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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 5000 Zuschauer - und ein Hamburger SC, der offenbar beschlossen hatte, die Regionalliga B in ein einseitiges Trainingsspiel zu verwandeln. Beim 5:0 (4:0) gegen den Brinkumer SV war die Frage nach dem Sieger schon nach einer Viertelstunde beantwortet. Als Schiedsrichterin Tanja Bremer um 20:15 Uhr anpfiff, war der Ball kaum drei Minuten im Spiel, da zappelte er schon im Netz. Christoph Probst, sonst eher als verlässlicher Linksverteidiger bekannt, drosch einen Abpraller aus 20 Metern in die Maschen - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der 19-Jährige später grinsend, "aber dann hat der Ball wohl selbst entschieden, dass er ins Tor will." Nur eine Minute später legte der überragende Jitzchak Lapid nach. Der 19-jährige Israeli sprintete in einen Steilpass von Innenverteidiger Marcio Bosingwa - ja, richtig gelesen: der Innenverteidiger! - und schob eiskalt an Brinkums Keeper Maik Meiser vorbei. 2:0, und der Gäste-Block schwieg schon verdächtig still. Der Brinkumer SV, eigentlich mit einer offensiven Grundordnung angereist, fand kaum statt. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten spricht Bände. "Ich habe den Ball mal gesehen, als ich ihn aus dem Netz geholt habe", murmelte Meiser später mit Galgenhumor. In der 20. Minute wieder Lapid: Diesmal hatte Benjamin Clancy, der quirlig über die linke Seite wirbelte, Maß genommen und punktgenau aufgelegt. Lapid brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten - 3:0. "Da kann man als Trainer nur Beifall klatschen", meinte Walter Frosch, der Hamburger Coach, trocken. "Wenn die Jungs so weiterspielen, kann ich bald Urlaub nehmen." Das 4:0 folgte in der 31. Minute: Niko Hahn, der Rechtsaußen mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, zog nach innen und traf mit links in den Winkel. Wieder hatte Clancy die Vorarbeit geleistet. Es war die Art Tor, bei der Verteidiger nur hilflos die Hände heben können, als wollten sie sagen: "Was sollen wir denn da machen?" Mit diesem Spielstand ging es in die Pause - und mit einem kollektiven Kopfschütteln auf Brinkumer Seite. Trainer Dirk Möller (der sich nach dem Spiel höflich hinter den Kameras versteckte) hatte seinem Team offenbar nicht viel mehr mitgeben können als Durchhalteparolen. Nach dem Seitenwechsel schaltete der Hamburger SC spürbar einen Gang zurück, doch das Offensivfeuerwerk erlosch nicht ganz. In der 53. Minute war es wieder Lapid, der nach glänzender Vorarbeit von Sebastian Rieger zum 5:0 einschob und damit seinen Hattrick perfekt machte. Der junge Stürmer, drei Tore, drei verschiedene Vorlagengeber - das nennt man Effizienz aus dem Bilderbuch. "Ich hab einfach Spaß am Spiel", sagte er hinterher bescheiden. "Und wenn der Ball reingeht, ist das ein Bonus." Ab der 60. Minute nutzte Frosch die komfortable Führung, um zu wechseln. Pechvogel des Abends: Mittelfeldmann Dennis Baumann, der sich in der 51. Minute verletzte und durch Rahman Öngün ersetzt werden musste. "Nichts Schlimmes, nur eine Zerrung", beruhigte Frosch, während Baumann schon mit Eisbeutel und einem Lächeln an der Seitenlinie saß. Eine gelbe Karte für Rechtsverteidiger Max Adler in der 81. Minute war der einzige Makel in einem ansonsten makellosen Auftritt. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", witzelte Adler später. Statistisch war das Ganze eine Demonstration: 23 Torschüsse zu 1, 56 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote knapp 60 Prozent. Der Hamburger SC dominierte in allen Belangen, ohne sich in übertriebene Härte zu flüchten. Das Team spielte, als hätte es eine innere Uhr, die genau wusste, wann der nächste Angriff rollen muss. Brinkum dagegen wirkte wie ein Club, der auf der falschen Veranstaltung gelandet war. Ihre offensive Grundordnung blieb reine Theorie, ihr Pressing ein Gerücht. Selbst als sie in der zweiten Halbzeit versuchten, höher zu stehen, liefen sie ins offene Messer. Nach Abpfiff klatschten die Zuschauer begeistert. Trainer Frosch verneigte sich kurz vor der Tribüne, dann meinte er mit einem typischen Frosch-Lächeln: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon gewinnen, dann bitte mit Stil. Sie haben mich wörtlich genommen." Und Lapid? Der verschwand mit dem Spielball unterm Arm in die Kabine - als wäre das nichts Besonderes. Vielleicht ist es das für ihn auch nicht mehr. Kleines Fazit zum Schluss: Wenn der Hamburger SC so weitermacht, wird der Frühling in der Regionalliga B kurz und schmerzlos - zumindest für die Gegner. 19.11.643990 18:52 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte