll prüfte Hamburgs Keeper Philippe Vollmer bereits in der zweiten Minute mit einem satten Schuss, der das Netz immerhin zum Zittern brachte, wenn auch nur hinterm Tor. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir da sind", sagte Caroll später mit einem Grinsen, "aber das Tor war offenbar noch im Winterschlaf."

Hamburg hielt dagegen, besonders über die rechte Seite mit Florian Pan, der in der vierten Minute sein Glück versuchte, jedoch an Bremens Torwart Lewis Clancy scheiterte. "Dem Jungen fehlt noch ein bisschen die Geduld", meinte Trainer Tomas Schubert nach dem Spiel, "aber lieber er schießt einmal zu viel als gar nicht."

Die erste Halbzeit blieb torlos, aber keineswegs ereignislos. Bremen kombinierte gefällig, hatte mit Carballo und Verdasco zwei fleißige Antreiber im Mittelfeld. Doch die Hanseaten verteidigten diszipliniert, gelegentlich mit der Eleganz eines Presslufthammers. Der Ballbesitz sprach mit 54 Prozent leicht für Hamburg, doch die Gäste verbuchten mehr Torschüsse - zehn insgesamt.

Kurz vor der Pause wurde es dramatisch: Bremens Daniel Morriss kam für den angeschlagenen Roberto Verdasco, nur um wenig später selbst mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen zu bleiben. "Ich hab nur kurz die kalte Luft eingeatmet, dann hat’s im Oberschenkel gezwickt", fluchte Morriss später, während er mit Eisbeutel aus der Kabine humpelte. Bremen musste improvisieren, und Trainer Jack Schlakowski wirkte an der Seitenlinie zunehmend wie ein Mann, der sein Navi verloren hat.

Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel Fahrt auf - und dann kam die 57. Minute. Michele Moffa, der 22-jährige Linksaußen mit der Frisur eines Popstars, fasste sich ein Herz. Nach feiner Vorarbeit von Nelio Yaguez tanzte er an zwei Bremern vorbei und schob den Ball überlegt ins rechte Eck - 1:0! Der Jubel im Rund war ohrenbetäubend. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", lachte Moffa danach, "ich hab nur die Leute schreien gehört - da wusste ich, ich darf mich freuen."

Bremen antwortete mit Wut im Bauch - und mit Gelben Karten. Erst traf es Paulo Meireles (62.), dann Innenverteidiger Jacques Letourneur (64.), der in der 75. Minute noch eine drauflegte und mit Gelb-Rot frühzeitig zum Duschen geschickt wurde. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Letourneur, während sein Trainer die Stirn massierte. "Wenn das der Ball war, will ich nicht wissen, wie er den Gegner trifft", murmelte ein Zuschauer spitz.

Hamburg verstand es, das knappe Ergebnis clever über die Zeit zu bringen. Gelegentlich wurde’s hitzig - Paisis Spyropoulos sah in der 84. Minute Gelb für zu viel Elan an der Außenlinie. Bremen warf in den Schlussminuten alles nach vorn, sogar der 37-jährige Inigo Travassos versuchte sich in der 91. Minute noch einmal - doch Vollmer im Hamburger Tor blieb unbeeindruckt.

Nach dem Schlusspfiff atmete Trainer Schubert tief durch: "Das war kein Fußballfest, aber ein Arbeitssieg. Und manchmal muss man eben malochen, um zu feiern." Sein Gegenüber Schlakowski war weniger begeistert: "Wir haben uns selbst geschlagen. Zwei Gelbe, eine Gelb-Rote - das ist kein Zufall, das ist Dummheit."

Die Statistik untermauert seine Frustration: Bremen hatte zwar etwas weniger Ballbesitz (46 Prozent), aber mehr Abschlüsse. Doch Tore zählen, nicht Versuche. Hamburgs junger Haufen, Durchschnittsalter gerade mal 21, bewies Nervenstärke und eine erstaunliche Reife.

Am Ende sangen die Fans in der Kurve, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Und Michele Moffa ließ sich feiern, als wäre er der neue König von Hamburg. Vielleicht war er das an diesem Abend tatsächlich - zumindest bis zur nächsten Woche.

Ein Sieg, der mehr Moral als Glanz zeigte. Aber wer braucht schon Glanz, wenn drei Punkte leuchten?

19.12.643987 08:55
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