Diarios de Futbol
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Guacamayo Azogues dreht das Spiel - Südamerikanisches Drama mit Happy End

Ein lauer Abend in Azogues, 47.795 Zuschauer, das Stadion bebt - und niemand konnte ahnen, dass sie Zeuge eines kleinen Fußballwunders werden würden. In der Copa-Libertadores-Qualifikation empfing Guacamayo Azogues die Gäste von Real Caracas. Am Ende stand ein 3:2, das so schmeckte wie ein doppelter Espresso nach einer langen Nacht: stark, bitter, aber am Ende belebend.

Dabei sah es zunächst ganz anders aus. Schon nach einer Viertelstunde legten die Venezolaner los wie ein tropischer Sturm. Francisco Gallardo - ein Name, den sich die Fans von Azogues wohl noch ein Weilchen merken werden - traf in der 15. Minute nach feinem Zuspiel von Xavi Eusebio. "Ich hab den Ball nur gestreichelt", grinste Gallardo später in die Kameras, "der Rest war Physik."

Kurz darauf, in der 25. Minute, kam die Antwort der Hausherren. Duarte Fernandes, der flinke Linke im Sturm, verwandelte eine Vorlage von Silvestre Lope in pure Begeisterung. Der Jubel dauerte allerdings kaum länger als ein Panflöten-Solo auf dem Marktplatz, denn keine 60 Sekunden später schlug Gallardo schon wieder zu - diesmal nach Vorarbeit von Julian de Almeida. 1:2, und Trainer Karsten Rieger schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, als hätte ihm jemand erzählt, Mate-Tee sei plötzlich verboten.

"In der Pause hab ich den Jungs gesagt: Wir sind keine Touristen hier", verriet Rieger später mit einem Schmunzeln. Was auch immer er sonst noch gesagt hat - es wirkte. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, war es Jose Travassos, der nach einer butterweichen Flanke von Zoran Dukic den Ball über die Linie drückte. 2:2, und das Stadion kochte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte Travassos, "und gehofft, dass mich keiner erwischt."

Von da an dominierte Guacamayo Azogues das Geschehen. 58,9 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - ein klares Zeichen, wer den Rhythmus bestimmte. Real Caracas wirkte müde, fast schläfrig, als wäre der Höhenunterschied zu viel des Guten. Trainer Eiko Henke brüllte sich heiser, wechselte fleißig - Peyroteo für Barros, Celine für Silvestre, später Gebhardt für Lenentine - aber die erhoffte Stabilität blieb aus.

In der 75. Minute fiel dann das Tor des Abends. Bernardo Villar setzte sich auf links durch, tanzte die Verteidigung schwindelig und legte quer auf Pal Titkos. Der ungarische Stürmer, sonst eher bekannt für seine diskreten Auftritte, drosch den Ball ins Netz, als wolle er alle Zweifel persönlich erschlagen. 3:2 - die Vollendung einer furiosen Aufholjagd.

"So ein Spiel gewinnst du nicht mit Taktik", meinte Rieger später trocken. "Das war reiner Trotz." Tatsächlich blieb seine Mannschaft über 90 Minuten offensiv ausgerichtet, ohne Pressing, aber mit viel Herz. Real Caracas dagegen hielt lange an seiner ausgewogenen Linie fest - was in diesem Fall bedeutete, dass sie weder Fisch noch Fleisch waren.

Die Schlussphase hatte noch ein paar gelbe Farbtupfer zu bieten: Daniel Gebhardt sah in der 91. Minute Gelb, wohl mehr aus Verzweiflung, und kurz darauf auch Alberto Vidigal auf Seiten der Gastgeber, der offenbar fand, dass ein Sieg ohne Karte kein echter sei.

Nach Abpfiff sprach Gallardo, zweifacher Torschütze und tragischer Held, mit gesenktem Kopf: "Wir haben gut angefangen, aber Fußball dauert leider länger als 25 Minuten." Sein Trainer Henke nickte nur und fügte hinzu: "Manchmal ist der Ball einfach ein Verräter."

Währenddessen feierte Azogues, als hätte man schon die Gruppenphase gewonnen. Fans tanzten auf den Rängen, Kinder imitierteten Travassos’ Jubelpose, und Fernandes wurde beinahe auf den Schultern aus dem Stadion getragen.

Die Statistik unterstreicht, was das Auge ohnehin sah: Guacamayo Azogues war die aktivere, mutigere Mannschaft. 16 Schüsse aufs Tor gegenüber 10, mehr Ballbesitz, besseres Zweikampfverhalten - 52,2 Prozent gewonnene Duelle sprechen eine klare Sprache.

"Wir wollten zeigen, dass Azogues nicht nur für Kaffee und Vulkane steht", sagte Rieger zum Abschluss und lachte. "Ab heute steht’s auch für Comebacks."

So endete ein Abend voller Dramatik, Leidenschaft und südamerikanischer Theatralik. Real Caracas reist enttäuscht ab, Guacamayo Azogues dagegen darf weiter träumen - und das Publikum wird noch lange erzählen, wie ein kleiner Klub aus Ecuador ein großes Herz zeigte.

Ein Reporter-Kollege fasste es später treffend zusammen: "Das war kein Spiel - das war eine Telenovela mit Ball." Und ganz ehrlich: Wer will da widersprechen?

29.05.643990 18:22
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