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Es war ein Abend, an dem sich 54.794 Zuschauer im Greenstar Dome gegenseitig fragten, ob sie Zeugen eines Wunders oder einer Slapstick-Nummer geworden waren. Am Ende trennten sich Greenstars GSC und Bull Bay 3:3 - und beide Trainer wirkten, als hätten sie gerade eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel hinter sich. Bull Bay, angetreten mit Trainer Sports Mann und gewohnt forschem Offensivdrang, legte los wie die Feuerwehr. Schon in der 16. Minute drosch Otto Dahlstrom, der rechte Flügelflitzer mit der Präzision eines Uhrwerks, den Ball nach Vorarbeit von Mikhail Kerschakow ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, triffst du den Pfosten - oder die Eckfahne", grinste Dahlstrom später. Greenstars’ Coach Ostkurve Berlin hingegen stand da, als hätte man ihm den Spielplan vertauscht. Seine Elf schien in der ersten Halbzeit in einem kollektiven Winterschlaf zu liegen. Bull Bay nutzte das eiskalt aus: In der 35. Minute erhöhte Lucas Callahan mit einem trockenen Schuss aus 18 Metern auf 2:0. Die Heimfans stöhnten, der Gästeblock tanzte, und Berlins Notizblock füllte sich mit Ausdrücken, die man im Druck besser nicht wiedergibt. Zur Pause sprach Bull Bay-Torhüter Henri Carriere von einem "kontrollierten Spiel", während Greenstars-Kapitän Thierry Gagnon nur trocken meinte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil." Worte, die prophetisch wirken sollten. Denn nach Wiederanpfiff kam Bewegung in die Sache - und wie! In der 51. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Gagnon, der nach einer Ecke von Thierry Maurice am höchsten stieg und den Ball wuchtig einköpfte. 1:2. Plötzlich war das Stadion wieder wach, und man roch förmlich den Glauben an die Wende. Doch Bull Bay schlug zurück: Robert Broderick, der bullige Mittelstürmer, zog in der 61. Minute ab und traf flach ins linke Eck - 1:3. Trainer Mann hob die Faust, als hätte er das Spiel schon gewonnen. "Da dachte ich, das Ding sei durch", gab er später zu. "War’s aber nicht." Greenstars reagierte mit jugendlichem Trotz. Der erst 21-jährige Jacob Hubbert verkürzte in der 68. Minute nach Pass von William Primes auf 2:3. Das Stadion kochte, die Fans sangen, und Coach Berlin schrie seine Jungs nach vorn. "Da war Feuer drin - buchstäblich, ich glaube, jemand hat im Fanblock eine Fackel gezündet", witzelte Verteidiger Liam Burton nach dem Spiel. Die Schlussphase war ein einziger Dauerangriff der Greenstars. 13 Torschüsse hatten beide Teams am Ende auf dem Konto, aber die letzten Minuten gehörten klar den Gastgebern. In der 90. Minute kam der große Moment des Abends: Wieder Gagnon, der Abwehrhüne, diesmal nach Flanke von Franck Bridges - Kopfball, Tor, 3:3! Die Tribüne bebte, und Coach Berlin legte einen Jubellauf hin, der jedem 20-Jährigen Ehre gemacht hätte. "Ich hab einfach nicht aufgehört zu glauben", sagte Gagnon, während er mit einem Handtuch um die Schultern in der Mixed Zone stand. "Vielleicht sollte ich öfter Stürmer spielen." Bull Bay dagegen stand konsterniert da. Der eingewechselte Verteidiger Domingo Vega sah in der Nachspielzeit noch Gelb, sinnbildlich für ein Team, das sich selbst im Weg stand. Trainer Mann versuchte Fassung zu bewahren: "Wir haben 52 Prozent Ballbesitz, drei Tore - und trotzdem fühlt es sich an wie eine Niederlage." Greenstars-Coach Berlin hatte eine andere Sicht: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon Chaos spielt, dann richtig. Und siehe da - Chaos kann schön sein." Die Statistik unterstreicht den offenen Schlagabtausch: Beide Teams mit 13 Torschüssen, Ballbesitz fast ausgeglichen, und eine Zweikampfquote, die zeigte, dass keiner zurückzog. Gelbe Karten gab’s reichlich - sechs insgesamt - aber keine rote. Man könnte sagen, es war ein faires Spektakel mit leichtem Hang zum Wahnsinn. Als die Fans nach Abpfiff in die kühle Nacht von Kingston strömten, hörte man einen älteren Herren murmeln: "Dafür zahl ich gern Eintritt - so viel Drama gibt’s sonst nur im Fernsehen." Vielleicht war es kein Spiel für Taktikpuristen, aber eines für die Seele. Und für die Statistikfreunde: 3:3, 0:2 zur Halbzeit, zwei Tore von einem Innenverteidiger. Fußball, du herrlich unberechenbares Spiel. Und Trainer Berlin? Der grinste zuletzt: "Ich sag’s euch, das war kein Punktgewinn - das war eine kleine Wiederauferstehung." 06.03.643987 07:18 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
Matthias Sammer