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Es war einer dieser Abende im Nationalstadion von Kingston, an denen 65.777 Zuschauer zwischen Begeisterung und Nervenzusammenbruch schwankten. Der 13. Spieltag der 1. Liga Jamaica brachte alles mit, was Fußballherzen (und Pulsmesser) begehren: frühe Tore, fragwürdige Karten, taktische Schachzüge - und einen Trainer, der nach Spielschluss lieber über die Stadionwurst als über sein Mittelfeld sprach. Greenstars GSC besiegte Bull Bay mit 2:1 (1:0) - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es war. Denn die Mannschaft von Ostkurve Berlin (ja, der Mann heißt wirklich so) zeigte über weite Strecken, wer auf Jamaikas Rasen das Kommando hat. Zwar hatte Bull Bay mit 55 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, doch die Greenstars waren zielstrebiger, bissiger und schlicht effizienter. 12 Torschüsse zu 4 - das spricht eine deutliche Sprache. Dabei begann alles mit einem Paukenschlag: In der 15. Minute setzte sich Rechtsaußen René Bridges nach Zuspiel von Davib Thuringer durch, zog trocken ab und ließ Bull-Bay-Keeper Henri Carriere keine Chance. 1:0 - und das Stadion bebte. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Der Ball wollte rein, ich auch", grinste Bridges später mit schiefem Lächeln. Trainer Berlin nickte nur: "So spielt man Fußball. Nicht lange fackeln, einfach machen." Bull Bay wirkte danach wie ein Boxer, der nach einem unerwarteten Treffer noch seine Handschuhe sucht. Zwar mühten sie sich über die Flügel, wie es ihr Coach Sports Mann vorgesehen hatte - das Taktikboard zeigte klar "Wings, SURE, STRONG" -, doch die Greenstars-Verteidigung hielt stand. Ashton Carter und Henri Monroe räumten hinten alles ab, was sich bewegte. Kurz nach Wiederanpfiff dann der nächste Stich ins Herz der Gäste: Julien Prentiss, der umtriebige Mittelstürmer, nutzte einen Abpraller in der 47. Minute und wuchtete den Ball zur 2:0-Führung ins Netz. "Ich hab den Pfosten angebrüllt, dass er mir gefälligst helfen soll", lachte Prentiss später, als ginge es um Strandfußball. Er bekam prompt einen Klaps vom Coach: "Wenn er so weitermacht, darf er beim nächsten Mal auch den Eckstoß treten und selbst einköpfen." Bull Bay aber gab sich nicht auf. In der 71. Minute wurde Juanito Mendez, der Routinier auf der linken Seite, endlich für seinen Einsatz belohnt. Nach Vorarbeit von Spielmacher Jannik Hoppe traf er präzise ins lange Eck - 2:1, und plötzlich witterte das Team von Sports Mann Morgenluft. "Wir waren dran", schnaubte der Coach hinterher. "Aber wir brauchen mehr Killerinstinkt. Und weniger freundliche Verteidiger." Dann kam die Szene, über die am Tresen wohl noch lange diskutiert wird: In der 81. Minute sah Ashton Carter die Rote Karte nach einem übermotivierten Einsteigen. Der Referee zückte ohne Zögern - und das Publikum kochte. "Er hat den Ball gespielt! Oder zumindest fast!", schrie Trainer Berlin von der Seitenlinie, während Carter mit gesenktem Kopf in die Kabine stapfte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", murmelte er später. Die letzten Minuten waren ein einziger Abwehrkampf. Greenstars wechselte dreifach in der 89. Minute - frische Beine, junger Geist: Landry, Cochran und Keeper Dunn kamen. Bull Bay drückte, aber gefährlich wurde es selten. Der eingewechselte Humberto Martins hatte in der 79. Minute die beste Chance, aber sein Schuss landete im dritten Rang. Am Ende blieb es beim 2:1, und die Greenstars feierten ausgelassen. Die Fans sangen, die Ersatzspieler tanzten Limbo mit den Balljungen. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte Coach Berlin in der Pressekonferenz. "Und wenn man mit zehn Mann den Sieg nach Hause bringt, darf man ruhig ein bisschen stolz sein." Sein Gegenüber, Sports Mann, sah das anders: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Struktur, mehr Frisur. Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Vielleicht ist genau das die Moral dieses Abends: Manchmal reicht ein bisschen Mut, ein bisschen Chaos - und ein Trainer namens Ostkurve -, um Fußball wieder so unberechenbar zu machen, wie er sein sollte. Und irgendwo in Kingston, so munkelt man, hat ein Pfosten gerade ein Lächeln aufgesetzt. 15.10.643990 21:58 |
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