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Greifswald ringt Norderstedt nieder - ein Arbeitssieg mit Adrenalin

Wenn 42.276 Zuschauer an einem frostigen Januarabend im Greifswalder Stadion bibbern, dann muss es sich um ein Spiel handeln, bei dem Herzblut wichtiger ist als Ballbesitzstatistik. Und tatsächlich: Der Greifswalder SV gewann am 23. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit 1:0 gegen den SC Norderstedt - ein Ergebnis, das nüchtern aussieht, aber eine ganze Geschichte aus Schweiß, Zufall und Zähigkeit erzählt.

Jan Pehnerts Mannschaft spielte von Anfang an so, als hätte man ihnen vor dem Anpfiff eingeschärft: "Nur keine Fehler, Jungs!" - und sie hielten sich brav daran. Defensiv, diszipliniert, kontrolliert. Währenddessen ließ sich Norderstedt-Coach André Marsmann auf der anderen Seite nicht lumpen und schickte seine Elf in den Angriffsmodus: offensiv, mutig, manchmal fast übermütig. 12 Torschüsse verbuchten die Gäste - doch das Runde wollte partout nicht ins Eckige.

Schon früh, in der 9. Minute, sah Hans Vanderveer Gelb, weil er wohl dachte, "ein bisschen Körperkontakt schadet nie". Kurz darauf verletzte sich Lewis Bancroft, der Zielspieler im Sturmzentrum, nach einem unglücklichen Zweikampf. "Ich habe den Rasen härter getroffen als den Ball", murmelte er später mit einem gequälten Lächeln in der Mixed Zone. Marsmann reagierte sofort und brachte Jonas Moser - ein Wechsel, der zwar Stabilität, aber keine Tore brachte.

Greifswald dagegen lauerte. Pehnerts Defensivplan glich einem Schachspiel mit zehn Bauern und einem Torwart. "Wir wollten Norderstedt kommen lassen, dann zustechen", erklärte der Trainer nach dem Spiel, während er sich mit einem Becher Tee die Hände wärmte. Lange sah es allerdings so aus, als würde das Stechen ausbleiben. Bis zur 65. Minute.

Da fasste sich Didier Lithgow, der zentrale Mittelfeldmann mit dem eleganten Vorwärtsdrang, ein Herz - oder vielleicht einfach den Ball - und zog aus gut 20 Metern ab. Sein Schuss, abgefälscht, tanzte durch die Luft, während die Zeit kurz stillzustehen schien. Torwart Joel Eckert streckte sich vergeblich. 1:0. Der Jubel in Greifswald war so laut, dass man ihn vermutlich bis zur Ostsee hörte. Brandon Hoskins, der die Vorlage gegeben hatte, grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht."

Norderstedt reagierte mit einem Sturmlauf, der an verzweifelte Tapferkeit erinnerte. Marius Jacobsen prüfte den jungen Greifswalder Keeper Carl Jacobs gleich zweimal, und Joschua Schmitz schoss in der 91. und 96. Minute, als wollte er die Gesetze der Wahrscheinlichkeit überlisten. Doch Jacobs hielt, als sei er ein 18-jähriger Oktopus mit Reflexen aus purem Koffein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich trifft", gab der Torwart später lachend zu.

In der 92. Minute endete Norderstedts letzter Hoffnungsschimmer unschön: Dennis Hübner, der zuvor schon Gelb gesehen hatte, rauschte erneut in einen Zweikampf - Gelb-Rot, abmarschiert. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte er sich, "aber der Ball wollte wohl nicht."

Statistisch gesehen hätte Norderstedt den Sieg verdient gehabt: mehr Schüsse, leicht mehr Ballbesitz (50,5 % zu 49,5 %), mehr Einsatz in den Zweikämpfen. Aber Fußball ist kein Excel-Dokument. Greifswald spielte clever, lauerte auf den einen Moment - und bekam ihn.

Nach dem Abpfiff wirkte Marsmann erstaunlich gefasst. "Wir haben alles versucht, aber manchmal gewinnt eben der, der weniger macht - nur das eine Mal richtig", sagte er mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Frust und Galgenhumor pendelte. Pehnert hingegen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: "Wir wollten ein dreckiges 1:0. Und das war’s. Dreckig, aber schön."

So blieb den Fans in Greifswald ein Abend, an dem sie zwar selten den Ball, aber oft den Atem anhielten. Und dem SC Norderstedt bleibt das bittere Fazit, dass man selbst mit zwölf Torschüssen und zwei gebrochenen Herzen keine Punkte bekommt.

Ein Arbeitssieg also, fast schon oldschool. Einer, der beweist: manchmal reicht ein Moment der Klarheit - oder des Chaos - um ein Spiel zu entscheiden. Und wer weiß, vielleicht wird in Greifswald schon bald ein neues Vereinsmotto herumgereicht: "Schön spielen dürfen die anderen, wir gewinnen lieber."

23.10.643987 16:05
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