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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott ein schelmischer Komiker ist. 47.495 Zuschauer im Duncan-Stadion sahen, wie die heimischen Duncan Destroyers an der eigenen Ideenlosigkeit zerschellten - und die Greenstars GSC mit stoischer Präzision einen 2:0-Auswärtssieg einfuhren. Dabei begann alles ganz harmlos. Die Sonne war gerade untergegangen, der Rasen glänzte im Flutlicht, und die Destroyers wirkten, als könnten sie tatsächlich etwas zerstören - am besten die Abwehr der Gäste. Doch was folgte, war weniger Zerstörung, mehr Selbstzerstörung. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. "Wir wollten kompakt stehen und dann über die Flügel kommen", erklärte Heimtrainer (der, wie üblich, lieber anonym bleiben wollte) nach dem Spiel. "Hat bis zur Mittellinie ja auch funktioniert." Danach nur noch Ballverluste und lange Gesichter. Die Greenstars dagegen spielten von Beginn an, als hätten sie ein Abo auf Torchancen. 18 Schüsse aufs Tor - und das bei knapp 51 Prozent Ballbesitz. Das nennt man Effizienz im Dauerbetrieb. Schon in der 15. Minute prüfte Jerome Bostwick den heimischen Keeper Alessandro Pietro mit einem satten Linksschuss. Der Torwart flog, als ginge es um die Rolle seines Lebens, und rettete spektakulär. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, nur gehört", grinste Pietro später. Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der die Greenstars trotz Überlegenheit mehrfach an sich selbst und an Pietro scheiterten, änderte sich das Bild nach der Pause kaum - nur dass die Gäste ihre Zielvorrichtung etwas nachjustierten. In der 61. Minute war es dann soweit: Bostwick, der unermüdliche Linksaußen, setzte sich nach einem Pass von Rene Bridges durch und schob den Ball eiskalt ins lange Eck - 0:1. Das Stadion verstummte, nur eine Handvoll grün gekleideter Fans jubelte auf der Gästetribüne. "Ich hab nur versucht, den Ball nicht zu versemmeln", sagte Bostwick später bescheiden. "Und ehrlich - diesmal ging er halt rein." Die Destroyers reagierten, wie man es von einem Team erwartet, das nur zwei Torschüsse zustande bringt: mit einer Gelben Karte. Jacob Guillory, ohnehin schon frustriert, rauschte in der 46. Minute in Jean-Pierre Jean-Pierre hinein (ja, der Mann heißt wirklich so) und sah Gelb. Später, in der 88. Minute, wiederholte er das Kunststück - diesmal mit Rot-Gelb als Zugabe. "Ich wollte den Ball spielen", murrte Guillory. "Der Ball wollte aber nicht." Während die heimischen Fans die Köpfe hängen ließen, machten die Greenstars weiter Druck. Trainer Ostkurve Berlin - ein Name so ungewöhnlich wie seine Taktik - ließ offensiv spielen bis zur letzten Sekunde. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön, sondern auch erfolgreich Fußball spielen können", sagte er nach dem Abpfiff. "Und ehrlich gesagt: das hat Spaß gemacht." In der Nachspielzeit krönte der junge Michel Trottier seinen Joker-Einsatz. Gerade erst in der 74. Minute eingewechselt, sprintete der 19-Jährige in der 92. Minute in den Strafraum, nahm den Pass von Didier Hoskins direkt und traf zum 0:2-Endstand. Eiskalt wie ein Profi, der schon 100 Spiele auf dem Buckel hat. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Trottier später. "Wenn du jung bist, denkst du nicht so viel nach." Vielleicht sollte man diesen Satz im Destroyers-Mittelfeld mal an die Taktiktafel hängen. Die Statistiken untermauern, was das Auge sah: 18 zu 2 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Greenstars, und eine Ballbesitzverteilung, die so ausgeglichen war, dass sie fast spöttisch wirkte - 51 zu 49 Prozent. Nur auf der Anzeigetafel herrschte eben kein Gleichgewicht. "Ich hab meinen Jungs gesagt: Wir müssen lernen, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist", meinte der sichtlich genervte Destroyers-Coach. In diesem Fall war es eher ein Trauerspiel mit Humorpotenzial. So endete der Abend mit einem klaren 0:2, das den Greenstars Rückenwind für die kommenden Spiele gibt - und die Destroyers mit der Erkenntnis zurücklässt, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt. Oder, um es in den Worten eines Fans hinter der Tribüne zu sagen: "Wir hätten auch 90 Minuten jonglieren können - wär aufs Gleiche rausgekommen." Und manchmal, das lehrt dieser 8. Spieltag der 1. Liga Jamaica, ist das Runde einfach nicht willig - zumindest nicht für die Destroyers. 10.04.643987 06:35 |
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