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Wenn 44.179 Zuschauer an einem frostigen Februarabend in Halifax die Tribünen füllen, dann erwartet man kein laues Lüftchen - und bekam es auch nicht: Beim 2:2 (2:1) zwischen den Halifax Huskies und den Quebec Blues sah man ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Taktik, Theater und ein spätes Drama, das selbst Shakespeare zufrieden nicken lassen würde. Die Partie begann furios. Schon in der 7. Minute zappelte der Ball im Netz der Huskies - Jaime Mourino, der 33-jährige Sturmtank der Blues, drückte eine butterweiche Flanke von Julio Ordonez über die Linie. "Ich hatte mehr Zeit als gedacht. Sogar genug, um kurz zu überlegen, ob ich wirklich treffen will", grinste Mourino nach dem Spiel. Doch die Huskies, von Trainer Julian Resch gewohnt diszipliniert eingestellt, reagierten nicht mit Panik, sondern mit präziser Gegenwehr. Stephan Hagen, der Dauerläufer im Mittelfeld, zog in der 29. Minute ab - und wie! Ein flacher Schuss aus 20 Metern, der so trocken war wie der Humor seines Trainers. "Stephan hat halt manchmal diesen Gesichtsausdruck, als würde er lieber Kaffee trinken, aber dann haut er einen raus", kommentierte Resch mit einem Schmunzeln. Nur drei Minuten später drehte sich das Spiel endgültig: Carlos Bischoff, der flinke Rechtsaußen der Huskies, netzte nach Vorlage von Rafael de Almeida ein. 2:1 - das Stadion bebte, und der junge Bischoff riss jubelnd die Arme hoch, als hätte er gerade den Eishockey-Pokal gewonnen. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich findet", sagte er später lachend. Die Blues wirkten kurzzeitig konsterniert, kämpften sich aber zurück ins Spiel. Trainer Lutz Lindemann, ein Mann mit einer Leidenschaft für riskante Wechsel, brachte zur Pause Aaron Wyler für Mourino und Paul Musgrave für Espinosa. "Ich wollte frischen Wind. Dass er dann eher wie ein Orkan auf unserer Seite tobte, war nicht ganz der Plan", gestand Lindemann hinterher mit halbem Lächeln. In der zweiten Halbzeit übernahmen die Blues zunehmend das Kommando. Ganze 17 Torschüsse feuerten sie insgesamt ab - eine Zahl, die jedem Statistikliebhaber das Herz aufgehen lässt. Halifax kam auf bescheidene sieben Versuche, verteidigte aber mit Zähnen, Klauen und einem überragenden Torwart Dagfinn Kjeldsen, der in der 70. Minute einen Schuss von Malfoy aus fünf Metern irgendwie an den Pfosten lenkte. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball meinen Handschuh trifft. Hat er", meinte Kjeldsen nach der Partie trocken. Die Zeit lief den Blues davon, doch sie blieben unermüdlich. Barend Veeder, der Linksaußen mit der Frisur eines 80er-Rockstars, scheiterte mehrfach knapp - bis zur 87. Minute. Nach einer Ecke verlängerte der 18-jährige Louis Prinsloo, der bis dahin eher durch jugendliche Übermotivation (und eine späte Gelbe Karte in der 95.) aufgefallen war, den Ball mit dem Kopf, und Veeder vollendete zum 2:2. Der Jubel bei den Blues war grenzenlos, während die Huskies sich gegenseitig fragend ansahen, als hätten sie gerade ein offenes Geheimnis verpasst. "Wir müssen lernen, Spiele zuzumachen", brummte Resch, "nicht nur den Bus zu parken, sondern auch den Schlüssel zu behalten." Statistisch gesehen war das Remis fast gerecht: 50,2 Prozent Ballbesitz für Halifax, 49,8 für Quebec - also die Art von Gleichgewicht, die Trainer in Pressekonferenzen mit "ausgeglichenem Spielverlauf" beschreiben, obwohl alle wissen, dass die Blues deutlich gefährlicher waren. Ihre 17 Abschlüsse gegenüber sieben der Hausherren sprechen Bände. Die Schlussphase hatte noch ein paar gelbe Farbtupfer zu bieten: Musgrave, Prinsloo und Wiese holten sich Verwarnungen ab - offenbar das Ergebnis von Lindemanns Anweisung, "mehr Biss zu zeigen". "Die Jungs haben mich wörtlich genommen", seufzte der Coach. Am Ende fühlte sich das 2:2 für Halifax wie eine Niederlage an und für Quebec fast wie ein Sieg. Die Huskies bleiben defensiv stabil, aber zu zahm im Abschluss, während die Blues bewiesen, dass Beharrlichkeit belohnt wird - auch wenn sie dafür 87 Minuten lang gegen eine Wand rennen mussten. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Fan nach dem Abpfiff gerufen haben: "Wenn die Blues so weitermachen, nennt man sie bald die Comeback-Kings!" - worauf sein Sitznachbar trocken erwiderte: "Oder die Spätzünder von Quebec." So oder so: Ein Abend mit Drama, Emotion und einer gerechten Punkteteilung. Und das in der 1. Liga Kanada - wo selbst ein 2:2 mehr Spannung bietet als so mancher Actionfilm im Fernsehen. 16.01.643991 16:12 |
Sprücheklopfer
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Oliver Kahn