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Grün-Weiß Wien siegt in Innsbruck - und verliert trotzdem die Nerven

Wenn ein Innenverteidiger das Toreschießen übernimmt, darf man ahnen, dass der Abend ein besonderer wird. Grün-Weiß Wiens Stefan Krämer verwandelte die 32. Minute in eine Art Lehrfilm für Effizienz: Nach einem scharf getretenen Freistoß von Heinz Wimmer stieg der 22-Jährige höher als alle Innsbrucker Verteidiger und köpfte zum 0:1 ein. Und das war erst der Anfang eines Abends, der für die Tiroler so frostig endete wie der Januarwind über dem Tivoli-Stadion. Am Ende stand ein deutliches 1:3 - und ein Wiener Platzverweis, der das Spiel mit einer Mischung aus Dramatik und Slapstick beschloss.

Vor 28.584 Zuschauern hatte der FC Innsbruck zunächst alles richtig gemacht: viel Ballbesitz (54 Prozent), frühes Pressing, engagierte Zweikämpfe. Trainer Hartmut Velden ließ offensiv beginnen und forderte lautstark: "Hoch stehen, mutig bleiben!" Doch mutig war an diesem Abend vor allem der Gegner. Wien lauerte auf Konter, spielte kompromisslos - und traf.

Das 0:2 fiel in der 41. Minute, als Gustav Roth, der bullige Mittelstürmer, nach einer Verlängerung von Krämer aus kurzer Distanz einschob. Innsbrucks Torwart Philippe Heine streckte sich vergeblich, während Roth jubelnd in Richtung Gästeblock rutschte. "Ich hab einfach nur den Fuß hingehalten", grinste Roth später. "Aber das reicht ja manchmal, wenn man den richtigen Schuh trägt."

Nach dem Seitenwechsel bäumte sich Innsbruck auf. Christopher Carter, der Routinier auf der linken Seite, rannte, grätschte, gestikulierte - und hatte in der 59. Minute endlich Erfolg. Nach feinem Zuspiel von ihm traf Yves Beaumanoir zum Anschluss. Das Stadion tobte, Velden ballte die Faust, und selbst der Stadionsprecher klang plötzlich zwei Dezibel lauter. "Da war wieder Leben in der Bude", meinte Beaumanoir hinterher. "Leider nur kurz."

Denn Wien blieb eiskalt. Zehn Minuten später stellte Andreas Böhme den alten Abstand wieder her. Eine butterweiche Flanke von Roth segelte in den Strafraum, und Böhme versenkte den Ball technisch sauber per Direktabnahme - 1:3. Innsbrucks Abwehr schaute dabei eher zu als zu.

Dass Wien nicht völlig makellos blieb, lag an der 86. Minute: Krämer, der Held der ersten Halbzeit, verwandelte sich in den Bösewicht. Nach einem rustikalen Einsteigen gegen Beaumanoir zückte Schiedsrichter Gruber konsequent Rot. "Ich habe nur den Ball gespielt", beteuerte Krämer nach dem Abpfiff - eine Aussage, die selbst seine Mitspieler mit hochgezogenen Augenbrauen quittierten. Trainer Flo Ho blieb gelassen: "Stefan ist jung, heißblütig - und manchmal eben heißer als blütig."

Das Spiel endete mit Gelb für Innsbrucks Jörg Wiese, einer Verletzung von Wiens Richard Lemke und einer kollektiven Erkenntnis: Wer seine Chancen nicht nutzt, verliert auch bei 54 Prozent Ballbesitz. Neun Torschüsse pro Team standen am Ende in der Statistik, doch die Wiener trafen einfach öfter und präziser.

Velden wirkte nachdenklich. "Wir haben gut begonnen, aber uns selbst geschlagen", sagte er. "Die Jungs wollten zu viel durch die Mitte. Vielleicht hätten wir mehr über die Flügel gehen sollen - oder einfach das Tor etwas verschieben lassen."

Sein Gegenüber Ho nahm es mit Humor. "Wir waren heute klinisch effektiv - so effektiv, dass selbst unser Innenverteidiger zum Stürmer wurde." Dann lachte er, drehte sich um und rief Richtung Kabine: "Und Stefan, nächstes Mal bitte ohne Rot!"

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - Innsbruck für den Einsatz, Wien für die Cleverness. Und irgendwo im Wind über dem Tivoli blieb vielleicht eine kleine Hoffnung hängen: Dass der FC Innsbruck bald lernt, wie man Ballbesitz in Punkte verwandelt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen brummte: "Die können den Ball halten, aber nicht das Ergebnis." Treffender lässt sich dieser 6. Spieltag der 1. Liga Österreich wohl kaum zusammenfassen.

27.03.643987 12:12
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Rainer Calmund
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