Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Guayana feiert Fußballfest - Marcel schießt Caracas aus dem Stadion

Wenn 36.000 Menschen im Stadion "La Mina" gleichzeitig jubeln, wackeln in Ciudad Guayana nicht nur die Sitze, sondern wahrscheinlich auch die umliegenden Hochhäuser. CD Guayana zerlegte am 29. Spieltag der 1. Liga Venezuela den völlig überforderten Hauptstadtklub Real Caracas mit 5:0 - ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher nach dem fünften Treffer kurz zögerte, ob er das wirklich laut sagen dürfe.

Schon in der siebten Minute brach Matthias Ingels den Bann. Sein Linksschuss nach feiner Vorarbeit von Nikifor Sytschow schlug so satt ein, dass Real-Keeper Helmut Ackermann nur noch resigniert hinterhersah. "Ich hab den Ball noch pfeifen hören, aber sehen? Keine Chance", gab der Torwart später mit einem gequälten Lächeln zu.

Guayana spielte da bereits, als wären sie auf Speed - 21 Torschüsse im gesamten Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Real Caracas brachte es auf fünf kümmerliche Versuche, von denen keiner sonderlich gefährlich war. Claude Marcel, der quirlige Rechtsaußen der Gastgeber, war an diesem Abend schlicht nicht zu fassen. In der 30. Minute erhöhte er eiskalt auf 2:0, und wer glaubte, das sei schon die Entscheidung, wurde in der zweiten Halbzeit eines Besseren belehrt.

Denn Marcel hatte noch lange nicht genug. Kurz nach Wiederanpfiff (51.) verwertete er einen butterweichen Pass von Ingels volley, als hätte er nie etwas anderes getan. "Ich hab ihm gesagt: Spiel ihn einfach, ich bin da", lachte Marcel nach dem Spiel, während er noch immer ein halbes Grinsen nicht aus dem Gesicht bekam.

Und weil man gute Geschichten bekanntlich nicht unvollendet lässt, legte Didier Scharboneau in der 54. Minute das 4:0 nach, vorbereitet von Dominique Couture. Ein Angriff über links, so schnörkellos wie ein Schlag mit dem Vorschlaghammer: Couture rennt, flankt, Scharboneau trifft - fertig. Das Publikum tobte, und Trainer Eiko Henke von Real Caracas verschränkte die Arme, als wolle er sich selbst davon abhalten, das Spielfeld zu betreten.

"Wir hatten uns viel vorgenommen", murmelte Henke später auf der Pressekonferenz in den Bart, den er gar nicht hat. "Aber nach dem 3:0 war klar: Heute wird das nix. Wir hätten auch zu elft auf der Torlinie stehen können, das Ding wäre trotzdem reingegangen."

Das fünfte Tor war dann wieder Marcel vorbehalten, der in der 67. Minute seinen Hattrick komplettierte - erneut mit Vorarbeit von Ingels, der offenbar beschlossen hatte, dass ein Spiel ohne Torbeteiligung langweilig ist. 5:0, und noch immer drängte Guayana nach vorn, als ginge es um die Meisterschaftsentscheidung.

Statistisch gesehen war der Abend ein Lehrbuchbeispiel für Dominanz: 59,5 Prozent Ballbesitz, fast 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu eine Passquote, die jedem Datenanalysten Tränen der Rührung in die Augen treiben würde. Real Caracas dagegen wirkte, als hätte man die Spieler kurz vor dem Anpfiff aus der Busstation gezogen. Der 17-jährige Rafael Leao durfte immerhin 67 Minuten mitspielen, wurde dann aber durch Tiago Bauza ersetzt - ein Wechsel, der ungefähr so viel bewirkte wie ein Regenschirm in einem Orkan.

In der 19. Minute sah Guayanas Daniel Breze Gelb für ein etwas übermotiviertes Einsteigen - "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", grinste der Mittelfeldmann danach. Auf der Gegenseite kassierte Ferenc Soos (26.) ebenfalls Gelb, vermutlich aus Sympathie.

Torwart Enzo Di Matteo im Guayana-Kasten hatte einen ruhigen Abend. "Ich hab mir in der 60. Minute einen Kaffee bringen lassen", witzelte er nach der Partie. Glauben würde man es ihm.

Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Fans längst auf den Sitzen. Die Spieler von CD Guayana tanzten vor der Kurve, während Real Caracas sich in Richtung Kabine schlich - manch einer mit dem Blick eines Mannes, der gerade erfahren hat, dass sein Lieblingsrestaurant geschlossen hat.

"Das war ein Statement", sagte Guayanas Trainer - dessen Name geheimnisvollerweise nirgends notiert wurde, aber seine Miene sprach Bände. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können, nicht nur bolzen. Und Claude hat das heute eindrucksvoll bewiesen."

Ein Spiel, das in Ciudad Guayana noch lange Gesprächsstoff bieten wird: fünf Tore, drei Torschützen, null Zweifel. Und wer Claude Marcel in dieser Form gesehen hat, wird sich fragen, ob Real Caracas ihm vielleicht besser den Rückweg nach Caracas bezahlen sollte - mit einem Dankeschön-Zettel.

Oder, um es mit den Worten eines euphorischen Fans zu sagen, der nach Abpfiff über die Bande brüllte: "Mehr Marcel, weniger Mitleid!" Das fasst den Abend wohl perfekt zusammen.

22.08.643993 04:31
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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