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Hamburger Blitzstart und Stuttgarter Frust: SC Hamburg siegt 2:1

Ein Spiel beginnt selten so früh wie dieses. Kaum hatten die 70.487 Zuschauer im Hamburger Volksparkstadion ihren Platz gefunden, da zappelte der Ball schon im Netz. Ganze zwei Minuten waren gespielt, als Nestor Caballero - der Name klingt ohnehin nach lateinamerikanischem Drama - nach Vorlage von Simon Dietrich zur frühen Führung einnetzte. "Ich hatte den Kaffee noch nicht leer", grinste Hamburgs Trainer Tim Engel später, "da stand’s schon 1:0. So mag ich das."

Die Gäste aus Stuttgart wirkten, als hätten sie den Anpfiff schlicht verpasst. Ihre Abwehr sortierte sich noch, während Hamburgs Offensive bereits Presslufthammer spielte. Doch die Schwaben berappelten sich, und spätestens nach den zwei frühen Gelben Karten für Juan Pablo Oliveira (12.) und Ernesto Vaz (13.) war klar: Die wollten jetzt nicht mehr nur zusehen.

Hamburg blieb jedoch giftig. Leonidas Mitroglou zog in der 29. Minute aus der Distanz ab, der Ball rauschte knapp vorbei - eine dieser Szenen, in denen der Torwart schon in die falsche Ecke fliegt und dennoch Glück hat. Nur vier Minuten später fiel das 2:0: Guillermo Pinto, eigentlich linker Verteidiger, stürmte nach vorn, flankte nicht - sondern schoss. Und wie! Aus halblinker Position, nach Zuspiel von Peter Bender, drosch er die Kugel unter die Latte. Das Stadion bebte.

"Ich wusste gar nicht, dass Pinto so ein Schussbein hat", witzelte Mitroglou nach dem Spiel. Pinto selbst blieb bescheiden: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal ist das Glück halt linksfüßig."

Doch Stuttgart wäre nicht Stuttgart, wenn sie nicht wenigstens einmal den Spann finden würden. In der 43. Minute, kurz vor der Pause, verkürzte der junge Lionel Vidigal nach Vorarbeit des 18-jährigen Wouter Van Zandt auf 2:1. Ein Treffer, der Trainer Venni Mislintat wieder Leben einhauchte: "Da war Feuer drin. Leider kam die Pause zu früh."

Die zweite Halbzeit begann mit einer Stuttgarter Systemumstellung - offensiver, aggressiver, fast trotzig. Mislintat hatte offenbar die Pausenansprache des Jahres gehalten. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit dreckigen Hosen", verriet er später. Und tatsächlich: Stuttgart übernahm das Kommando. 55 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse - exakt so viele wie Hamburg, aber eben kein weiterer Treffer.

Hamburg verteidigte clever, manchmal auch etwas rustikal. In der 83. Minute sah Jari Peltonen Gelb, kurz darauf auch Marc Doreste (87.). "Da wollte wohl jeder noch schnell in die Statistik", spottete ein Fan auf der Haupttribüne. Trainer Engel hingegen sah’s sportlich: "Wir haben hinten dichtgemacht - notfalls auch mit der Brechstange."

Die Schlussphase war ein einziger Nerventest. Stuttgart warf alles nach vorn, brachte Miguel Nani für den ausgelaugten Jacinto Chalana (77.) und drückte im Dauerlauf auf den Ausgleich. Hamburgs Keeper Nevio Bermudo allerdings hatte einen dieser Abende, an denen die Torlinie wie magnetisch zu wirken scheint. In der 93. Minute rettete er spektakulär gegen Vidigal - die letzte Aktion des Spiels.

Mit dem Abpfiff fiel Engel seinem Co-Trainer in die Arme, während Mislintat kopfschüttelnd in Richtung der eigenen Fans klatschte. "Wir waren dran", murmelte er, "aber Hamburg hat’s clever runtergespielt." Recht hatte er.

Statistisch gesehen war die Partie ausgeglichen: 12:12 Torschüsse, Zweikampfquote fast pari (49 zu 51 Prozent), Ballbesitz mit leichtem Vorteil für die Gäste. Doch Fußball wird nicht auf Excel-Tabellen entschieden, sondern auf Gras. Und dort war Hamburg an diesem Abend einfach einen Tick entschlossener, mutiger, vielleicht auch frecher.

Ein paar Minuten nach dem Spiel spazierte Caballero noch einmal über den Rasen, winkte den Fans zu und sagte in die Mikrofone: "Das war unser Statement: Wir gehören da oben hin." Ob er damit die Liga-Spitze meinte oder nur den eigenen Stolz - egal. Nach so einem Starttor darf man auch mal etwas pathetisch werden.

Zum Schluss ein Gedanke, den ein älterer Herr auf der Pressetribüne murmelte, während die Stadionlichter verloschen: "So ein Spiel gewinnt man nicht, man überlebt es." Hamburg hat überlebt - und gewonnen. Stuttgart hingegen wird sich fragen, warum sie erst nach 20 Minuten aufgewacht sind.

Ein Abend voller Tempo, Emotion und leichter Selbstironie - kurz: ein typischer Bundesliga-Abend.

22.04.643994 18:14
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