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Greifswald, 4. Januar 2026 - Der Wind vom Bodden wehte eisig durchs ausverkaufte Stadion, doch das hinderte die 40.587 Zuschauer nicht daran, sich die Hände wundzuklatschen. Und sie sollten es nicht bereuen: Der Greifswalder SV gewann am 4. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit 2:1 gegen Holstein Kiel - ein Spiel, das von der ersten Minute an auf Betriebstemperatur war. Wer zu spät kam, hatte Pech. Genau sechzig Sekunden waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz der Kieler. Linksverteidiger Olav Baum, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse bekannt, zog nach einem feinen Zuspiel von Innenverteidiger Hugo Butragueno einfach mal ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Baum hinterher. "Aber dann dachte ich mir: Ach, gucken wir mal, was passiert." Was passierte, war die frühe Führung und ein kollektiver Freudenschrei, der die Ostsee kurzzeitig in Wallung brachte. Kiel, von Trainer Jason Voorhees (ja, der Name sorgt bei jedem Auswärtsspiel für ein Raunen auf der Pressetribüne) betreut, zeigte sich unbeeindruckt. Zehn Minuten später antwortete der bullige Vincent Makukula mit einem wuchtigen Schuss zum 1:1. Vorausgegangen war eine butterweiche Flanke von Claudios Voores, der auf der rechten Seite mehr Kilometer abspulte als ein Marathonläufer. "Wir wollten sofort reagieren", erklärte Voorhees später. "Das hat ja auch geklappt - nur leider nicht lange genug." Denn Greifswald legte nach. In der 26. Minute war es der junge Rechtsaußen Jonas Lemke, der sich nach einem beherzten Antritt durchsetzte und trocken ins lange Eck abschloss - Vorlage diesmal von Innenverteidiger Sam Daens, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich die Defensive organisieren sollte. Das 2:1 war nicht nur verdient, sondern auch ein Schlag in die norddeutsche Selbstwahrnehmung. Kiel hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent) und sogar einen Torschuss mehr (12:11), aber Greifswald spielte mit Herz, Biss und einer erstaunlichen Portion Unbekümmertheit. "Wir wissen, dass wir nicht jeden Ball dreimal querlegen können", sagte Trainer Jan Pehnert nach Abpfiff. "Manchmal hilft’s einfach, draufzuhalten - und Baum hat das heute gleich wörtlich genommen." In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Mario Alves prüfte Greifswalds Keeper Anders Sundström mehrfach, doch der Schwede im Tor zeigte Reflexe, die an kalte Fjorde erinnerten: eiskalt und unbeweglich - bis der Ball kam. Dann war er plötzlich überall. "Anders hat uns heute das Spiel gerettet", meinte Lemke später, der nach 70 Minuten erschöpft, aber glücklich ausgewechselt wurde. Pehnert brachte frisches Blut: Der 19-jährige Sebastian Brandt ersetzte den erfahrenen Joaquin Muno und durfte sich über sein Bundesligadebüt freuen. "Ich hab vorher kaum geschlafen", gab Brandt zu. "Aber als der Trainer sagte ’Du bist drin’, war alles weg - außer mein Puls." Kiel drückte in der Schlussphase, versuchte es mit langen Bällen und verzweifelten Distanzschüssen. In der 87. Minute rauschte Voores’ Versuch nur Zentimeter über die Latte, und in der Nachspielzeit zirkelte Vitor Gallardo den Ball haarscharf am Pfosten vorbei. Das Publikum hielt den Atem an, ehe der Schlusspfiff die Erlösung brachte. "Das war nichts für schwache Nerven", lachte Pehnert, während Voorhees neben ihm mit stoischer Miene in seinen Notizblock starrte. "Wir hätten mehr draus machen müssen", murmelte der Kieler Coach, "aber manchmal gewinnt eben der, der zuerst schießt - und trifft." Am Ende stand ein 2:1, das Greifswald in der Tabelle nach oben klettern lässt und den Fans einen kalten, aber glühend schönen Abend bescherte. Zwischen Glühweinbechern und Gesängen verließen die Zuschauer das Stadion, und irgendwo in der Dunkelheit des Nordostens hörte man noch einen Fan rufen: "Baum for Kanzler!" Ein leicht übermütiger Vorschlag vielleicht - aber nach so einem Abend durfte man in Greifswald ruhig ein bisschen träumen. 05.03.643987 14:26 |
Sprücheklopfer
2 bis 3 Prozent.
Stefan Effenberg auf die Frage, wieviel Prozent seiner Leistungsfähigkeit er nach einer langen Verletzungspause schon abrufen könne