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Es war alles angerichtet: 79.500 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, Fangesänge und das Finale der Copa Libertadores. Greenstars GSC gegen Diablos Guadalajara - Fußballpoesie zwischen Berliner Beton und mexikanischem Feuer. Am Ende jubelten die Diablos, 3:2 nach Verlängerung, in einem Spiel, das alles hatte: Tore, Drama, Gelbe Karten und einen Trainer, der seinen Spielern "eine kalte Dusche für den Kopf" versprach. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass hier niemand auf Sicherheit spielen wollte. Beide Teams traten offensiv auf, das Pressing lief heiß, und der Ballbesitz wogte hin und her - 52 zu 47 Prozent für die Greenstars, aber das war nur Statistik, kein Trostpflaster. "Wir wollten den Teufel mit Tempo bekämpfen", grinste Heimtrainer Ostkurve Berlin vor dem Spiel, "leider hat er zurückgebissen." In der 19. Minute ging das Stadion in Jubel unter: Guy Larocque, der Rechtsaußen mit dem Antritt eines Sprinters und der Frisur eines Rockstars, traf nach feinem Pass von Didier Hoskins zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Larocque später und zwinkerte. "Manchmal muss man nicht zielen, nur glauben." Doch die Diablos reagierten, als hätten sie eine Abmachung mit dem Höllenfürsten selbst. Nur sechs Minuten später glich Oscar Caneira aus - nach Vorlage des umtriebigen Cesc Carvalho. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: zwei Pässe, ein Schuss, und Greenstars-Torwart Laurent Boulanger konnte nur noch den Kopf schütteln. Aber die Berliner ließen sich nicht beeindrucken. Noch vor der Pause, in der 43. Minute, brachte Julien Prentiss sein Team wieder in Führung. Ein klassischer Mittelstürmer-Treffer: wuchtig, direkt, ohne Schnörkel. 2:1 - und das Stadion tobte. Halbzeit. Bierbecher flogen, Umarmungen, Tränen. Man wähnte sich schon im Fußballhimmel. Nach dem Seitenwechsel allerdings schlich sich Nervosität ein. Henri Monroe musste in der 55. Minute verletzt raus, und die Defensive wirkte fortan wie ein Kartenhaus im Wind. "Das hat uns wehgetan", gab Trainer Berlin später zu. "Henri ist unser Taktgeber hinten, ohne ihn fehlte die Ruhe." Guadalajara witterte Blut. Sie schossen, kombinierten und liefen, als gäbe es kein Morgen - insgesamt 20 Torschüsse, fünf mehr als die Greenstars. Doch Torwart Boulanger hielt, was zu halten war. Bis zur 93. Minute. Da kam Vitorino Butragueno, 30 Jahre alt, mit der Erfahrung eines alten Fuchses, und traf zum 2:2. "Ich hab einfach gespürt, dass der Moment mir gehört", sagte er nach dem Spiel, als hätte er gerade ein Gedicht geschrieben. Verlängerung. Die Greenstars wirkten müde, Guadalajara frischer, gieriger. In der 98. Minute schlug Butragueno erneut zu - diesmal nach schöner Vorarbeit von Christian Kurz. Das 3:2 war wie ein Stich ins Herz der Berliner. Der Rest war verzweifeltes Anrennen, gelbe Karten (Pascal Carter in der 118., Jean-Pierre Jean-Pierre in der 120. Minute) und ein Publikum, das zwischen Hoffnung und Entsetzen schwankte. "Wir haben alles gegeben", keuchte Greenstars-Kapitän Davib Thuringer nach Abpfiff. "Aber vielleicht war der Teufel heute einfach fitter." Trainer Berlin stand daneben, sah ins Leere und murmelte: "So ist Fußball. Manchmal gewinnst du, manchmal fehlt dir ein halber Meter." Auf der anderen Seite tanzten die Diablos, als hätten sie den Pokal erfunden. Trainer Ralf Mr hob den Pokal in den Nachthimmel und sagte in die Mikrofone: "Wir sind gekommen, um Geschichte zu schreiben - und das haben wir getan." Statistisch gesehen war es ein enges Spiel: 52 Prozent Ballbesitz für Greenstars, fast gleich viele Pässe, aber etwas weniger Effizienz. Guadalajara nutzte seine Chancen eiskalt, während die Greenstars in der Verlängerung mehr Herz als Zielwasser fanden. Als das Stadion langsam leer wurde, blieb ein Gefühl von Tragödie mit Beigeschmack von Stolz. Die Greenstars hatten gekämpft, gebrannt, geführt - und am Ende verloren. Aber wer das Spiel gesehen hat, weiß: Das war kein Untergang, das war ein Fußballdrama, wie es Hollywood nicht besser schreiben könnte. Oder, wie Larocque beim Rausgehen sagte, halb lachend, halb weinend: "Wenn man schon vom Teufel geholt wird, dann wenigstens nach Verlängerung." 07.10.643993 14:58 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund