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Grün-Weiß Wien siegt trotz Waidhofener Sturmlauf - 3:2 nach turbulenter Partie

Es war ein Abend, an dem man in Waidhofen wahrscheinlich noch lange über das Wort "Effizienz" sprechen wird - allerdings mit leicht verbittertem Unterton. 40.000 Zuschauer sahen im heimischen Stadion ein Spiel, das alles bot: Tempo, Tore, Karten und eine Prise Chaos. Am Ende jubelte aber Grün-Weiß Wien, das sich mit einem 3:2-Auswärtssieg knapp, aber clever durchsetzte.

Von Beginn an legte der SV Waidhofen los, als wolle er die Gäste aus der Hauptstadt einfach überrollen. Bereits in den ersten zehn Minuten feuerten die Heimischen vier Schüsse auf das Tor von Janis Herzog ab, doch der junge Wiener Keeper wehrte alles ab, was auf ihn zuflog. "Ich dachte, die hören nie auf zu schießen", grinste Herzog später, "aber wenn man einmal die Handschuhe warm hat, läuft’s."

Während Waidhofen das Spiel kontrollierte - 58 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache - wartete Grün-Weiß Wien geduldig auf den einen Moment. Und der kam in der 38. Minute: Nach einem langen Ball von Verteidiger Sven Noll tauchte Jörg Moser auf der rechten Seite auf, zog ab - und traf eiskalt zum 0:1. Waidhofens Keeper Rui Costinha streckte sich vergeblich. Nur sechs Minuten später dann der nächste Schock für die Heimfans: Wieder Noll als Passgeber, diesmal für Innenverteidiger Stefan Krämer, der sich bei einer Ecke nach vorn geschlichen hatte und per Kopf zum 0:2 traf. Trainerin Brigitte Temmel schlug entnervt die Hände über dem Kopf zusammen. "Wir spielen 40 Minuten Fußball aus dem Lehrbuch - und liegen 0:2 hinten. Das ist fast schon Kunst", fluchte sie später halb lachend, halb resigniert.

Doch Waidhofen wäre nicht Waidhofen, wenn es einfach aufgeben würde. Direkt nach der Pause, in der 47. Minute, brachte Vincent Sogaard das Stadion wieder zum Beben. Sein Treffer nach Zuspiel von Rechtsverteidiger Nael Sousa war die Belohnung für anhaltenden Druck. Und nur sieben Minuten später schlug Joshua Carsley nach einer Vorlage von Duarte Castano eiskalt zu - 2:2. Das Spiel stand plötzlich Kopf.

"In dem Moment dachte ich, wir drehen das komplett", gab Carsley später zu. "Aber dann … naja, Fußball halt."

Denn Grün-Weiß Wien blieb ruhig. Coach Flo Ho, ein Mann, der offenbar selbst in einem brennenden Stadion noch gelassen Tee trinken würde, reagierte taktisch klug: Er brachte in der 57. Minute den frischen Oliver Schütz für Oskar Westphal - und genau dieser Schütz wurde in der 79. Minute zum Matchwinner. Nach einem präzisen Pass von Lukas Zimmermann zog er von links in den Strafraum und traf zum 3:2 für die Gäste.

Da war das Stadion plötzlich still - abgesehen von den 300 mitgereisten Wiener Fans, die ausgiebig feierten. Waidhofen versuchte in der Schlussphase alles, doch es war wie verhext. Stefano Arcella prüfte Herzog in der 89. Minute noch einmal, und Carsley schoss in der Nachspielzeit knapp vorbei. Statt Ausgleich gab’s aber noch eine Gelb-Rote Karte: Enrique Fontàs, zuvor schon verwarnt, rauschte in der 81. Minute wild in einen Zweikampf - das war’s für ihn.

"Ich wollte nur den Ball treffen", sagte Fontàs nach dem Spiel, "aber der Ball war leider schon weg."

Grün-Weiß verteidigte die knappe Führung routiniert, obwohl die Kräfte sichtbar schwanden. Ihr Spiel war nie schön, aber effektiv. Nur sieben Torschüsse, davon drei drin - das nennt man kaltschnäuzig. Waidhofen dagegen schoss 14-mal aufs Tor, hatte mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe, mehr Herz - aber eben weniger Tore.

"Wir haben das Spiel eigentlich in der ersten Halbzeit verloren", analysierte Temmel nüchtern. "Zwei Unaufmerksamkeiten, und du läufst hinterher. Wir haben dann alles probiert, aber Grün-Weiß war heute einfach cleverer." Ihr Gegenüber Flo Ho konterte trocken: "Wir wussten, dass Waidhofen viel spielt - also haben wir einfach Tore gemacht."

Nach dem Abpfiff applaudierten die Fans trotzdem. Es war eines jener Spiele, bei denen man sich fragt, warum man Fußball eigentlich so liebt - und dann fällt einem ein: wegen genau solcher Abende.

Vielleicht tröstet das die Waidhofener ein wenig. Und wenn nicht, dann bleibt wenigstens die Erkenntnis: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner.

22.02.643987 19:38
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