Jamaica News Bulletin
+++ Sportzeitung für Jamaica +++

Greenstars verpassen den Anschluss - Falmouth dreht nach der Pause auf

Es war eine dieser Nächte, in denen 65.205 Menschen im Stadion am Hafen von Kingston zwischen Jubel und Fassungslosigkeit pendelten. Der 23. Spieltag der 1. Liga Jamaica bot alles, was das Fußballherz begehrt: Tempo, Taktik, Tränen - und am Ende jubelten die Falmouth Villagers über ein 2:1 bei den Greenstars GSC.

Trainer Ostkurve Berlin - ja, er heißt wirklich so - hatte seine Greenstars offensiv eingestellt, und in der ersten Halbzeit schien der Plan aufzugehen. Schon früh griffen die Gastgeber mutig an, während Falmouths Coach Hermann Tüllinghoff seine Elf auf gefährliche Konter trimmen ließ. Der erste Aufreger kam nach zwei Minuten: Ashton Carter, der linke Verteidiger der Greenstars, sah Gelb, bevor überhaupt jemand richtig im Spiel war. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", kommentierte Carter später trocken.

In der 27. Minute explodierte das Stadion. Julien Prentiss legte aus der Mitte feinfühlig auf Guy Larocque ab, der den Ball mit rechts flach ins lange Eck schob - 1:0! Larocque rannte jubelnd zur Eckfahne, während Trainer Berlin in der Coaching-Zone eine Art rhythmischen Freudentanz aufführte. "Julien hat mich gesehen, bevor ich ihn gesehen habe", grinste Larocque nach Abpfiff. Doch die Greenstars hätten wissen müssen: Gegen Falmouth ist ein 1:0 kein Ruhekissen, eher ein Einladungsschreiben zum Gegenschlag.

Die Villagers, leicht im Ballbesitzvorteil (51 Prozent) und mit insgesamt 16 Torschüssen deutlich aktiver als die Hausherren, kamen nach der Pause mit frischem Wind aus der Kabine. In der 45. Minute hatte Tüllinghoff den erfahrenen Marcio Morte für Mario Zaera gebracht - ein Schachzug, der sich auszahlen sollte. "Ich habe ihm gesagt: Mach das Spiel langsam, aber das Tor bitte schnell", lachte der Coach später, halb im Ernst, halb im Triumph.

Und siehe da: In der 60. Minute schickte Morte den bulligen Finlay Hannigan steil, der sich zwischen zwei Verteidigern hindurchwühlte und trocken zum 1:1 einschob. Der Auswärtstrainer ballte nur kurz die Faust, während sein Gegenüber an der Seitenlinie versteinert wirkte. "Da war der Wurm drin", murmelte Berlin später.

Doch Falmouth hatte noch nicht genug. Nur 14 Minuten später revanchierte sich Hannigan - diesmal als Vorbereiter. Er legte quer auf Morte, der im Rückraum lauerte und den Ball mit all seiner 35-jährigen Erfahrung unter die Latte zimmerte. 2:1, Spiel gedreht. Die Villagers-Fans auf der weitgereisten Osttribüne sangen sich heiser, während die Greenstars plötzlich auf der Suche nach Ideen waren.

Die Gastgeber warfen in der Schlussphase alles nach vorn. In der 85. Minute versuchte René Hartshorn sein Glück mit einem Distanzschuss, kurz darauf prüfte Larocque noch einmal Keeper Ernesto Ferrer - doch der Falmouth-Schlussmann war nicht mehr zu überwinden. In der Nachspielzeit wechselte Berlin gleich dreimal: zwei 19-Jährige, Dominique Landry und Leon Cochran, sowie Ersatztorwart Jay Dunn kamen noch zu ihren Ligadebüts. "Manchmal muss man jungen Spielern zeigen, wie sich eine Niederlage anfühlt", sagte der Coach mit Galgenhumor.

Die Villagers verteidigten ihren Vorsprung mit Routine und einer Prise Zynismus. Hannigan, der Torschütze und Vorlagengeber des Abends, fasste es passend zusammen: "Wir sind nicht schön, aber effektiv - meine Frau sagt das Gleiche über mich."

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 11 Torschüsse der Greenstars, 16 der Villagers, Ballbesitz nahezu pari. Doch die Effizienz kam aus Falmouth, und das war letztlich der Unterschied. "Wir wollten sicher schießen", erklärte Julien Prentiss. "Sie wollten einfach nur schießen." Ein Seitenhieb, der in die Kabine des Gegners noch nachhallte.

Nach Schlusspfiff applaudierte das Publikum trotzdem beiden Teams. Die Greenstars hatten geliefert, was sie konnten - und ein Stück weit auch, was sie nicht sollten: defensive Nachlässigkeiten und verlorene Zweikämpfe (Tacklingquote nur 49 Prozent). Falmouth hingegen spielte clever, mit langem Passspiel und kontrollierter Aggressivität - genau so, wie Tüllinghoff es liebt.

Der Trainer der Greenstars verschwand ohne Handschlag im Kabinengang, während die Gäste ausgelassen feierten. Auf die Frage, ob er die Hoffnung im Titelrennen aufgebe, antwortete Berlin: "Ich gebe gar nichts auf - außer vielleicht meiner Stimme heute Nacht."

Ein Spiel, das zeigte, wie schnell sich im Fußball alles drehen kann: von grün zu grau, von Hoffnung zu Erkenntnis. Die Villagers reisen mit drei Punkten heim, die Greenstars mit der Erkenntnis, dass Schönheit allein keine Punkte bringt. Und irgendwo in der Falmouth-Kabine summte Marcio Morte leise vor sich hin - vermutlich den Soundtrack eines perfekten Auswärtstages.

12.10.643987 06:07
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager