Jamaica News Bulletin
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Greenstars überrollen Harbour View - ein 4:0, das nach mehr schmeckte

Das Flutlicht brannte, die Trommeln dröhnten, und 48.797 Zuschauer im Greenstars-Stadion sahen ein Spektakel, das schon nach einer halben Stunde entschieden war. Greenstars GSC zerlegte Harbour View am 15. Spieltag der 1. Liga Jamaica in alle Einzelteile - 4:0 hieß es am Ende, und das bereits zur Pause. Danach verwalteten die Gastgeber das Resultat so lässig, dass man fast dachte, sie hätten Mitleid.

Trainer Ostkurve Berlin - ja, das ist wirklich sein Name - grinste nach dem Schlusspfiff: "Wir wollten eigentlich ruhig anfangen, aber die Jungs haben mich ignoriert. Zum Glück, muss ich sagen." Sein Team zeigte in den ersten 45 Minuten eine Demonstration des Offensivfußballs. Schon in der 11. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz: Franck Bridges zog von links nach innen und hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Ashton Carter ins lange Eck. Ein Treffer, wie aus dem Lehrbuch für Flügelspieler, nur mit mehr Wucht und weniger Rücksicht auf das Tornetz.

Kaum hatte Harbour View sich sortiert, klingelte es erneut. In der 24. Minute kombinierte sich die rechte Seite der Greenstars durch - Liam Burton sprintete über außen, legte quer, und Thierry Maurice schob überlegt ein. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball war zu schön", gab Maurice hinterher zu. Eine Gelbe Karte für denselben Spieler nur drei Minuten später passte zur wilden Anfangsphase - pure Energie, manchmal auch leicht übermotiviert.

Dann kam Charlie Cochran, der Mittelstürmer mit der Körpersprache eines gelangweilten Genies. In der 34. Minute verwertete er eine butterweiche Vorlage von Maurice zum 3:0. Harbour Views Torhüter Duarte Ze Castro stand da wie ein Mann, der plötzlich merkt, dass er im falschen Film ist. "Ich habe ihn kommen sehen", sagte Ze Castro später, "aber ich wollte erst glauben, dass er wirklich schießt, als der Ball schon drin war."

Drei Minuten danach machte Michel Trottier, gerade einmal 19 Jahre alt, das 4:0 perfekt. Wieder war Burton beteiligt, diesmal mit einem Pass, der eher wie eine Einladung zum Tor wirkte. Trottier nahm dankend an. "Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift ab, so einfach war das", lachte der Youngster später.

Nach 37 Minuten war die Messe gelesen. Der Rest des Spiels war eine Mischung aus Trainingsspiel, Showlauf und gelegentlichem Mitleid. Greenstars schaltete zwei Gänge zurück, behielt aber das Geschehen voll im Griff. 18 Torschüsse standen am Ende zu Buche - Harbour View brachte es auf genau einen. Ja, einen. In der 56. Minute versuchte Joel Lockwood sein Glück aus 20 Metern, aber Greenstars-Keeper Vincent Abbadie pflückte den Ball so locker aus der Luft, dass man dachte, er fange Seifenblasen.

Zur Pause wechselte Ostkurve Berlin gleich doppelt: Rene Hartshorn kam für William Primes, Dominique Landry ersetzte den angeschlagenen Maurice. "Wir wollten das Tempo rausnehmen", erklärte der Coach. "Außerdem - wer 4:0 führt, kann auch mal den Jungen Spielzeit geben."

Harbour Views Trainer blieb wortkarg: "Offensiv wollten wir sein", murmelte er in die Mikrofone, "aber irgendwie war der Ball nie bei uns." Kein Wunder: 52,8 Prozent Ballbesitz für die Greenstars sagen viel, aber nicht alles. Selbst ohne übermäßiges Pressing - laut Statistik spielte Greenstars ohne - erdrückten sie den Gegner durch präzises Passspiel und gnadenlose Zielstrebigkeit.

Die zweite Halbzeit war dann ein Schaulaufen. Jay Dunn durfte ab der 74. Minute ins Tor, ersetzte Abbadie - vermutlich, damit auch er mal einen Ball in der Hand hält. Das gelang ihm nicht: Harbour View schaffte es nicht mehr, auch nur in die Nähe des Strafraums zu kommen. Dafür durfte Franck Bridges in der 85. Minute noch einmal abziehen, knapp vorbei.

Zum Schluss gab’s noch eine Gelbe für Harbour Views Jean-Pierre Gariepy, wohl aus Frust darüber, dass er im ganzen Spiel mehr Kilometer rückwärts als vorwärts gelaufen war.

"Das war heute ein Statement", sagte Greenstars-Coach Berlin beim Abgang in die Katakomben. "Wenn wir so weitermachen, müssen die anderen schon sehr kreativ werden, um uns aufzuhalten."

Tatsächlich wirkte der 4:0-Erfolg wie eine Machtdemonstration - und doch hatte man das Gefühl, die Greenstars hätten jederzeit noch ein, zwei Gänge höher schalten können. Harbour View dagegen wird die Nacht wohl mit dem Albtraum verbringen, wieder und wieder Bridges, Maurice, Cochran und Trottier auf sich zulaufen zu sehen.

Oder, wie ein Fan beim Bierstand nach Abpfiff murmelte: "Wenn das hier ein Boxkampf gewesen wäre, hätte man ihn nach 20 Minuten abgebrochen."

Ein bisschen Mitleid darf man haben. Aber nur ein bisschen.

30.06.643987 02:07
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