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Wenn 43.268 Zuschauer an einem warmen Januarabend in Kingston ins Stadion strömen, dann erwarten sie Spektakel. Und genau das bekamen sie - zumindest von einer Mannschaft. Greenstars GSC fegte am 3. Spieltag der 1. Liga Jamaica die Buff Bay Saints mit 3:0 vom Platz. Was auf dem Papier nach einer souveränen Angelegenheit aussieht, war auf dem Rasen ein bunter Mix aus frühem Jubel, hitzigen Karten und einem kleinen internen Carter-Chaos. Schon nach sechs Minuten bebte die Osttribüne, als Innenverteidiger Pascal Carter - ja, nicht der Stürmer, sondern der Mann fürs Grobe - nach einer Ecke von Didier Hoskins am höchsten stieg und den Ball wuchtig ins Netz köpfte. "Ich dachte, ich träume", grinste Carter nach dem Spiel und klatschte sich mit seinem Namensvetter Ashton Carter ab - der später allerdings weniger Grund zum Lachen haben sollte. Die Buff Bay Saints wirkten von diesem frühen Rückstand so überrascht, dass sie die nächsten 80 Minuten damit beschäftigt waren, die Orientierung wiederzufinden. Kein einziger Schuss aufs Tor - null. Trainer Ostkurve Berlin, der Greenstars-Coach mit dem vielleicht ungewöhnlichsten Namen der Liga, fasste es trocken zusammen: "Wenn du das Tor triffst, ist Fußball plötzlich viel einfacher." Die Gäste dagegen mussten sich an diesem Abend mit Karten statt Chancen begnügen. Schon in der 9. Minute sah Ezequiel Guillen Gelb, drei Minuten später folgte Rechtsverteidiger Finlay Hennessy. Und als wäre das nicht genug, flog Hennessy in der 72. Minute nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Da war der Drops längst gelutscht - Greenstars führte zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0. Das zweite Tor entstand in der 62. Minute nach einem blitzsauberen Doppelpass zwischen Pedro Puerta und Rene Bridges. Bridges zog von rechts in die Mitte, schaute kurz auf und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - sein erstes Saisontor. "Pedro hat mir gesagt: ’Mach’s einfach wie im Training’ - und ausnahmsweise hat’s geklappt", lachte der Torschütze später. Nur drei Minuten zuvor hatte Ashton Carter, der linke Außenverteidiger, sein Team mit seiner zweiten Gelben Karte dezimiert. Trainer Berlin kommentierte das mit einem halb gespielten Seufzer: "Wir Carters müssen anscheinend alles doppelt machen - Tore wie Karten." Buff Bay Saints, die laut Statistik immerhin 45,8 Prozent Ballbesitz verbuchen konnten, fanden auch in Überzahl keine Antwort. Stattdessen traf in der 78. Minute Greenstars-Stürmer Julien Prentiss zum 3:0-Endstand. Nach einem herrlichen Flankenlauf von Jean-Pierre Jean-Pierre (ja, so heißt er wirklich) köpfte Prentiss aus kurzer Distanz ein. "Ich wollte eigentlich querlegen", meinte der Stürmer mit einem breiten Grinsen, "aber der Ball war beleidigt, wenn ich ihn nicht selbst reinschieße." Die Gäste wirkten zu diesem Zeitpunkt völlig konsterniert. Kein einziger gefährlicher Moment, keine Idee im letzten Drittel - und ein Torhüter Oscar Chevallier, der sich über weite Strecken mehr mit dem Sortieren seiner Handschuhe beschäftigte als mit Paraden. Greenstars dagegen präsentierten sich spielfreudig, mit 15 Torschüssen, 54 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von über 60 Prozent. Das Ergebnis: pure Dominanz. Selbst nach dem Platzverweis blieb die Mannschaft offensiv eingestellt, als wollte sie den Zuschauern für ihr Eintrittsgeld mehr bieten als ein sicheres 2:0. Nach dem Schlusspfiff standen die Buff Bay Saints ratlos im Mittelkreis. Ihr Trainer - der Name blieb an diesem Abend so blass wie die Offensivleistung seiner Mannschaft - soll in der Kabine nur kurz gemurmelt haben: "Wir hatten einen Plan, aber der hat uns wohl im Bus vergessen." Für Greenstars war es dagegen ein Statement-Sieg: drei Tore, drei verschiedene Torschützen, keine Gegentreffer. Trainer Berlin fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wenn selbst mein Innenverteidiger trifft, dann läuft’s. Jetzt müssen wir nur noch lernen, mit elf Mann zu Ende zu spielen." Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit einem ohrenbetäubenden Chor, der wohl noch bis in die Nacht über Kingston hallte. Die Buff Bay Saints dagegen traten den Heimweg an - ohne Schuss auf das Tor, aber mit fünf Gelben Karten und einer gehörigen Portion Nachdenklichkeit. Fazit: Greenstars GSC hat an diesem Abend gezeigt, wie man Fußball nicht nur spielt, sondern genießt. Und wer den Buff Bay Saints helfen will, das Tor zu finden - vielleicht wäre ein Navigationsgerät keine schlechte Idee. 21.02.643987 19:50 |
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Der Genuss von Zuckerlimonade beeinträchtigt die Trainingsadaption.
Peter Neururer