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Es war ein lauer Abend in Kingston, 50.000 Zuschauer, ein Valentinstagsspiel - und Greenstars GSC hatte offenbar nicht vor, Rosen zu verteilen. Stattdessen regnete es Tore. 1:4 hieß es am Ende aus Sicht von Constant Spring, und wer ehrlich ist, wird sagen: Das war noch schmeichelhaft. Schon in der 9. Minute zeigte der 20-jährige Michel Trottier, warum halb Europa seine Scout-Berichte liest. Nach feinem Zuspiel von Jean-Pierre Jean-Pierre - ja, der Mann heißt wirklich so - schob Trottier lässig ein. Kaum hatten die Heimfans den ersten Schock verdaut, antwortete Constant Spring prompt. Andre Seiler traf im Gegenzug nach Pass von Georg Abel zum 1:1 (10.). Für einen kurzen Moment roch es nach einem offenen Schlagabtausch. Doch dieser Moment verflog schneller als ein Regenschauer über dem Palisadoes. Greenstars drückte, spielte mutig und hatte trotz leicht geringerem Ballbesitz (48,6 %) eine wahre Flut an Chancen - 21 Schüsse aufs Tor, um genau zu sein. Constant Spring kam auf acht, und viele davon waren eher höfliche Rückgaben an den gegnerischen Keeper. In der 20. Minute klingelte es erneut: Guy Larocque verwandelte nach klugem Zuspiel von Didier Hoskins. Der Mann im Mittelfeld der Greenstars war das eigentliche Herzstück dieser Partie - immer anspielbar, immer mit Überblick. Und als Ashton Carter, eigentlich linker Verteidiger, kurz vor der Pause (45.) ebenfalls von Hoskins bedient wurde und trocken ins lange Eck traf, stand es 1:3. "Ich hatte plötzlich so viel Platz, ich dachte erst, das ist eine Falle", grinste Carter später in der Mixed Zone. Constant Spring versuchte es in der zweiten Halbzeit mit allem, was die Taktiktafel hergab - was in diesem Fall leider nicht sehr viel war. Trainer Berlin (ja, der Gastcoach heißt wirklich so, Ostkurve Berlin) stand an der Seitenlinie, rieb sich die Hände und flüsterte seinem Co-Trainer zu: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald einen zweiten Ball, nur um mitzählen zu können." Derweil wechselte Greenstars doppelt zur Pause: Der junge Torwart Vincent Abbadie kam für Laurent Boulanger, und Daniel Abrial ersetzte den gelbverwarnten Innenverteidiger Thierry Gagnon. Beides erwies sich als goldrichtig. Abbadie parierte später glänzend gegen Seiler (51.) und Lopez (90.), Abrial sorgte dafür, dass der Strafraum plötzlich so dicht war wie der jamaikanische Abenddschungel. Constant Springs Trainer - Namen wollte er am Ende nicht nennen lassen ("Ich bin heute lieber still") - schimpfte über die "schwache Zweikampfführung". Tatsächlich gewannen die Hausherren nur rund 46 Prozent ihrer Tacklings. Und wenn Morgan Graves (62.) oder Joel Marot (59.) mal durchkamen, fehlte Präzision. In der Nachspielzeit kam schließlich, was sich längst angedeutet hatte: Trottier schnürte seinen Doppelpack (95.), wieder nach Vorlage des unermüdlichen Hoskins. 1:4 - der Deckel drauf, die Stimmung im Gästeblock ausgelassen. "Ich wollte eigentlich schon früher schießen, aber Didier hat so schön gepasst, da musste ich einfach Danke sagen", lachte Trottier nach dem Spiel, während er sich mit dem Ball unterm Arm Richtung Kabine verabschiedete. Man muss es den Greenstars lassen: Ihre offensive, kraftvolle Spielweise (taktisch tatsächlich "OFFENSIVE" mit "starkem Einsatz" vermerkt) war nicht nur effektiv, sondern auch unterhaltsam. Constant Spring dagegen war zwar bemüht, das Spiel mit 51 Prozent Ballbesitz zu kontrollieren, aber Kontrolle ohne Durchschlagskraft bleibt wie ein Reggae ohne Bass - nett, doch wirkungslos. Ein wenig Symbolkraft hatte die Szene in der 84. Minute: Henri Monroe sah Gelb, weil er Seiler am Trikot zupfte - sinnbildlich für das gesamte Heimteam, das sich an jedem Strohhalm festklammerte. Nach dem Schlusspfiff stand Greenstars-Trainer Ostkurve Berlin breit grinsend vor den Kameras: "Wir wollten dominieren, und die Jungs haben’s verstanden. Trottier? Der ist 20, aber spielt wie 28 - nur mit mehr Lächeln." Constant Springs Kapitän Giacomo Fuscaldo rang um Fassung: "Wir haben den Ball, sie haben die Tore. Das ist Fußball, aber heute tut’s weh." So endete dieser 8. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit einer klaren Botschaft: Die Greenstars GSC sind gekommen, um ernst zu machen - und Constant Spring hat eine Lektion in kaltschnäuziger Effizienz erhalten. Und während die Fans der Gäste noch auf den Rängen sangen, murmelte ein Zuschauer beim Rausgehen: "Das war kein Spiel, das war eine Lehrstunde." Recht hat er. 18.08.643990 22:30 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer