Jamaica News Bulletin
+++ Sportzeitung für Jamaica +++

Greenstars retten Punkt gegen abgezockte Kingston Blues

Es war ein tropischer Sonntagabend in Kingston, an dem 69.660 Zuschauer im Stadion nicht wussten, ob sie gerade ein Fußballspiel oder eine Achterbahnfahrt erleben. Greenstars GSC empfing am 29. Spieltag der 1. Liga Jamaica die Kingston Blues - und das 2:2 fühlte sich am Ende für beide Seiten irgendwie unvollständig an.

Dabei begann alles ganz nach Blues-Manier: ruhig, abgeklärt, leicht zynisch. Trainer Kevin Tüllinghoff hatte seine Jungs defensiv eingestellt, als wollte er sagen: "Wir lassen sie kommen, aber nur bis zur Mittellinie." Greenstars-Coach Ostkurve Berlin - ja, so steht es wirklich in der Teamliste - dagegen ließ offensiv spielen, fast schon trotzig offensiv. "Ich habe gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", grinste er später in die Kameras.

Die ersten Torchancen gehörten tatsächlich den Greenstars. Der junge Michel Trottier prüfte den Blues-Keeper Hermenegildo gleich dreimal in den ersten 25 Minuten. Der Torwart reagierte wie ein Mann, der seinen Feierabend nicht gefährdet sehen will - sicher, aber ohne unnötige Dramatik. Und wie das im Fußball so ist: Wer vorne nicht trifft, kriegt hinten eins. In der 37. Minute stand plötzlich George Gariepy frei auf rechts, nahm Maß und zimmerte den Ball zum 0:1 ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, die Sonne stand günstig", erklärte der 35-Jährige später mit einem Augenzwinkern.

So ging’s mit einem Rückstand in die Pause, begleitet von einem leichten Pfeifkonzert. Das Publikum hatte sich mehr erhofft, vielleicht auch mehr Spektakel als die 46 Prozent Ballbesitz und acht Torschüsse der Gastgeber hergaben.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild - und zwar drastisch. Greenstars kam mit Wut im Bauch und Energie in den Beinen zurück. Franck Bridges, der linke Mittelfeldmann, nahm sich in der 64. Minute ein Herz, zog von halb links ab und traf zum verdienten 1:1. "Ich hab den Ball gesehen, und der Ball hat mich gesehen - wir hatten eine Verabredung", sagte Bridges später mit einem Lächeln, das wohl auch in der Kabine noch Thema war.

Das Spiel kippte nun, die Blues wankten, und in der 78. Minute war es Innenverteidiger Thierry Gagnon, der plötzlich Offensivdrang entwickelte. Nach einer Ecke von Bernard Browning stieg er am höchsten und köpfte das 2:1. Die Greenstars jubelten wie entfesselt, Trainer Berlin rannte die Seitenlinie entlang, als gäbe es für jeden Meter Bonuspunkte.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn das letzte Wort nicht einem Verteidiger der Gegenseite gehören würde. In der 84. Minute, als die Greenstars-Fans schon leise ans Feiern dachten, köpfte Rene Carter nach einer Flanke von Samuel Grantham den Ball wuchtig ins Netz - 2:2. "Wir sind wie schlechte Gäste - wir gehen nie, wenn’s am schönsten ist", witzelte Blues-Trainer Tüllinghoff nach der Partie.

Danach wurde es hektisch. Joel Cochrane von den Blues sah Gelb (65.), Liam Burton von den Greenstars musste verletzt raus (80.), und Keeper Vincent Abbadie wurde kurz vor Schluss durch Jay Dunn ersetzt - ein Wechsel, der mehr Symbolik als sportlichen Nutzen hatte. "Er sollte einfach das Gefühl kriegen, mal reinzuschnuppern", meinte Berlin trocken. Dunn nickte später: "Ich hab immerhin eine Ballberührung gehabt. Beim Abpfiff."

Statistisch gesehen war es ein leichtes Übergewicht für Kingston (53,9 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse), aber vom Gefühl her hatten die Greenstars das Herz auf dem Platz. "Das war Leidenschaft pur", sagte Tüllinghoff, und man wusste nicht, ob er seine oder die gegnerische Mannschaft meinte.

Als das Flutlicht erlosch und die Zuschauer langsam Richtung Ausgang drängten, blieb der Eindruck eines Spiels, das alles hatte: Tore, Drama, ein bisschen Chaos - und keine Sieger. Vielleicht war genau das die gerechteste Lösung.

Oder, wie es Gagnon zusammenfasste, während er mit Eis auf dem Knöchel in der Mixed Zone saß: "Wenn du zweimal führst und trotzdem nicht gewinnst, fühlst du dich leer. Wenn du zweimal zurückliegst und trotzdem nicht verlierst, fühlst du dich großartig. Heute waren wir beides."

Am Ende also 2:2 - ein Ergebnis, das niemanden wirklich glücklich machte, aber alle irgendwie zufrieden nach Hause schickte. Und wer weiß: Vielleicht treffen sich die beiden Teams bald wieder. Dann hoffentlich mit weniger Herzklopfen und mehr Torjubel. Aber ehrlich gesagt - genau so mögen wir’s doch.

20.08.643993 08:10
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager