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Es war ein lauer Sonntagabend in Kingston, 20 Uhr, Flutlicht, 50.137 Zuschauer im Stadion - und doch fühlte es sich an, als würde das Spiel nie so richtig in Fahrt kommen. Zumindest für die Gastgeber von Kingston TG. Am Ende stand ein nüchternes 0:1 gegen Greenstars GSC auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das den Spielverlauf treffender zusammenfasst, als es den Fans von Trainer Zion Marley lieb sein dürfte. Die Greenstars kamen mit offenem Visier. Schon in der ersten Minute prüfte Julien Prentiss den Keeper Marcio Figo - und das nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Der bullige Mittelstürmer legte los, als hätte er zu Hause den Herd angelassen. Torschüsse in der 1., 2., 3., 4. und 8. Minute - ein persönliches Feuerwerk, das Kingston mehr ins Schwitzen brachte als der karibische Sommer. "Ich dachte kurz, er hat einen Vertrag pro Schuss", grinste Gäste-Trainer Ostkurve Berlin nach dem Spiel. Kingston dagegen wirkte wie ein Team, das aus Gewohnheit defensiv spielte. Die Taktik: DEFENSIVE, Passspiel: LONG. Das roch nach Sicherheitsfußball - und schmeckte dementsprechend fade. Zwar hielten sie mit 51 Prozent Ballbesitz rein rechnerisch leicht die Oberhand, doch was nützt Ballbesitz, wenn man ihn nur quer spielt? Vier Torschüsse in 90 Minuten sind kein Angriff, sondern ein höflicher Besuch im gegnerischen Strafraum. Immerhin, ein paar Aufreger gab es. In der 19. Minute überraschte Agemar Velasco mit einem satten Versuch aus der Drehung, den Greenstars-Keeper Laurent Boulanger sehenswert parierte. Kurz darauf sah Greenstars-Mittelfeldmann Pedro Puerta Gelb, nachdem er Joel Washington etwas zu deutlich seine Meinung über Ballbesitzstatistiken mitgeteilt hatte. "Ich wollte nur den Ball - und vielleicht ein bisschen das Schienbein", sagte Puerta später mit einem Augenzwinkern. Dann, kurz vor der Pause, die Szene des Abends: Guy Larocque stürmt über rechts, zieht zwei Gegenspieler auf sich und legt den Ball traumhaft in die Mitte. Dort lauert Prentiss, wie ein Hai, der Blut wittert - und trifft eiskalt zum 0:1. Minute 45. Der Moment, in dem 25.000 Kingston-Fans gleichzeitig den Kopf in die Hände legten, während die anderen 25.000 (die neutralen Touristen und Greenstars-Anhänger) jubelten. "Wir haben gewusst, dass Prentiss irgendwann durchkommt", seufzte Zion Marley nach dem Spiel. "Wir hätten ihm vielleicht einfach ein Taxi zum Tor stellen sollen, dann wäre es schneller gegangen." In der zweiten Halbzeit änderte sich wenig. Greenstars blieb offensiv, Kingston blieb defensiv - ein Tanz, bei dem immer derselbe führt. Jérôme Bostwick und erneut Prentiss prüften Figo mehrfach, der sich mit Glanzparaden in den Vordergrund spielte. In der 74. Minute wechselte Ostkurve Berlin den jungen Dominique Landry aus, der zuvor Gelb gesehen hatte. "Er hat genug Gras gefressen für heute", meinte der Trainer trocken. Kurz darauf musste Rechtsverteidiger Henri Monroe verletzt raus, für ihn kam Liam Burton. Kingston versuchte es in den Schlussminuten noch einmal mit Leidenschaft, aber ohne Plan. Velasco kassierte in der 85. Minute Gelb, als er den Ball eher in den Gegner als Richtung Tor drosch. Und als Elliot McGowan in der 93. Minute den letzten Schuss des Spiels abgab, hallte ein müdes "Ooooh" durch das Stadion - halb Hoffnung, halb Gähnen. Statistisch gesehen war das Spiel klar: 17 Torschüsse für die Greenstars, 4 für Kingston. Tacklingquote? Greenstars 56 Prozent, Kingston 44 Prozent. Kurz: Die Gäste wollten, die Hausherren hofften. "Wir haben die Punkte nicht gestohlen, wir haben sie uns verdient", sagte Ostkurve Berlin in der Pressekonferenz und lehnte sich entspannt in den Stuhl, als hätte er gerade ein Schachspiel gewonnen. Zion Marley dagegen wirkte, als wolle er am liebsten noch einmal von vorn anfangen. "Ich werde meine Jungs daran erinnern, dass man Tore nur schießen kann, wenn man aufs Tor schießt", sagte er - halb scherzhaft, halb resigniert. So endete ein Abend, der für die Greenstars ein Arbeitssieg und für Kingston TG eine bittere Erinnerung war. Julien Prentiss wurde zum Mann des Spiels gekürt - verdient, allein schon für seine unermüdliche Schussfreude. Und während die Greenstars jubelnd in den Bus stiegen, blieb auf den Rängen das Gefühl: Kingston hat nicht verloren, weil sie schlechter waren. Sie haben verloren, weil sie zu brav waren. Vielleicht ist das in der 1. Liga Jamaica aber schon Strafe genug. Schlusswort? Nun, manchmal reicht ein Tor, um eine ganze Stadt zum Schweigen zu bringen - und ein Name, um sie nächste Woche wieder wachzurütteln. Prentiss. 22.02.643987 17:33 |
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Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
Oliver Kahn