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57380 Zuschauer im Greenfield-Dome erlebten an diesem Freitagabend ein Fußballspiel, das in seiner Dramaturgie fast klassisch war: eine zähe erste Halbzeit, ein Doppelschlag nach dem Seitenwechsel - und am Ende ein Heimpublikum, das sich mit leichtem Sonnenbrand vom Jubeln verabschiedete. Greenstars GSC besiegte Kingston TG mit 2:0 (0:0) und machte damit klar, wer in der "1. Liga Jamaica" derzeit die helleren Sterne hat. "Ich hab in der Pause gesagt: Wenn wir schon die ganze Zeit anlaufen, dann darf es wenigstens mal knallen", grinste Greenstars-Trainer Ostkurve Berlin nach dem Schlusspfiff. Und es knallte. Genau zweimal - beide Male dank Jerome Bostwick, der an diesem Abend nicht nur den Ball, sondern auch die Herzen der Fans in seine Richtung zog. Nach 54 Minuten brach der Bann: Davib Thuringer, bis dahin eher als rustikaler Ballverteiler aufgefallen (und kurz zuvor mit Gelb verwarnt), legte mustergültig quer. Bostwick nahm Maß, wuchtete den Ball ins rechte Eck und riss die Arme in die Höhe, als hätte er gerade die Schwerkraft besiegt. "Ich wusste, dass der reingeht", sagte er später mit einem Grinsen, das selbst in der Mixed Zone noch leuchtete. Nur fünf Minuten später das Déjà-vu, diesmal nach Vorlage von Julien Prentiss. Wieder Bostwick, wieder links, wieder drin. Kingston-Torhüter Marcio Figo sah dem Ball hinterher, als würde er einen besonders eleganten Vogel beobachten. "Das war kein Fußball, das war eine Naturgewalt", schnaufte Figo und zuckte mit den Schultern. Dabei hatte Kingston TG statistisch gar nicht so wenig vom Spiel. 52 Prozent Ballbesitz stehen in der Bilanz, dazu fünf Torschüsse - allerdings keiner, der Greenstars-Keeper Laurent Boulanger ernsthaft ins Schwitzen brachte. Der stand nach dem Spiel auffällig trocken da und meinte trocken: "Ich hätte fast angefangen, Kreuzworträtsel zu lösen." Greenstars dagegen ballerten, was das Leder hergab: 20 Torschüsse, zwei Tore, zwei Gelbe Karten - und jede Menge Szenen, bei denen die Tribünen kollektiv aufsprangen. Besonders eindrucksvoll: die beiden Carters, Ashton und Pascal, die hinten dichtmachten, vorne aber regelmäßig mit nachrückten. Ashton sah in der 45. Minute Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Kampfsport ist. Kingston-Coach Zion Marley versuchte nach dem Spiel, die Niederlage philosophisch zu sehen: "Manchmal gehört der Ball einfach dem anderen. Heute hat er sich für Greenstars entschieden." Auf die Frage, ob er mit der Offensivausrichtung seines Teams zufrieden war, antwortete Marley mit einem bitteren Lächeln: "Wir waren offensiv, ja - nur nicht gefährlich." Die Fans der Greenstars feierten Bostwick, als hätte er die Liga im Alleingang gewonnen. Kurz vor Schluss humpelte der Doppeltorschütze leicht vom Platz - eine Verletzung am Bein, die ihn zur Auswechslung zwang. Für ihn kam der junge Michel Trottier, der in der 89. Minute prompt noch einen Schuss abgab, der knapp über die Latte zischte. "Ich wollte zeigen, dass ich auch kann", sagte Trottier und lachte. Trainer Ostkurve Berlin indes nutzte die Gelegenheit für ein wenig Pathos: "Das war heute Teamgeist pur. Wir pressen nicht, wir schwitzen nicht - wir spielen einfach." Ein Satz, der wohl in den nächsten Tagen auf jedem Fan-Banner der Greenstars zu lesen sein wird. Und Kingston? Die Gäste wirkten, als hätten sie ihre Offensivfreude irgendwo am Flughafen vergessen. Yanik Haupt und Henri Leclair mühten sich auf den Flügeln, doch am Ende blieb nur heiße Luft. Ein Schuss von Haupt in der 90. Minute war sinnbildlich: kraftvoll, aber in den Nachthimmel. Fazit: Greenstars GSC war aggressiver, zielstrebiger und einfach wacher. Kingston TG hatte zwar mehr Ball, aber weniger Idee. Die Tackling-Quote spricht Bände - 56 Prozent für die Gastgeber, 44 für die Gäste. "Wir wollten mehr Zweikämpfe gewinnen", sagte Prentiss, "und manchmal reicht das schon." So endete ein Abend, der in die Vereinschronik der Greenstars eingehen dürfte. Zwei Tore, ein überragender Bostwick, ein Trainer mit Humor und ein Publikum, das noch Minuten nach Abpfiff sang. Man könnte sagen: Kingston kam, sah - und wurde überstrahlt. Am Ende blieb nur der Rasen, auf dem die Greenstars tanzten. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Lasst die Sterne leuchten!" - was nach diesem Spiel kaum noch nötig war. 18.07.643993 19:21 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic