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20.000 Zuschauer im Estadio de Barquisimeto sahen an diesem Sonntagabend ein Pokalhalbfinale, das alles hatte: frühes Aufbäumen, jugendliche Frechheit, ein Eigentor des Schicksals und am Ende das leise Klirren zerplatzter Träume. Guaro Larense führte früh, jubelte laut - und stand nach 90 Minuten trotzdem mit leeren Händen da. CD Guayana gewann 2:1 und zieht verdient ins Pokalfinale ein. Schon in der 5. Minute bebte die Tribüne, als Amaury Baiao - der Mann mit dem linken Fuß wie eine Schleuder - nach feiner Vorarbeit von Rui Gonzalo das 1:0 für Larense erzielte. "Ich hab den Ball nur gesehen und gedacht: jetzt oder nie", grinste Baiao später, noch halb im Rausch. Es war ein Start wie aus dem Lehrbuch, mit Tempo, Präzision und einem Hauch Übermut. Kurz darauf hätte Xavi Galindo fast nachgelegt, scheiterte aber am glänzend reagierenden Guayana-Keeper Björn Nygaard. Doch Guayana ließ sich vom frühen Rückschlag nicht beirren. Trainer Ortega - in seiner stoischen Ruhe fast unheimlich - blieb sitzen, während seine Mannschaft langsam die Kontrolle übernahm. 56 Prozent Ballbesitz, mehr Struktur, mehr Geduld. "Wir wussten, dass sie sich austoben würden. Dann kommt unser Moment", sagte Ortega nach dem Spiel mit einem Lächeln, das zwischen Gelassenheit und Genugtuung schwankte. Der Moment kam in der 41. Minute - und er hatte ein Babyface. Christian Eriksen, gerade einmal 17 Jahre alt, nahm einen Pass von Duarte Ramiro auf, ließ mit einem frechen Haken zwei Verteidiger stehen und schob eiskalt zum 1:1 ein. Das Stadion verstummte, nur die 500 mitgereisten Guayana-Fans jubelten schrill gegen den Abendhimmel. "Ich dachte nicht nach. Ich hab einfach geschossen", erklärte der Teenager später in noch etwas brüchigem Spanisch. Mit diesem Ausgleich war das Spiel gekippt. Larense verlor an Struktur, wirkte nervös, als hätte jemand den Stecker gezogen. Die Statistik sprach Bände: 16:6 Torschüsse für Guayana, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein deutlicheres Kräfteverhältnis als das Ergebnis vermuten lässt. Nach der Pause versuchte Larense-Trainer Mendoza (der beim Stand von 1:1 schon leicht gequält an seiner Wasserflasche kaute), die Mannschaft wachzurütteln. Seine Worte in der Kabine? "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen Fußball spielen. Leider haben sie mich zu wörtlich genommen." Denn Guayana spielte, Larense rannte. Besonders auffällig: Nikifor Sytschow, der zentrale Mittelfeldmann der Gäste, zog die Fäden mit kühler Präzision. In der 80. Minute setzte er Linksverteidiger Ricardo Yanez in Szene, der aus vollem Lauf abzog - 1:2. Der Ball schlug unhaltbar ein, die Bank der Gäste explodierte. Yanez, sonst eher der stille Arbeiter, brüllte seinen Jubel in den Abend: "Für meine Tochter! Und weil ich sonst nie treffe!" Larense versuchte in den letzten Minuten alles, was man so unter "Alles oder nichts" zusammenfasst. Baiao prüfte Nygaard noch einmal, Figo drosch aus 20 Metern vorbei, und in der 93. Minute musste Rui Gonzalo verletzt raus - Symbolbild eines Abends, an dem die Kräfte, die Ideen und schließlich auch das Glück versiegten. "Wir haben gekämpft, aber Guayana war cleverer", sagte Kapitän Ramon Jorge mit einem Seufzer, der in der Umkleide fast lauter klang als der Applaus der Sieger. "Manchmal spielt man gut und verliert trotzdem. Das ist Fußball - und manchmal auch Folter." Guayana hingegen darf träumen. Der Pokal winkt, und Trainer Ortega sagte trocken: "Wir sind noch nicht am Ziel. Aber der Bus ins Finale ist schon vollgetankt." Für Guaro Larense bleibt nur der Trost, dass sie in den ersten Minuten gezeigt haben, dass sie durchaus mehr können als nur schön anlaufen. Doch am Ende stand ein Gegner auf dem Platz, der den Ball laufen ließ, während Larense hinterherlief. Ein sarkastischer Zuschauer kommentierte beim Rausgehen: "Immerhin haben sie geführt. Das ist ja auch schon mal was." Und tatsächlich - ein kurzer Moment des Glücks, ehe die Realität wieder Einzug hielt. Guayana zieht ins Finale ein, mit jugendlicher Unbekümmertheit und erwachsener Reife. Larense bleibt der bittere Geschmack des Verpasst-Habens. Und irgendwo auf der Tribüne summt noch einer leise: "Hätten sie doch einfach weitergespielt wie in der fünften Minute …" Ein Halbfinale, das man nicht so schnell vergisst - zumindest, wenn man Guayana-Fan ist. 22.08.643993 04:32 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer